Berakhot 14

Kapitel 14

א א"ר יוחנן משום ר"ש בן יוחי מיום שברא הקב"ה את העולם לא היה אדם שקראו להקב"ה אדון עד שבא אברהם וקראו אדון שנאמר (בראשית טו, ב) ויאמר אדני (אלהים) במה אדע כי אירשנה.
1 R. Joḥanan sagte im Namen des R. Šimo͑n b. Joḥaj: Seit dem Tage, da der Heilige, gepriesen sei er, die Welt erschaffen, gab es niemand, der den Heiligen, gepriesen sei er, Herr genannt hätte, bis Abraham kam und ihn Herr nannte, wie es heißt: <i>und er sprach: O Herr, woran werde ich erkennen, daß ich es ererben werde?</i>
ב אמר רב אף דניאל לא נענה אלא בשביל אברהם שנא' (דניאל ט, יז) ועתה שמע אלהינו אל תפלת עבדך ואל תחנוניו והאר פניך על מקדשך השמם למען אדני למענך מבעי ליה
2 Rabh sagte: Auch Daniél wurde nur um Abrahams willen erhört, denn es heißt: <i>so höre doch nun, o Gott, auf das Gebet und auf das Flehen deines Knechtes, und laß dein Antlitz über dein verwüstetes Heiligtum leuchten, um, des Herrn willen</i>; er sollte ja um deinetwillen sagen, –
ג אלא למען אברהם שקראך אדון:
3 vielmehr, um Abrahams willen, der dich Herr nannte.
ד וא"ר יוחנן משום ר"ש בן יוחי מנין שאין מרצין לו לאדם בשעת כעסו שנאמר (שמות לג, יד) פני ילכו והנחותי לך:
4 Ferner sagte R. Joḥanan im Namen des R. Šimo͑n b. Joḥaj: Woher daß man einen Menschen während seines Zornausbruches nicht zu besänftigen suche? – es heißt: <i>mein Zorn wird vorübergehen, und ich willfahre dir</i>.
ה ואמר ר"י משום ר"ש בן יוחי מיום שברא הקב"ה את עולמו לא היה אדם שהודה להקב"ה עד שבאתה לאה והודתו שנאמר (בראשית כט, לה) הפעם אודה את ה':
5 Ferner sagte R. Joḥanan im Namen des R. Šimo͑n b. Joḥaj: Seit dem Tage, da der Heilige, gepriesen sei er, seine Welt erschaffen, gab es niemand, der dem Heiligen, gepriesen sei er, gedankt hätte, bis Leá kam und ihm dankte, wie es heißt: <i>diesmal danke ich dem Herrn</i>.
ו ראובן א"ר אלעזר אמרה לאה ראו מה בין בני לבן חמי דאילו בן חמי אע"ג דמדעתיה זבניה לבכירותיה דכתיב (בראשית כה, לג) וימכר את בכרתו ליעקב חזו מה כתיב ביה (בראשית כז, מא) וישטם עשו את יעקב
6 <i>Reúben</i>. R. Elea͑zar sagte: Leá sprach: Sehet [reú], welch ein Unterschied zwischen meinem Sohne [ben] und dem Sohne meines Schwiegervaters. Der Sohn meines Schwiegervaters verkaufte seine Erstgeburt freiwillig, wie es heißt: <i>er verkaufte dem Ja͑qob seine Erstgeburt</i>, dennoch, sehet, heißt es von ihm: <i>E͑saw haßte Ja͑qob</i>,
ז וכתיב (בראשית כז, לו) ויאמר הכי קרא שמו יעקב ויעקבני זה פעמים וגו'
7 ferner: <i>er sprach: Man nennt ihn mit Recht Ja͑qob, denn er hat mich zweimal betrogen &amp;c.;</i>
ח ואילו בני אע"ג דעל כרחיה שקליה יוסף לבכירותיה מניה דכתיב (דברי הימים א ה, א) ובחללו יצועי אביו נתנה בכורתו לבני יוסף אפי' הכי לא אקנא ביה דכתיב (בראשית לז, כא) וישמע ראובן ויצילהו מידם:
8 mein Sohn aber: obgleich Joseph ihm seine Erstgeburt gegen seinen Willen abgenommen hat, wie es heißt: <i>als er das Bett seines Vaters entweihte, wurde seine Erstgeburt dem Joseph gegeben</i>, dennoch beneidete er ihn nicht, wie es heißt: <i>als Reúben dies hörte, rettete er ihn aus ihrer Hand</i>.
