Yoma 165

Kapitel 165

א (תהלים נח, ד) זורו רשעים מרחם נפק מינה שבתאי אצר פירי
1 <i>Die Frevler sind abtrünnig</i> <i>vom Mutterleibe an</i>. Ihr entstammte Šabthaj der Getreidewucherer.
ב חולה מאכילין אותו על פי בקיאין אמר ר' ינאי חולה אומר צריך ורופא אומר אינו צריך שומעין לחולה מ"ט (משלי יד, י) לב יודע מרת נפשו פשיטא מהו דתימא רופא קים ליה טפי קמ"ל
2 E<small>INEM</small> K<small>RANKEN GEBE MAN ZU ESSEN AUF</small> V<small>ERORDNUNG VON</small> S<small>ACHKUNDIGEN</small>. R. Jannaj sagte: Wenn der Kranke sagt, er müsse [essen], und der Arzt sagt, er brauche es nicht, so höre man auf den Kranken, denn es heißt: <i>das Herz kennt sein Leid</i>. – Selbstverständlich!? – Man könnte glauben, der Arzt wisse es besser, so lehrt er uns.
ג רופא אומר צריך וחולה אומר אינו צריך שומעין לרופא מ"ט תונבא הוא דנקיט ליה
3 Wenn der Arzt sagt, er müsse [essen], und der Kranke sagt, er brauche es nicht, so höre man auf den Arzt. – Weshalb? – Ein Stumpfsinn bemächtigt sich seiner. –
ד תנן חולה מאכילין אותו ע"פ בקיאין ע"פ בקיאין אין ע"פ עצמו לא ע"פ בקיאין אין על פי בקי אחד לא
4 Wir haben gelernt: Man gebe ihm zu essen auf Verordnung von Sachkundigen. Nur auf Verordnung von Sachkundigen, nicht aber auf sein Verlangen; nur auf Verordnung von Sachkundigen, nicht aber auf Verordnung eines Sachkundigen!? –
ה הכא במאי עסקינן דאמר לא צריכנא וליספו ליה ע"פ בקי לא צריכא דאיכא אחרינא בהדיה דאמר לא צריך מאכילין אותו ע"פ בקיאין
5 Dies gilt von dem Falle, wenn er selbst sagt, er brauche es nicht. – Sollte man ihm auch auf Verordnung eines Sachkundigen [zu essen] geben!? – In dem Falle, wenn noch jemand anwesend ist, der sagt, er brauche es nicht. – «Man gebe ihm zu essen auf Verordnung von Sachkundigen.»
ו ספק נפשות הוא וספק נפשות להקל לא צריכא דאיכא תרי אחריני בהדיה דאמרי לא צריך ואע"ג דאמר רב ספרא תרי כמאה ומאה כתרי ה"מ לענין עדות אבל לענין אומדנא בתר דעות אזלינן
6 Selbstverständlich, hierbei besteht ja ein Zweifel der Lebensgefahr, und bei einem Zweifel der Lebensgefahr ist ja erleichternd zu entscheiden!? – In dem Falle, wenn mit ihm noch andere zwei anwesend sind, die sagen, er brauche es nicht. Und obgleich R. Saphra gesagt hat, [die Regel], zwei wie hundert und hundert wie zwei, gelte nur bei Zeugen, während man sich bei der Schätzung nach der Anzahl der Ansichten richte,
ז וה"מ לענין אומדנא דממונא אבל הכא ספק נפשות הוא
7 so bezieht sich dies nur auf Schätzungen in Geldsachen, während hierbei ein Zweifel der Lebensgefahr besteht. –
ח והא מדקתני סיפא ואם אין שם בקיאין מאכילין אותו על פי עצמו מכלל דרישא דאמר צריך חסורי מיחסרא והכי קתני בד"א דאמר לא צריך אני אבל אמר צריך אני אין שם בקיאין תרי אלא חד דאמר לא צריך מאכילין אותו על פי עצמו
8 Wenn er aber im Schlußsatze lehrt, daß, wenn keine Sachkundigen anwesend sind, man ihm auf sein eigenes Verlangen zu essen gebe, so gilt ja der Anfangssatz von dem Falle, wenn er sagt, er brauche es!? – [Unsere Mišna] ist lückenhaft und muß wie folgt lauten: Dies nur, wenn er sagt, er brauche es nicht, wenn er aber sagt, er brauche es, und da nicht zwei Sachkundige anwesend sind, sondern nur einer, der sagt, er brauche es nicht, so gebe man ihm auf sein eigenes Verlangen zu essen.
ט מר בר רב אשי אמר כל היכא דאמר צריך אני אפי' איכא מאה דאמרי לא צריך לדידיה שמעינן שנאמר לב יודע מרת נפשו
9 Mar b. R. Aši sagte: Wenn er sagt, er müsse [essen], so höre man auf ihn, selbst wenn hundert anwesend sind, die sagen er brauche es nicht, denn es heißt: <i>das Herz kennt sein Leid</i>. –
י תנן אם אין שם בקיאין מאכילין אותו ע"פ עצמו טעמא דליכא בקיאין הא איכא בקיאין לא ה"ק בד"א דאמר לא צריך אני אבל אמר צריך אני אין שם בקיאין כלל מאכילין אותו ע"פ עצמו שנאמר לב יודע מרת נפשו
10 Wir haben gelernt: Sind keine Sachkundigen anwesend, so gebe man ihm zu essen auf sein eigenes Verlangen. Nur, wenn keine Sachkundigen anwesend sind, nicht aber wenn solche anwesend sind!? – Er meint es wie folgt: dies nur, wenn er sagt, er brauche es nicht, wenn er aber sagt, er brauche es, so gibt es keine Sachkundigenund man gehe ihm auf sein Verlangen zu essen, denn es heißt: <i> das Herz kennt sein Leid</i>.
