Yoma 166

Kapitel 166

א אפשר בחולין פשיטא לא צריכא בשבת
1 «Wenn es mit Profanem möglich ist.» Selbstverständlich!? – In dem Falle, wenn es am Šabbath zu erfolgen hat. –
ב בשבת נמי פשיטא טלטול מדרבנן הוא הכא במאי עסקינן בעציץ שאינו נקוב דרבנן
2 Auch am Šabbath ist es ja selbstverständlich, das Umhertragen [am Šabbath] ist ja nur rabbanitisch [verboten]!? – Hier handelt es sich um in einem undurchlochten Topfe [gezogene Früchte], die nur rabbanitisch [hebepflichtig] sind.
ג מר סבר טבל חמור ומר סבר תרומה חמורה
3 «Einer ist der Ansicht, [das Verbot] des Unverzehnteten sei schwerer, und einer ist der Ansicht [das Verbot] der Hebe sei schwerer.»
ד לימא תנאי היא דתניא מי שנשכו נחש קורין לו רופא ממקום למקום ומקרעין לו את התרנגולת וגוזזין לו את הכרישין ומאכילין אותו ואין צריך לעשר דברי רבי ר' אלעזר בר' שמעון אומר לא יאכל עד שיעשר
4 Es ist anzunehmen, daß hierüber Tannaím streiten, denn es wird gelehrt: Wenn jemand von einer Schlange gebissen wird, so darf man [am Šabbath] für ihn einen Arzt aus einer Ortschaft nach einer anderen rufen, auch darf man für ihn eine Henne aufschlitzen, auch Lauch [vom Boden] schneiden und ihm unverzehntet zu essen geben – so Rabbi. R. Elea͑zar b.R. Šimo͑n sagt, er dürfe nur verzehntet essen.
ה נימא ר' אלעזר בר' שמעון היא ולא רבי
5 Es wäre also anzunehmen, daß sie nach R. Elea͑zar b. R. Šimo͑n ist und nicht nach Rabbi. –
ו אפי' תימא רבי עד כאן לא קאמר רבי התם אלא לענין מעשר ירק דרבנן אבל במעשר דגן דטבל דאורייתא הוא אפי' רבי מודה דאי שרית ליה בעציץ שאינו נקוב אתי למיכל בעציץ שהוא נקוב
6 Du kannst auch sagen. nach Rabbi, denn Rabbi ist dieser Ansicht nur da, wo es sich um den Zehnten von Kräutern handelt, der nur rabbanitisch [zu entrichten] ist, beim Zehnten von Getreide aber, wobei das Unverzehntete nach der Tora [verbaten] ist, pflichtet Rabbi bei; denn wenn man dies bei einem undurchlochten Pflanzentopfe erlaubt, könnte man veranlaßt werden, auch von einem durchlochten Pflanzentopfe [unverzehntet] zu essen.
ז ת"ר מי שאחזו בולמוס מאכילין אותו דבש וכל מיני מתיקה שהדבש וכל מיני מתיקה מאירין מאור עיניו של אדם ואע"פ שאין ראיה לדבר זכר לדבר (שמואל א יד, כט) ראו נא כי אורו עיני כי טעמתי מעט דבש הזה
7 Die Rabbanan lehrten: Wenn jemand von Heißhunger befallen wird, so gebe man ihm Honig, oder sonst etwas Süßes, denn Honig und alle anderen Süßigkeiten machen die Augen des Menschen aufleuchten. Und obgleich es dafür keinen Beweis gibt, so gibt es immerhin eine Andeutung, denn es heißt: <i>sieh doch, wie meine Augen leuchten, weil ich dies bischen Honig genossen habe</i>. –
ח ומאי אע"פ שאין ראיה לדבר דהתם לאו בולמוס אחזיה
8 Wieso ist dies kein Beweis!? – In jenem Falle war er nicht von Heißhunger befallen worden.
ט אמר אביי ל"ש אלא לאחר אכילה אבל קודם אכילה מגרר גריר דכתיב (שמואל א ל, יא) וימצאו איש מצרי בשדה ויקחו אותו אל דוד ויתנו לו לחם ויאכל וישקוהו מים ויתנו לו פלח דבילה ושני צמוקים ויאכל ותשב רוחו אליו כי לא אכל לחם ולא שתה מים שלשה ימים ושלשה לילות
9 Abajje sagte: Dies gilt nur nach dem Essen, vor dem Essen aber reizt er sogar den Appetit, denn es heißt: <i>da fanden sie auf dem Felde einen mizrischen Mann, den brachten sie zu David; darauf gaben sie ihm Brot zu essen und Wasser zu trinken und ein Stück Feigenkuchen und zwei Rosinentrauben; und als er gegessen und getrunken hatte, kam er zu sich, denn er hatte drei Tage und drei Nächte nichts gegessen</i>.