ט רות מאי רות א"ר יוחנן שזכתה ויצא ממנה דוד שריוהו להקב"ה בשירות ותשבחות
9 <i>Ruth</i>. Warum [heißt sie] Ruth? R. Joḥanan erklärte: Weil ihr beschieden war, daß David, der den Heiligen, gepriesen sei er, mit Liedern und Lobgesängen letzte, ihr entstammte.
י מנא לן דשמא גרים אמר רבי אליעזר דאמר קרא (תהלים מו, ט) לכו חזו מפעלות ה' אשר שם שמות בארץ אל תקרי שמות אלא שמות:
10 Woher, daß Namen vorbedeutend sind? R. Elea͑zar erwiderte: Es heißt: <i>gehet, schauet die Werke des Herrn, der Verwüstungen auf Erden gemacht;</i> lies nicht <i>Šamoth [Verwüstungen]</i>, sondern <i>Šemoth [Namen]</i>.
יא וא"ר יוחנן משום רבי שמעון בן יוחי קשה תרבות רעה בתוך ביתו של אדם יותר ממלחמת גוג ומגוג שנאמר (תהלים ג, א) מזמור לדוד בברחו מפני אבשלום בנו וכתיב בתריה (תהלים ג, ב) ה' מה רבו צרי רבים קמים עלי ואילו גבי מלחמת גוג ומגוג כתיב (תהלים ב, א) למה רגשו גוים ולאומים יהגו ריק ואילו מה רבו צרי לא כתיב:
11 Ferner sagte R. Joḥanan im Namen des R. Šimo͑n b. Joḥaj: Schlimmer ist böse Zucht im Hause des Menschen, als der Krieg von Gog und Magog. Es heißt: <i>ein Gesang Davids, als er vor seinem Sohne Abšalom floh</i>, und hierauf folgt: <i>Herr, wie zahlreich sind meine Feinde, wie viel, die gegen mich auftreten!</i> Vom Krieg von Gog und Magog aber heißt es nur: <i>warum toben die Völker, die Nationen sinnen Eitles</i>, es heißt aber nicht: <i>wie zahlreich sind meine Feinde</i>.
יב מזמור לדוד בברחו מפני אבשלום בנו מזמור לדוד קינה לדוד מיבעי ליה
12 <i>Ein Gesang Davids, als er vor seinem Sohne Abšalom floh</i>. – Ein ‘Gesang’ Davids, es hätte ja ein ‘Klagelied’ Davids heißen sollen!?
יג אמר ר' שמעון בן אבישלום משל למה הדבר דומה לאדם שיצא עליו שטר חוב קודם שפרעו היה עצב לאחר שפרעו שמח
13 R. Šimo͑n b. Abišalom erwiderte: Ein Gleichnis, womit dies zu vergleichen ist. Mit einem Menschen, auf den ein Schuldschein in den Verkehr gebracht wurde; bevor er ihn einlöst, ist er traurig, hat er ihn aber eingelöst, freut er sich.
יד אף כן דוד כיון שאמר לו הקב"ה (שמואל ב יב, יא) הנני מקים עליך רעה מביתך היה עצב אמר שמא עבד או ממזר הוא דלא חייס עלי כיון דחזא דאבשלום הוא שמח משום הכי אמר מזמור:
14 So auch David. Als der Heilige, gepriesen sei er, zu ihm sagte: <i>Siehe, ich lasse dir ein Unglück aus deinem Hause erstehen</i>, war er traurig, denn er dachte: es wird vielleicht ein Sklave oder ein Bastard sein, der sich meiner nicht erbarmen wird; als er aber sah, daß es Abšalom war, freute er sich. Darum ein ‘Gesang’.