יא <big><strong>מתני׳</strong></big> מי שאחזו בולמוס מאכילין אותו אפי' דברים טמאים עד שיאורו עיניו מי שנשכו כלב שוטה אין מאכילין אותו מחצר כבד שלו ור' מתיא בן חרש מתיר
11 <b>W</b><small>ENN JEMAND VON</small> H<small>EISSHUNGER BEFALLEN WIRD, SO GEBE MAN IHM ZU ESSEN, SELBST UNREINE</small> D<small>INGE, BIS SEINE</small> A<small>UGEN ERHELLEN</small>. W<small>ENN EINEN EIN TOLLER</small> H<small>UND GEBISSEN HAT, SO DARF MAN IHM NICHT VON DESSEN</small> L<small>EBERKLAPPEN ZU ESSEN</small> <small>GEBEN</small>; R. M<small>ATHJA B</small>.H<small>EREŠ ERLAUBT DIES</small>.
יב ועוד אמר ר' מתיא בן חרש החושש בגרונו מטילין לו סם בתוך פיו בשבת מפני שהוא ספק נפשות וכל ספק נפשות דוחה את השבת
12 F<small>ERNER SAGTE</small> R. M<small>ATHJA B</small>.H<small>EREŠ</small>: W<small>ENN JEMAND</small> H<small>ALSSCHMERZEN HAT, SO DARF MAN IHM AM</small> Š<small>ABBATH</small> M<small>EDIZIN IN DEN</small> M<small>UND EINFLÖSSEN, WEIL HIERBEI EIN</small> Z<small>WEIFEL DER</small> L<small>EBENSGEFAHR VORLIEGT, UND JEDER</small> Z<small>WEIFEL DER</small> L<small>EBENSGEFAHR VERDRÄNGT DEN</small> Š<small>ABBATH</small>.
יג מי שנפלה עליו מפולת ספק הוא שם ספק אינו שם ספק חי ספק מת ספק כותי ספק ישראל מפקחין עליו את הגל מצאוהו חי מפקחין ואם מת יניחוהו
13 W<small>ENN ÜBER EINEN EIN</small> T<small>RUMM ZUSAMMENSTÜRZT, UND ES ZWEIFELHAFT IST, OB ER SICH DA BEFINDET ODER NICHT, OB ER LEBENDIG IST ODER TOT, OB ES EIN</small> N<small>ICHTJUDE IST ODER EIN</small> J<small>ISRAÉLIT, SO LEGE MAN SEINETHALBEN DEN</small> T<small>RUMM FREI: FINDET MAN IHN LEBEND, SO TRAGE MAN IHN AB, WENN ABER TOT, SO LASSE MAN IHN LIEGEN</small>.
יד <big><strong>גמ׳</strong></big> ת"ר מניין היו יודעין שהאירו עיניו משיבחין בין טוב לרע אמר אביי ובטעמא
14 GEMARA. Die Rabbanan lehrten: Woher weiß man, ob seine Augen erhellt sind? Sobald er zwischen gut und schlecht zu unterscheiden vermag. Abajje sagte: Durch den Geschmack.
טו ת"ר מי שאחזו בולמוס מאכילין אותו הקל הקל טבל ונבילה מאכילין אותו נבילה טבל ושביעית שביעית
15 Die Rabbanan lehrten: Wenn jemand von Heißhunger befallen wird, so gebe man ihm nach und nach das Leichtere zuerst: von Unverzehntetem und Aas gebe man ihm Aas zu essen; von Unverzehntetem und Siebentjahrsfrucht [gebe man ihm] Siebentjahrsfrucht;
טז טבל ותרומה תנאי היא דתניא מאכילין אותו טבל ואין מאכילין אותו תרומה בן תימא אומר תרומה ולא טבל אמר רבה היכא דאפשר בחולין דכולי עלמא לא פליגי דמתקנינן ליה ומספינן ליה
16 über Unverzehntetes und Hebe [streiten] Tannaím, denn es wird gelehrt: Man gebe ihm Unverzehntetes zu essen und keine Hebe; Ben Tema sagt, Hebe und kein Unverzehntetes. Rabba sagte: In einem Falle, wo es mit Profanem möglich ist, stimmen alle überein, daß man es brauchbar mache und ihm gebe,
יז כי פליגי בדלא אפשר בחולין מר סבר טבל חמור ומר סבר תרומה חמורה מר סבר טבל חמור אבל תרומה חזיא לכהן ומר סבר תרומה חמורה אבל טבל אפשר לתקוניה
17 sie streiten nur über den Fall, wo es mit Profanem nicht möglich ist: einer ist der Ansicht, [das Verbot] des Unverzehnteten sei schwerer, und einer ist der Ansicht, das der Hebe sei schwerer. Einer ist der Ansicht, das des Unverzehnteten sei schwerer, weil Hebe wenigstens für einen Priester brauchbar ist; und einer ist der Ansicht, das der Hebe sei schwerer, weil man das Unverzehntete tauglich machen kann. –