Chullin 230

Kapitel 230

א כעורה זו ששנה רבי לא תאכלנו בבשר בחלב הכתוב מדבר
1 Mißfällt dir denn folgende Lehre Rabbis!? <i>Du sollst es nicht essen</i>, die Schrift spricht von Fleisch mit Milch.
ב אתה אומר בבשר בחלב הכתוב מדבר או אינו אלא באחד מכל האיסורין שבתורה אמרת צא ולמד מי"ג מדות שהתורה נדרשת בהן דבר הלמד מענינו במה הכתוב מדבר בשני מינין אף כאן בשני מינין
2 Du sagst, die Schrift spreche von Fleisch mit Milch, vielleicht ist dem nicht so, sondern von irgend einem anderen in der Tora verbotenen Dinge!? Ich will dir sagen: dies ist zu folgern durch [eine der] dreizehn Regeln, durch die die Tora auszulegen ist, daß nämlich ein [Gesetz] aus dem Zusammenhange auszulegen sei. Diese Schriftstelle spricht von zwei Arten, ebenso spricht auch [dieser Schriftvers] von zwei Arten. –
ג אי מההיא הוה אמינא הני מילי באכילה אבל בהנאה לא קמ"ל
3 Aus diesem Schriftverse würde man es nur vom Essen gewußt haben, nicht aber von der Nutznießung, so lehrt er uns. –
ד ורבי בהנאה מנא ליה נפקא ליה מהכא נאמר כאן (דברים יד, ב) כי עם קדוש אתה לה' ונאמר להלן (דברים כג, יח) ולא יהיה קדש בבני ישראל מה להלן בהנאה אף כאן בהנאה
4 Woher weiß Rabbi dies von der Nutznießung? – Er entnimmt dies aus folgendem. Hierbei heißt es: <i>denn du bist ein dem Herrn geheiligtes Volk, und dort heißt es:</i> es <i>soll keinen Geheiligten</i> <i>in Jisraél geben, wie</i> es sich dort um einen Genuß handelt, ebenso ist auch hierbei der Genuß zu verstehen.
ה דבי רבי אליעזר תנא (דברים יד, כא) לא תאכלו כל נבלה [וגו'] אמרה תורה כשתמכרנה לא תבשלנה ותמכרנה
5 In der Schule R. Elie͑zers wurde gelehrt: <i>Ihr sollt keinerlei Aas essen &amp;c</i>.; die Tora sagt damit, daß, wenn man es verkaufen will man es nicht kochen und verkaufen dürfe.
ו דבי רבי ישמעאל תנא (שמות כג, יט) לא תבשל גדי בחלב אמו ג' פעמים אחד לאיסור אכילה ואחד לאיסור הנאה ואחד לאיסור בשול
6 In der Schule R. Jišma͑éls wurde gelehrt: Es heißt dreimal: <i>du sollst kein Böckchen mit der Milch seiner Mutter kochen</i>; einmal [deutet es] auf das Verbot des Essens, einmal auf das Verbot der Nutznießung und einmal auf das Verbot des Kochens.
ז תניא איסי בן יהודה אומר מנין לבשר בחלב שאסור נאמר כאן (דברים יד, ב) כי עם קדוש אתה ונאמר להלן (שמות כב, ל) ואנשי קדש תהיון לי ובשר בשדה טרפה לא תאכלו מה להלן אסור אף כאן אסור
7 Es wird gelehrt: Isi b. Jehuda sagte: Woher, daß Fleisch mit Milch verboten ist? Hierbei heißt es: <i>denn du bist ein geheiligtes Volk</i>, und dort heißt es: <i>heilige Leute sollt ihr mir sein, Fleisch auf dem Felde, Zerrissenes, dürft ihr nicht essen</i>; wie es dort verboten ist, ebenso ist es auch hierbei verboten.
ח ואין לי אלא באכילה בהנאה מנין אמרת ק"ו ומה ערלה שלא נעבדה בה עבירה אסורה בהנאה בשר בחלב שנעבדה בו עבירה אינו דין שאסור בהנאה
8 Ich weiß dies nur vom Essen, woher dies von der Nutznießung? Dies ist [durch einen Schluß] vom Leichteren auf das Schwerere zu folgern: wenn Ungeweihtes, wodurch kein Verbot begangen worden ist, zur Nutznießung verboten ist, um wieviel mehr ist Fleisch mit Milch, wodurch ein Verbot begangen worden ist, zur Nutznießung verboten.
ט מה לערלה שכן לא היתה לה שעת הכושר
9 [Erwidert man:] wohl gilt dies vom Ungeweihten, das keine Zeit der Tauglichkeit hatte,
י חמץ בפסח יוכיח שהיתה לו שעת הכושר ואסור בהנאה מה לחמץ בפסח שכן ענוש כרת
10 so ist vom Gesäuerten am Pesaḥfeste [das Entgegengesetzte] zu beweisen: es hatte eine Zeit der Tauglichkeit und ist dennoch zur Nutznießung verboten; [erwidert man:] wohl gilt dies vom Gesäuerten am Pesaḥfeste, das mit der Ausrottung belegt ist,
יא כלאי הכרם יוכיחו שאין ענוש כרת ואסור בהנאה
11 so ist von der Mischfrucht des Weinberges [das Entgegengesetzte] zu beweisen: es ist nicht mit der Ausrottung belegt und dennoch zur Nutznießung verboten. –
יב למה לי גז"ש לייתי כולה בק"ו מערלה ומה ערלה שלא נעבדה בה עבירה אסורה בין באכילה בין בהנאה בשר בחלב שנעבדה בו עבירה אינו דין שאסור בין באכילה בין בהנאה
12 Wozu ist [der Schluß durch] Wortanalogie nötig, alles ist ja [durch den Schluß] vom Leichteren auf das Schwerere, vom Ungeweihten zu folgern: wenn das Ungeweihte, wodurch kein Verbot begangen worden ist, sowohl zum Essen als auch zur Nutznießung verboten ist, um wieviel mehr ist Fleisch mit Milch, wodurch ein Verbot begangen worden ist, sowohl zum Essen als auch zur Nutznießung verboten!? –
יג משום דאיכא למימר חורש בשור ובחמור וחוסם פי פרה ודש בה יוכיח שנעבדה בהם עבירה ושרו
13 Man könnte erwidern: vom Pflügen mit einem Rinde und einem Esel und vom Dreschen mit einer maulgeschlossenen Kuh ist [das Entgegengesetzte] zu beweisen: dadurch ist ein Verbot begangen worden, dennoch ist [der Ertrag] erlaubt. –
יד למה לי למימר כלאי הכרם יוכיחו לימא ערלה תוכיח וליהדר דינא וליתי במה הצד
14 Wozu bringt er einen Gegenbeweis von der Mischfrucht des Weinberges, er kann ja den Gegenbeweis vom Ungeweihten bringen, und es, wenn die Replikation wiederholt wird, vom Gemeinsamen folgern!?
טו אמר רב אשי משום דאיכא למימר נבלה תוכיח שאסורה באכילה ומותרת בהנאה
15 R. Aši erwiderte: Man könnte erwidern, vom Aase sei [das Entgegengesetzte] zu beweisen: es ist zum Essen verboten, zur Nutznießung aber erlaubt.
טז אמר ליה רב מרדכי לרב אשי הכי אמרינן משמיה דריש לקיש כל מה הצד מגופו פרכינן מעלמא לא פרכינן
16 R. Mordekhai sprach zu R. Aši: Folgendes sagten wir im Namen des Reš Laqiš: die Widerlegung [eines Schlusses] vom Gemeinsamen kann nur von diesem selbst erfolgen, nicht aber von anderem. –
יז אי הכי תיתי במה הצד משום דאיכא למיפרך מה להצד השוה שבהן שכן גדולי קרקע
17 Demnach sollte es doch [durch einen Schluß] vom Gemeinsamen gefolgert werden!? – Man könnte erwidern: das Gemeinsame hei ihnen ist, daß sie Bodengewächse sind. –
יח אי הכי השתא נמי איכא למיפרך מה לכלאי הכרם שכן גדולי קרקע
18 Demnach ist ja auch jetzt zu erwidern: wohl gilt dies von der Mischfrucht des Weinberges, weil sie ein Bodengewächs ist!?
יט א"ל רב מרדכי לרב אשי הכי אמרינן משמיה דר"ל כל מה הצד פרכינן כל דהו לא אם אמרת (חדא מחדא) קל וחומר פרכינן כל דהו לא פרכינן
19 R. Mordekhaj sprach zu R. Aši: Folgendes sagten wir im Namen des Reš Laqiš: gegen [einen Schluß] vom Gemeinsamen ist alles mögliche einzuwenden, eine Entgegnung aber hat nur dann Geltung, wenn auf eine erleichternde oder erschwerende Eigenheit hingewiesen wird, nicht aber, wenn sie unwesentlich ist. –
כ וליפרוך לכולהו מה לכולהו שכן גדולי קרקע
20 Es ist ja aber von allen zusammen zu entgegnen: wohl gilt dies bei allen zusammen, die Bodengewächse sind!?
כא אלא אמר ליה רב מרדכי לרב אשי הכי אמרינן משמיה דר"ל
21 Vielmehr, sprach R. Mordekhaj zu R. Aši, folgendes sagten wir im Namen des Reš Laqiš: