Yoma 168

Kapitel 168

א תא שמע דתני רבה בר שמואל עוברה שהריחה מאכילין אותה עד שתשוב נפשה ומי שנשכו כלב שוטה מאכילין אותו מחצר כבד שלו והחושש בפיו מטילין לו סם בשבת דברי ר"א בר' יוסי שאמר משום ר' מתיא בן חרש וחכמים אומרים בזו ולא באחרת בזו אהייא אילימא אעוברה פשיטא עוברה מי איכא למאן דאמר דלא אלא לאו אסם שמע מינה
1 Komm und höre: Rabb b. Šemuél lehrte: Wenn eine Schwangere [den Duft einer Speise] riecht, so gebe man ihr zu essen, bis sie sich erholt; wenn einen ein toller Hund gebissen hat, so gebe man ihm von dessen Leberlappen zu essen; wenn jemand Schmerzen im Munde hat, so darf man ihm am Šabbath eine Medizin einflößen – so R. Elea͑zar b. Jose, der es im Namen des R. Mathja b. Ḥereš sagte. Die Weisen sagen, nur in diesem Falle, nicht aber in einem anderen. Worauf bezieht sich das ‘in diesem’: wollte man sagen, auf die Schwangere, so ist es ja selbstverständlich, denn es gibt doch wohl niemand, der sagt, es sei bei einer Schwangeren nicht [erlaubt]; doch wohl auf die Medizin. Schließe hieraus.
ב רב אשי אמר מתני' נמי דיקא ועוד אמר רבי מתיא בן חרש החושש בפיו מטילין לו סם בשבת ולא פליגי רבנן עליה ואם איתא דפליגי רבנן עליה ליערבינהו וליתנינהו וליפלגו רבנן בסיפא ש"מ
2 R. Aši sagte: Dies ist auch aus unserer Mišna zu entnehmen: Ferner sagte R. Mathja b.Ḥereš: Wenn jemand Schmerzen im Munde hat, so darf man ihm am Šabbath eine Medizin einflößen. Hierbei streiten die Rabbanan gegen ihn nicht, denn wenn man sagen wollte, die Rabbanan streiten gegen ihn, so sollte er es zusammen und den Widerspruch der Rabbanan nachher lehren. Schließe hieraus.
ג מפני שספק נפשות הוא וכו' ל"ל תו למימר וכל ספק נפשות דוחה את השבת אמר רב יהודה אמר רב לא ספק שבת זו בלבד אמרו אלא אפילו ספק שבת אחרת
3 W<small>EIL HIERBEI EIN</small> Z<small>WEIFEL DER</small> L<small>EBENSGEFAHR VORLIEGT</small> &amp;<small>C</small>. Wozu braucht er weiter zu ergänzen: und jeder Zweifel der Lebensgefahr verdrängt den Šabbath!? R. Jehuda erwiderte im Namen Rabhs: Sie sagten dies nicht nur von einem Zweifel für diesen Šabbath, sondern auch von einem Zweifel für den folgenden Šabbath. –
ד היכי דמי כגון דאמדוה לתמניא יומי ויומא קמא שבתא מהו דתימא ליעכב עד לאורתא כי היכי דלא ניחול עליה תרי שבתא קמ"ל
4 In welchem Falle? – Wenn [die Ärzte die Behandlung] auf acht Tage geschätzt haben, und der erste Tag ein Šabbath ist; man könnte glauben, man warte bis zum Abend, damit man seinetwegen nicht zwei Šabbathe entweihe, so lehrt er uns.
ה תניא נמי הכי מחמין חמין לחולה בשבת בין להשקותו בין להברותו ולא שבת זו בלבד אמרו אלא לשבת אחרת ואין אומרים נמתין לו שמא יבריא אלא מחמין לו מיד מפני שספק נפשות דוחה את השבת ולא ספק שבת זו אלא אפי' ספק שבת אחרת
5 Ebenso wird auch gelehrt: Man darf für einen Kranken am Šabbath Wasser aufwärmen, ob zum Trinken oder zur Kräftigung; und sie sagten dies nicht nur von diesem Šabbath, sondern auch vom folgenden Šabbath. Man sage nicht, man warte damit, denn er könnte genesen, vielmehr wärme man es für ihn sofort auf, weil jeder Zweifel der Lebensgefahr den Šabbath verdrängt, und nicht nur ein Zweifel für diesen Šabbath, sondern auch ein Zweifel für den folgenden Šabbath.
ו ואין עושין דברים הללו לא ע"י נכרים ולא ע"י כותיים אלא ע"י גדולי ישראל ואין אומרין יעשו דברים הללו לא ע"פ נשים ולא ע"פ כותיים אבל מצטרפין לדעת אחרת
6 Man braucht dies nicht durch Nichtjuden oder Samaritaner verrichten zu lassen, sondern auch durch bedeutende Männer Jisraéls. Ferner sage man nicht, man verlasse sich hierbei nicht auf die Verordnung von Frauen oder Samaritanern, vielmehr wird ihre Ansicht mit der Ansicht anderer vereinigt.
ז ת"ר מפקחין פקוח נפש בשבת והזריז ה"ז משובח ואין צריך ליטול רשות מב"ד הא כיצד ראה תינוק שנפל לים פורש מצודה ומעלהו והזריז ה"ז משובח ואין צריך ליטול רשות מב"ד ואע"ג דקא צייד כוורי ראה תינוק שנפל לבור עוקר חוליא ומעלהו והזריז ה"ז משובח ואין צריך ליטול רשות מב"ד אע"ג דמתקן דרגא
7 Die Rabbanan lehrten: Man darf am Šabbath das Leben retten; je schneller, desto lobenswerter, und man braucht nicht erst bei Gericht um Erlaubnis zu fragen. Zum Beispiel: sieht man, wie ein Kind ins Meer gefallen ist, so werfe man ein Netz aus und hole es heraus; je schneller desto lobenswerter, und man braucht nicht erst das Gericht um Erlaubnis zu fragen, obgleich man dabei Fische mitfängt. Sieht man, wie ein Kind in eine Grube gefallen ist, so reiße man eine Erdscholle fort und hole es herauf; je schneller, desto lobenswerter, und man braucht nicht erst bei Gericht um Erlaubnis zu fragen, obgleich man dabei eine Stiege errichtet.
