Gittin 85

Kapitel 85

א דלמא מודה ומיפטר
1 denn jener gesteht sie vielleicht selbst ein und ist frei.
ב ותבעי לרבנן עד כאן לא קאמרי רבנן אין אדם מקנה דבר שלא בא לעולם אלא כגון פירות דקל דהשתא מיהא ליתנהו אבל הכא הא קאי שור והא קאי עבד מאי
2 Und auch nach den Rabbanan ist es fraglich, denn die Rabbanan, welche sagen, man könne das, was man noch nicht hat, nicht zueignen, sagen diese vielleicht nur von den Früchten einer Dattelpalme, die gegenwärtig nicht vorhanden sind, während hierbei das Rind vorhanden ist und der Sklave vorhanden ist. Wie ist es nun?
ג אמר ר' אבא ת"ש (ויקרא כב, יא) ויליד בית מה תלמוד לומר אם קנין כסף אוכל יליד בית לא כ"ש
3 R. Abba erwiderte: Komm und höre: <i>Im Hause geboren</i>; was lehrt dies, wenn der um Geld Gekaufte essen darf, um wieviel mehr der im Hause Geborene.
ד אילו כן הייתי אומר מה קנין כסף שיש בו שוה כסף אוכל אף יליד בית שיש בו שוה כסף אוכל ומנין שאע"פ שאינו שוה כלום ת"ל יליד בית מכל מקום
4 Wenn dem so wäre, so könnte man sagen: wie der um Geld Gekaufte, der essen darf, einen Geldwert hat, ebenso darf der im Hause Geborene nur dann essen, wenn er einen Geldwert hat. Woher, daß er auch dann essen darf, wenn er nichts wert ist? Es heißt: <i>im Hause geboren</i>, in jedem Falle.
ה ועדיין אני אומר יליד בית בין שיש בו שוה כסף בין שאין בו שוה כסף אוכל קנין כסף יש בו שוה כסף אוכל אין בו שוה כסף אינו אוכל ת"ל (ויקרא כב, יא) קנין כספו ויליד ביתו מה יליד בית אע"פ שאינו שוה כלום אוכל אף קנין כספו אע"פ שאינו שוה כלום אוכל
5 Aber immerhin könnte man glauben, der im Hause Geborene dürfe essen, einerlei ob er einen Geldwert hat oder keinen Geldwert hat, der um Geld Gekaufte aber dürfe nur dann essen, wenn er einen Geldwert hat, nicht aber, wenn er keinen Geldwert hat, so heißt es <i>um Geld gekauft</i> und <i>im Hause geboren</i>, wie der im Hause Geborene essen darf, auch wenn er nichts wert ist, ebenso darf der um Geld Gekaufte essen, auch wenn er nichts wert ist.
ו ואי סלקא דעתך עבד שמכרו רבו לקנס מכור מי איכא עבדא דלא מזדבין לקנסא אין איכא עבד טרפה
6 Wenn man nun sagen wollte, der Sklave, den der Herr hinsichtlich der Geldbuße verkauft hat, gelte als verkauft, so gibt es ja keinen Sklaven, der nicht hinsichtlich der Geldbuße verkauft werden könnte? – Allerdings, dies ist bei einem auf den Tod verletzten Sklaven der Fall. –
ז והא חזי למיקם קמיה במנוול ומוכה שחין
7 Er ist ja brauchbar, um vor einem zu stehen!? – Wenn er ekelhaft oder grindig ist.
ח איבעיא להו מי שחציו עבד וחציו בן חורין שקידש בת חורין מהו אם תמצא לומר בן ישראל שאמר לבת ישראל התקדשי לחציי מקודשת דחזיא לכוליה הא לא חזיא לכוליה
8 Sie fragten: Wie ist es, wenn ein Halbsklave sich eine Freie angetraut hat? Wenn du entscheidest [aus der Lehre], daß, wenn ein Jisraélit zu einer Jisraélitin gesagt hat: sei meiner Hälfte angetraut, sie ihm angetraut sei, [so ist zu erwidern:] dieser ist für sie vollständig geeignet, während dies hierbei nicht der Fall ist.
ט ואם תמצא לומר בן ישראל המקדש חצי אשה אינה מקודשת דשייר בקנינו והא עבד לא שייר בקנינו מאי
9 Und wenn du entscheidest [aus der Lehre], daß, wenn sich ein Jisraélit die Hälfte einer Frau an traut, sie ihm nicht angetraut sei, [so ist zu erwidern:] weil er bei seiner Aneignung etwas zurückgelassen hat, während der Sklave nichts zurückgelassen hat. –
י ת"ש המית מי שחציו עבד וחציו בן חורין נותן חצי קנס לרבו וחצי כופר ליורשיו ואי אמרת קידושיו לאו קידושין יורשין מנא ליה
10 Komm und höre: Wenn er einen Halbsklaven getötet hat, so zahle er die Hälfte der Buße an seinen Herrn und die Hälfte des Lösegeldes an seine Erben. Woher hat er Erben, wenn du entscheidest, seine Antrauung sei ungültig!?
יא אמר רב אדא בר אהבה כשעשאו טרפה ומאי יורשיו נפשיה
11 R. Ada b. Ahaba erwiderte: Wenn [der Ochs] ihn auf den Tod verletzt hat, und unter ‘Erben’ ist er selbst zu verstehen.
יב אמר רבא שתי תשובות בדבר חדא דיורשיו קתני ועוד כופר הוא ואמר ריש לקיש כופר אין משתלם אלא לאחר מיתה אלא אמר רבא ראוי ליטול ואין לו
12 Raba sprach: Dagegen ist zweierlei einzuwenden: erstens heißt es Erben, und zweitens wird hier vom Lösegelde gesprochen, und Reš Laqiš sagte, das Lösegeld sei erst nach dem Tode zu zahlen!? Vielmehr, erklärte Raba, er sollte erhalten, erhält aber nicht.
יג אמר רבא כשם שהמקדש חצי אשה אינה מקודשת כך חציה שפחה וחציה בת חורין שנתקדשה אין קדושיה קדושין
13 Raba sagte: Wie es ungültig ist, wenn jemand sich die Hälfte einer Frau an traut, ebenso ist, wenn eine Halbsklavin angetraut worden ist, die Antrauung ungültig.
יד דרש רבה בר רב הונא כשם שהמקדש חצי אשה אינה מקודשת כך חציה שפחה וחציה בת חורין שנתקדשה אינה מקודשת א"ל רב חסדא מי דמי התם שייר בקנינו הכא לא שייר בקנינו
14 Rabba b. R. Hona trug vor: Wie es ungültig ist, wenn jemand sich die Hälfte einer Frau antraut, ebenso ist, wenn eine Halbsklavin angetraut worden ist, die Antrauung ungültig. R. Ḥisda sprach zu ihm: Es ist ja nicht gleich; da hat er bei seiner Aneignung etwas zurückgelassen, hierbei aber hat er bei seiner Aneignung nichts zurückgelassen.
טו הדר אוקים רבה בר רב הונא אמורא עליה ודרש (ישעיהו ג, ו) והמכשלה הזאת תחת ידיך אין אדם עומד על דברי תורה אלא אם כן נכשל בהן אע"פ שאמרו המקדש חצי אשה אינה מקודשת אבל חציה שפחה וחציה בת חורין שנתקדשה קדושיה קדושין מ"ט התם שייר בקנינו הכא לא שייר בקנינו
15 Hierauf ließ Rabba b. R. Hona den Dolmetsch vortreten und vortragen: <i>Dieser Strauchelhaufe unter deiner Hand</i>; niemand erfaßt [den Sinn] der Worte der Tora, ohne an ihnen gestrauchelt zu sein. Obgleich sie gesagt haben, daß, wenn jemand sich die Hälfte einer Frau antraut, sie ihm nicht angetraut sei, so ist dennoch, wenn eine Halbsklavin angetraut worden ist, die Antrauung gültig. – Aus welchem Grunde? – Da hat er bei seiner Aneignung etwas zurückgelassen, hierbei aber hat er bei seiner Aneignung nichts zurückgelassen.
טז אמר רב ששת כשם שהמקדש חצי אשה אינה מקודשת כך חציה שפחה וחציה בת חורין שנתקדשה אין קידושיה קידושין ואם לחשך אדם לומר איזו היא שפחה חרופה זו שחציה שפחה וחציה בת חורין המאורסה לעבד עברי אלמא בת איתרוסי היא אמור לו כלך אצל ר' ישמעאל שהוא אומר בשפחה כנענית המאורסה לעבד עברי
16 R. Šešeth sagte: Wie es ungültig ist, wenn jemand sich die Hälfte einer Frau antraut, ebenso ist, wenn eine Halbsklavin angetraut worden ist, die Antrauung ungültig. Wenn jemand dir aber zuraunt, [es werde gelehrt:] eine vergebene Sklavin ist diejenige, die Halbsklavin ist und mit einem jisraélitischen Sklaven verlobt ist, wonach sie verlobungsfähig ist, so erwidere ihm: wende dich an R. Jišma͑él, welcher sagt, eine solche sei eine kenaa͑nitische Sklavin, die mit einem jisraélitischen Sklaven verlobt ist;
יז ושפחה כנענית בת איתרוסי היא אלא מאי אית לך למימר מאי מאורסת מיוחדת הכא נמי מאי מאורסת מיוחדת
17 ist etwa eine kenaa͑nitische Sklavin verlobungsfähig!? Du mußt also erklären, unter ‘verlobt’ sei ‘bestimmt’ zu verstehen, ebenso ist bei jener unter ‘verlobt’ ‘bestimmt’ zu verstehen.
יח אמר רב חסדא חציה שפחה וחציה בת חורין שנתקדשה לראובן ונשתחררה וחזרה ונתקדשה לשמעון ומתו שניהם מתייבמת ללוי
18 R. Ḥisda sagte: Wenn eine Halbsklavin Reúben angetraut, freigelassen, und Šimo͑n angetraut worden ist, und beide gestorben sind, so hat Levi an ihr die Schwagerehe zu vollziehen,