י אמר ר"נ אמר שמואל מי שאחזו בולמוס מאכילין אותו אליה בדבש רב הונא בריה דרב יהושע אמר אף סולת נקיה בדבש רב פפא אמר אפי' קמחי דשערי בדיבשא אמר ר' יוחנן פעם אחת אחזני בולמוס ורצתי למזרחה של תאנה וקיימתי בעצמי (קהלת ז, יב) החכמה תחיה בעליה דתני רב יוסף הרוצה לטעום טעם תאנה יפנה למזרחה שנאמר (דברים לג, יד) וממגד תבואות שמש
10 R. Naḥman sagte im Namen Šemuéls: Wenn jemand von Heißhunger befallen wird, so gebe man ihm Fettschwanz mit Honig zu essen. R. Hona, Sohn des R. Jehošua͑, sagte: Auch reines Feinmehl mit Honig. R. Papa sagte: Selbst Gerstenmehl mit Honig. R. Joḥanan erzählte: Einst wurde ich von Heißhunger befallen, da lief ich zur Ostseite eines Feigenbaumes und ließ an mir in Erfüllung gehen [den Schriftvers:] <i>die Weisheit erhält ihrem Besitzer das Leben</i>. R. Jose lehrte nämlich: Wer den [richtigen] Geschmack einer Feige kosten will, wende sich nach der Ostseite, denn es heißt: <i>von den Süßigkeiten, die die Sonne hervorbringt</i>.
יא ר' יהודה ור' יוסי הוו קא אזלי באורחא אחזיה בולמוס לר' יהודה קפחיה לרועה אכליה לריפתא א"ל ר' יוסי קפחת את הרועה כי מטו למתא אחזיה בולמוס לר' יוסי אהדרוהו בלגי וצעי א"ל ר' יהודה אני קפחתי את הרועה ואתה קפחת את העיר כולה
11 Einst gingen R. Jehuda und R. Jose auf dem Wege, und R. Jehuda wurde von Heißhunger befallen; da überwältigte er einen Hirten und aß ihm sein Brot weg. Da sprach R. Jose zu ihm: Du hast den Hirten beraubt! Als sie in der Stadt angelangt waren, wurde R. Jose von Heißhunger befallen, und sie umgaben ihn mit Speisen und Schüsseln. Hierauf sprach R. Jehuda zu ihm: Ich habe den Hirten überwältigt, du aber hast die ganze Stadt überwältigt.
יב ותו ר"מ ור' יהודה ור' יוסי הוו קא אזלי באורחא ר' מאיר הוה דייק בשמא ר' יהודה ור' יוסי לא הוו דייקו בשמא כי מטו לההוא דוכתא בעו אושפיזא יהבו להו אמרו לו מה שמך אמר להו כידור אמר ש"מ אדם רשע הוא שנאמר (דברים לב, כ) כי דור תהפוכות המה ר' יהודה ור' יוסי אשלימו ליה כיסייהו ר"מ לא אשלים ליה כיסיה אזל אותביה בי קיבריה דאבוה
12 Einst befanden sich (ferner) R. Meír, R. Jehuda und R. Jose auf der Reise; R Meír achtete auf den Namen, R. Jose und R. Jehuda achteten nicht auf den Namen. Da kamen sie in eine Ortschaft und suchten ein Quartier, und als sie es erhielten, fragten sie [den Wirt] nach seinem Namen. Er erwiderte: Kidor. Da dachte R. Meír: Es scheint also, daß er ein Bösewicht ist, denn es heißt: <i>denn ein Geschlecht [ki dor] von Falschheiten sind sie</i>. R. Jehuda und R. Jose übergaben ihm ihre Geldbeutel, R. Meír aber übergab ihm seinen nicht, sondern versteckte ihn in das Grab seines Vaters.
יג אתחזי ליה בחלמיה תא שקיל כיסא דמנח ארישא דההוא גברא למחר אמר להו הכי אתחזי לי בחלמאי אמרי ליה חלמא דבי שמשי לית בהו ממשא אזל ר"מ ונטריה כולי יומא ואייתיה
13 Darauf erschien [dem Wirte im Traume:] Geh, hole dir den Geldbeutel, der an der Kopfseite jenes Mannes liegt. Als er ihnen am nächsten Tage seinen Traum erzählte, sprachen sie zu ihm: Ein Traum der Šabbathnacht hat keine Bedeutung. Alsdann ging R. Meír hin, wartete da den ganzen Tag und nahm ihn an sich.
יד למחר אמרו לו הב לן כיסן אמר להו לא היו דברים מעולם אמר להו ר"מ אמאי לא דייקיתו בשמא אמרו ליה אמאי לא אמרת לן מר אמר להו אימר דאמרי אנא חששא אחזוקי מי אמרי
14 Am folgenden Tage sprachen sie zu ihm: Gib uns unsere Geldbeutel. Dieser aber erwiderte, er wisse von nichts. Da sprach R. Meír zu ihnen: Weshalb habt ihr auf den Namen nicht geachtet!? Diese erwiderten: Weshalb hat der Meister uns dies nicht gesagt?
טו משכוהו ועיילוהו לחנותא חזו טלפחי אשפמיה אזלו ויהבו סימנא לדביתהו ושקלוהו לכיסייהו ואייתו אזל איהו וקטליה לאיתתיה
15 Er entgegnete ihnen: Allerdings dachte ich, es sei zu befürchten, für sicher aber hielt ich es nicht. Darauf nahmen sie ihn mit in einen Laden, und als sie Linsen an seinem Schnurrbarte bemerkten, gingen sie zu seiner Frau und gaben dies als Zeichen an, und erhielten ihre Geldbeutel. Daraufhin ging er und erschlug seine Frau.
טז היינו (דתנן) מים ראשונים האכילו בשר חזיר מים אחרונים הרגו את הנפש
16 Das ist es, was wir gelernt haben: Die [Unterlassung] des Händewaschens vor [der Mahlzeit] veranlaßte das Essen von Schweinefleisch, und die [Unterlassung] des Händewaschens nach [der Mahlzeit] tötete einen Menschen.
יז ולבסוף הוו דייקי בשמא כי מטו לההוא ביתא דשמיה בלה לא עיילו לגביה אמרי שמע מינה רשע הוא דכתיב (יחזקאל כג, מג) ואמר לבלה נאופים (כמו אחרי בלותי היתה לי עדנה (בראשית יח, יב) כלומר זקנה בנאופים)
17 Später achteten sie auf den Namen, und als sie einst an ein Haus kamen, [dessen Eigentümer] Bala hieß, traten sie in dieses nicht ein, indem sie sagten, er scheint ein Bösewicht zu sein, denn es heißt: <i>ich aber dachte: von Alters her [bala] Hurerei &amp;c</i>.
יח מי שנשכו כלב שוטה וכו' ת"ר חמשה דברים נאמרו בכלב שוטה פיו פתוח ורירו נוטף ואזניו סרוחות וזנבו מונח על ירכותיו ומהלך בצידי דרכים וי"א אף נובח ואין קולו נשמע ממאי הוי רב אמר נשים כשפניות משחקות בו ושמואל אמר רוח רעה שורה עליו
18 W<small>ENN EINEN EIN TOLLER</small> H<small>UND GEBISSEN HAT</small> &amp;<small>C</small>. Die Rabbanan lehrten: Fünferlei wird vom tollen Hunde gesagt: sein Maul ist stets offen, sein Geifer fließt, seine Ohren hängen, der Schwanz hängt ihm zwischen den Schenkeln, und er geht stets an der Seite des Weges; manche sagen, auch bellt er, ohne daß man seine Stimme hört. – Woher kommt dies? – Rabh erklärte, Hexen treiben mit ihm Kurzweil, und Šemuél erklärte, ein böser Geist ruhe auf ihm. –
יט מאי בינייהו איכא בינייהו
19 Welchen Unterschied gibt es zwischen ihnen? – Ein Unterschied besteht zwischen ihnen,