ח ראה שננעלה דלת בפני תינוק שוברה ומוציאו והזריז ה"ז משובח ואין צריך ליטול רשות מב"ד ואע"ג דקא מיכוין למיתבר בשיפי מכבין ומפסיקין מפני הדליקה בשבת והזריז ה"ז משובח ואין צריך ליטול רשות מב"ד ואע"ג דקא ממכיך מכוכי
8 Sieht man, wie vor einem Kinde die Tür abgesperrt worden ist, so schlage man sie ein und hole es heraus; je schneller desto lobenswerter, und man braucht nicht erst bei Gericht um Erlaubnis zu fragen, obgleich man dabei Holz zerkleinert. Man lösche und isoliere bei einer Feuersbrunst [das Feuer]; je schneller desto lobenswerter, und man braucht nicht erst bei Gericht um Erlaubnis zu fragen, obgleich man dabei Kohlen bereitet. –
ט וצריכא דאי אשמועינן ים משום דאדהכי והכי אזל ליה אבל בור דקא יתיב אימא לא צריכא
9 Und [alle Fälle] sind nötig. Würde er es nur vom Meere gelehrt haben,[(so könnte man glauben], weil [das Kind] währenddessen [vom Wasser] fortgetragen werden könnte, nicht aber gilt dies von der Grube, in der es sitzen bleibt; daher ist dies nötig.
י ואי אשמועינן בור משום דקא מיבעית אבל ננעלה דלת אפשר דיתיב בהאי גיסא ומשביש ליה באמגוזי צריכא
10 Würde er es nur von der Grube gelehrt haben, [so könnte man glauben,] weil es sich darin ängstigt, wenn aber die Tür vor ihm abgeschlossen ist, kann man ja an der anderen Seite sitzen und ihm mit Nüssen klappern. Daher sind [alle Fälle] nötig. –
יא מכבין ומפסיקין למה לי דאפי' לחצר אחרת
11 Wozu ist der Fall vom Löschen und Isolieren [des Feuers] nötig? – Selbst in einem anderen Hofe.
יב אמר רב יוסף אמר רב יהודה אמר שמואל לא הלכו בפקוח נפש אחר הרוב היכי דמי אי נימא דאיכא תשעה ישראל וכותי אחד בינייהו רובא ישראל נינהו (אלא) פלגא ופלגא ספק נפשות להקל
12 R. Joseph sagte im Namen R. Jehudas im Namen Šemuéls: Bei der Lebensrettung richte man sich nicht nach der Mehrheit. – In welchem Falle: wollte man sagen, wenn es neun Jisraéliten sind und ein Nichtjude unter ihnen, so besteht ja die Mehrheit aus Jisraéliten, und selbst wenn Hälfte gegen Hälfte, ist es ja bei Lebensgefahr in einem Zweifel erleichternd.
יג אלא דאיכא תשעה כותיים וישראל אחד הא נמי פשיטא דהוה ליה קבוע וכל קבוע כמחצה על מחצה דמי
13 Und sind es neun Nichtjuden und ein Jisraélit, so ist es ja auch in diesem Falle selbstverständlich, da er sich auf seinem Platze befindet, und was sich auf seinem Platze befindet, gilt als Hälfte gegen Hälfte!? –
יד לא צריכא דפרוש לחצר אחרת מהו דתימא כל דפריש מרובא פריש קמ"ל דלא הלכו בפקוח נפש אחר הרוב
14 In dem Falle, wenn [einer von ihnen] sich nicht einem anderen Hofe getrennt hat; man könnte glauben, wer sich trennt, trenne sich ja von der Mehrheit, so lehrt er uns, daß man sich bei der Lebensrettung nicht nach der Mehrheit richte. –
טו איני והאמר ר' אסי א"ר יוחנן תשעה כותיים וישראל אחד באותה חצר מפקחין בחצר אחרת אין מפקחין לא קשיא הא דפרוש כולהו הא דפרוש מקצתייהו
15 Dem ist aber nicht so, R. Jose sagte ja im Namen R. Joḥanans, daß, wenn neun Nichtjuden und ein Jisraélit [sich in einem Hause befinden], man wegen der Lebensrettung [den Šabbath entweihe], in diesem Hofe, nicht aber in einem anderen!? – Das ist kein Einwand; das eine, wenn alle [den Hof] verlassen haben, und das andere, wenn nur ein Teil ihn verlassen hat. –
טז ומי אמר שמואל הכי והתנן מצא בה תינוק מושלך אם רוב כותיים כותי ואם רוב ישראל ישראל מחצה על מחצה ישראל ואמר רב לא שנו אלא להחיותו אבל לייחסו לא
16 Kann Šemuél dies denn gesagt haben, wir haben ja gelernt, daß, wenn man da ein ausgesetztes Kind findet, es, wenn die meisten Nichtjuden sind, ein nichtjüdisches, und wenn die meisten Jisraéliten sind, ein jisraélitisches, und wenn Hälfte gegen Hälfte, ein jisraélitisches sei, und hierzu sagt Rabh, nur insofern, als man es am Leben erhalte, nicht aber hinsichtlich der Legitimität,