טו וא"ר יוחנן משום ר"ש בן יוחי מותר להתגרות ברשעים בעולם הזה שנאמר (משלי כח, ד) עוזבי תורה יהללו רשע ושומרי תורה יתגרו בם
15 Ferner sagte R. Joḥanan im Namen des R. Šimo͑n b. Joḥaj: Es ist erlaubt, auf dieser Welt die Frevler zu reizen, denn es heißt: <i>die die Lehre verlassen, rühmen den Frevler, die aber die Lehre wahren, reizen sie</i>.
טז תניא נמי הכי רבי דוסתאי בר' מתון אומר מותר להתגרות ברשעים בעוה"ז שנא' עוזבי תורה יהללו רשע וגו' ואם לחשך אדם לומר והא כתיב (תהלים לז, א) אל תתחר במרעים אל תקנא בעושי עולה אמור לו מי שלבו נוקפו אומר כן אלא אל תתחר במרעים להיות כמרעים אל תקנא בעושי עולה להיות כעושי עולה
16 Diesbezüglich wird gelehrt: R. Dostaj b. R. Mathon sagte: Es ist erlaubt, auf dieser Welt die Frevler zu reizen, denn es heißt: <i>die die Lehre verlassen, rühmen den Frevler, die aber die Lehre wahren, reizen sie</i>. Sollte dir jedoch jemand zuflüstern, es heißt ja: <i>streite mit den Bösen nicht und beneide nicht die Übeltäter</i>, so antworte ihm: so deutet [diesen Vers], dem das Herz klopft; vielmehr: <i>wetteifere nicht mit den Bösen</i>, um wie die Bösen zu sein, <i>und beneide nicht die Übeltäter</i>, um wie die Übeltäter zu sein.
יז ואומר (משלי כג, יז) אל יקנא לבך בחטאים כי אם ביראת ה' כל היום
17 Ferner heißt es: <i>dein Herz beneide die Sünder nicht, es verharre vielmehr täglich in der Furcht des Herrn</i>. –
יח איני והאמר ר' יצחק אם ראית רשע שהשעה משחקת לו אל תתגרה בו שנאמר (תהלים י, ה) יחילו דרכיו בכל עת ולא עוד אלא שזוכה בדין שנאמר (תהלים י, ה) מרום משפטיך מנגדו ולא עוד אלא שרואה בצריו שנאמר (תהלים י, ה) כל צורריו יפיח בהם
18 Dem ist doch aber nicht so, R. Jiçḥaq sagte ja folgendes: Wenn du einen Frevler siehst, dem die Stunde lächelt, so reize ihn nicht, denn es heißt: <i>seine Wege gedeihen allezeit</i>. Und noch mehr, er wird auch bei Gericht begünstigt, denn es heißt: <i>hoch, fern von ihm sind deine Strafgerichte</i>. Und noch mehr, er sieht auch Rache an seinen Feinden, denn es heißt: <i>all seine Feinde bläst er weg</i>. –
יט לא קשיא הא במילי דידיה הא במילי דשמיא
19 Das ist kein Einwand; dies gilt von eigenen Angelegenheiten, jenes von göttlichen Angelegenheiten.
כ ואיבעית אימא הא והא במילי דשמיא ולא קשיא הא ברשע שהשעה משחקת לו הא ברשע שאין השעה משחקת לו
20 Wenn du willst, sage ich: beides gilt von göttlichen Angelegenheiten, nur gilt dieses von einem Frevler, dem die Stunde lächelt, jenes aber von einem Frevler, dem die Stunde nicht lächelt.
כא ואב"א הא והא ברשע שהשעה משחקת לו ולא קשיא הא בצדיק גמור הא בצדיק שאינו גמור דאמר רב הונא מאי דכתיב (חבקוק א, יג) למה תביט בוגדים תחריש בבלע רשע צדיק ממנו וכי רשע בולע צדיק והא כתיב (תהלים לז, לג) ה' לא יעזבנו בידו וכתיב (משלי יב, כא) לא יאונה לצדיק כל און אלא צדיק ממנו בולע צדיק גמור אינו בולע
21 Wenn du aber willst, sage ich: beides gilt von einem Frevler, dem die Stunde lächelt, dennoch besteht hier kein Widerspruch, denn das eine gilt, von einem vollkommen Gerechten, und das andere gilt von einem unvollkommen Gerechten. R. Hona sagte nämlich: Es heißt: <i>warum siehst du die Treulosen an, schweigest, wenn der Frevler den gerechteren als er verschlingt</i>; kann etwa der Frevler den Gerechten verschlingen, es heißt ja: <i>der Herr verläßt ihn nicht in seiner Hand</i>, ferner: <i>dem Gerechten begegnet kein Unheil</i>!? Vielmehr einen, der gerechter ist als er, verschlingt er, einen vollkommen Gerechten verschlingt er nicht.
כב ואב"א שעה משחקת לו שאני:
22 Wenn du aber willst, sage ich: anders ist es, wenn ihm die Stunde lächelt.
כג וא"ר יוחנן משום רבי שמעון בן יוחי כל הקובע מקום לתפלתו אויביו נופלים תחתיו שנאמר (שמואל ב ז, י) ושמתי מקום לעמי לישראל ונטעתיו ושכן תחתיו ולא ירגז עוד ולא יוסיפו בני עולה לענותו כאשר בראשונה
23 Ferner sagte R. Joḥanan im Namen des R. Šimo͑n b. Joḥaj: Wer für sein Gebet einen Platz bestimmt, dem unterliegen seine Feinde, denn es heißt: <i>ich werde einen Platz für mein Volk Jisraél bestimmen, ich pflanze es, daß es an seiner Stätte verharre; nicht wird es fortan beunruhigt werden, und nicht werden es ferner die Boshaften bedrücken wie vorher</i>.
כד רב הונא רמי כתיב לענותו וכתיב לכלותו
24 R. Hona wies auf einen Widerspruch hin, es heißt: <i>zu bedrücken</i>, und es heißt [anderweitig:] <i>zu</i> <i>vernichten</i>!?
כה בתחלה לענותו ולבסוף לכלותו:
25 Anfangs: zu bedrücken, später: zu vernichten.
כו וא"ר יוחנן משום רבי שמעון בן יוחי גדולה שמושה של תורה יותר מלמודה שנא' (מלכים ב ג, יא) פה אלישע בן שפט אשר יצק מים על ידי אליהו למד לא נאמר אלא יצק מלמד שגדולה שמושה יותר מלמודה:
26 Ferner sagte R. Joḥanan im Namen des R. Šimo͑n b. Joḥaj: Wichtiger ist die Pflege der Tora, als das Studium derselben, denn es heißt: <i>hier ist Eliša͑, Sohn des Šaphaṭ, der auf die Hände des Elijahu Wasser gegossen</i>. Es heißt nicht: <i>gelernt</i>, sondern: <i>gegossen</i>; dies lehrt, daß ihre Pflege wichtiger ist, als ihr Studium.
כז א"ל רבי יצחק לרב נחמן מ"ט לא אתי מר לבי כנישתא לצלויי אמר ליה לא יכילנא א"ל לכנפי למר עשרה וליצלי אמר ליה טריחא לי מלתא ולימא ליה מר לשלוחא דצבורא בעידנא דמצלי צבורא ליתי ולודעיה למר
27 R. Jiçḥaq sprach zu R. Naḥman: Weshalb kam der Meister nicht ins Bethaus, um zu beten? Dieser erwiderte: Ich konnte nicht. Jener sprach: Der Meister hätte ja zehn [Männer] versammeln können und beten!? Dieser erwiderte: Dies wäre mir zu beschwerlich. – So sollte der Meister dem Gemeindediener sagen, daß er zur Zeit, da die Gemeinde betet, komme und es dem Meister künde!?
כח א"ל מאי כולי האי א"ל דאמר ר' יוחנן משום ר"ש בן יוחי
28 Dieser entgegnete; Wozu dies alles? Jener erwiderte: Folgendes sagte R. Joḥanan im Namen des R. Šimo͑n b. Joḥaj: