Gittin 98

Kapitel 98

א תניא בהדיא (שמות כב, ד) מיטב שדהו ומיטב כרמו ישלם מיטב שדהו של ניזק ומיטב כרמו של ניזק דברי רבי ישמעאל רע"א מיטב שדהו של מזיק ומיטב כרמו של מזיק
1 es gebe eine ausdrückliche Lehre: <i>Das beste seines Feldes und das beste seines Weinbergs soll er bezahlen</i>, das beste des Feldes des Geschädigten und das beste des Weinbergs des Geschädigten – so R. Jišma͑él; R. A͑qiba sagt, das beste des Feldes des Schädigers und das beste des Weinbergs des Schädigers.
ב רבינא אמר לעולם מתני' ר"ע היא דאמר מדאורייתא בדמזיק שיימינן ור"ש היא דדריש טעמא דקרא ומה טעם קאמר מה טעם הניזקין שמין להן בעידית מפני תיקון העולם
2 Rabina erklärte: Tatsächlich vertritt unsere Mišna die Ansicht R. A͑qibas, welcher sagt, daß nach der Tora das [Feld] des Schädigers zu schätzen sei, und zwar nach R. Šimo͑n, der den Grund der Schrift erklärt. Hier wird somit der Grund angegeben: aus welchem Grunde <i>werden</i> Geschädigte mit Gutem bezahlt? Als vorsorgende Institution.
ג דתניא אמר ר"ש מפני מה אמרו הניזקין שמין להן בעידית מפני הגזלנים ומפני החמסנין כדי שיאמר אדם למה אני גוזל ולמה אני חומס למחר ב"ד יורדין לנכסי ונוטלין שדה נאה שלי וסומכים על מה שכתוב בתורה מיטב שדהו ומיטב כרמו ישלם לפיכך אמרו הניזקין שמין להן בעידית
3 Es wird nämlich gelehrt: R. Šimo͑n sagte: Weshalb sagten sie, daß Geschädigte mit Gutem zu bezahlen seien? Wegen der Räuber und der Plünderer; damit ein Mensch sich sage: wozu sollte ich rauben, wozu sollte ich plündern, morgen beschlagnahmt das Gericht meine Güter und nimmt mir das beste Feld ab, indem es sich stützt auf das, was geschrieben steht: <i>das beste seines Feldes und das beste seines Weinbergs soll er bezahlen</i>. Daher sagten sie, Geschädigte werden mit Gutem bezahlt.
ד מפני מה אמרו בעל חוב בבינונית כדי שלא יראה אדם לחבירו שדה נאה ודירה נאה ויאמר אקפוץ ואלונו כדי שאגבנו בחובי לפיכך אמרו בע"ח בבינונית
4 Weshalb sagten sie, Gläubiger werden mit Mittelmäßigem bezahlt? Damit nicht jemand, der bei seinem Nächsten ein schönes Feld oder ein schönes Haus sieht, sage: ich will mich herandrängen und ihm [Geld] borgen, damit ich es ihm für meine Schuld abnehmen kann. Daher sagten sie, Gläubiger werden mit Mittelmäßigem bezahlt. –
ה אלא מעתה יהא בזיבורית א"כ אתה נועל דלת בפני לווין
5 Demnach sollte es mit Schlechtem erfolgen!? – Dann würdest du die Tür vor den Geldbedürftigen verschließen.
ו כתובת אשה בזיבורית דברי ר' יהודה ר"מ אומר בבינונית אמר ר"ש מפני מה אמרו כתובת אשה בזיבורית שיותר ממה שהאיש רוצה לישא האשה רוצה לינשא
6 Die Morgengabe mit Schlechtem – so R. Jehuda; R. Meír sagt, mit Mittelmäßigem. R. Šimo͑n sagte: Weshalb sagten sie, die Morgengabe sei mit Schlechtem zu bezahlen? Weil mehr als der Mann heiraten will, die Frau geheiratet zu werden wünscht.
ז דבר אחר אשה יוצאה לרצונה ושלא לרצונה והאיש אינו מוציאה אלא לרצונו
7 Eine andere Erklärung: die Frau wird entfernt mit ihrem Willen und gegen ihren Willen, der Mann aber entfernt sie nur mit seinem Willen. –
ח מאי דבר אחר וכ"ת כי היכי דכי מפיק לה איהו תקינו לה רבנן כתובה מיניה כי נפקא איהי נמי ליתקני ליה רבנן כתובה מינה ת"ש אשה יוצאה לרצונה ושלא לרצונה והאיש אינו מוציא אלא לרצונו אפשר דמשהי לה בגיטא:
8 Wozu ist die andere Erklärung nötig? – Man könnte glauben, wie die Rabbanan für sie die Morgengabe angeordnet haben, wenn er sie entfernt, ebenso sei eine Morgengabe für ihn anzuordnen, wenn sie fortgeht, so ist zu erwidern: die Frau wird entfernt mit ihrem Willen und gegen ihren Willen, der Mann aber entfernt sie nur mit seinem Willen, denn er kann ihr den Scheidebrief vorenthalten.
ט כתובת אשה בזיבורית: אמר מר זוטרא בריה דרב נחמן לא אמרן אלא מיתמי אבל מיניה דידיה בבינונית
9 D<small>IE</small> M<small>ORGENGABE DER</small> F<small>RAU MIT</small> S<small>CHLECHTEM</small>. Mar Zuṭra, Sohn des R. Naḥman, sagte: Nur von den Waisen, von ihm aber erhält sie Mittelmäßiges. –
י מיתמי מאי איריא כתובת אשה אפילו כל מילי נמי דהא תנן אין נפרעים מנכסי יתומים אלא מן הזיבורית אלא לאו מיניה
10 Bei Waisen gilt dies ja nicht nur von der Morgengabe, sondern auch von allem anderen, denn wir haben gelernt, von Gütern der Waisen sei Zahlung nur vom Schlechten einzufordern; doch wohl von ihm selbst!? –
יא לעולם מיתמי וכתובת אשה איצטריכא ליה ס"ד אמינא משום חינא אקילו רבנן גבה קמ"ל
11 Tatsächlich von den Waisen, und von der Morgengabe ist dies besonders zu lehren nötig; man könnte glauben, daß man es für sie aus Wohlwollen erleichtert habe, so lehrt er uns.
יב אמר רבא ת"ש ר"מ אומר כתובת אשה בבינונית ממאן אילימא מיתמי לית ליה לר"מ הא דתנן אין נפרעים מנכסי יתומים אלא מן הזיבורית אלא לאו מיניה מכלל דרבנן סברי בזבורית
12 Raba sagte: Komm und höre: R. Meír sagt, auch die Morgengabe mit Mittelmäßigem. Von wem: wollte man sagen, von den Waisen, so wird doch wohl R. Meír von der Lehre halten, daß man sich von Gütern der Waisen nur mit Schlechtem bezahlt machen könne; doch wohl von ihm, wonach die Rabbanan der Ansicht sind, mit Schlechtem. –
יג לא לעולם מיתמי ושאני כתובת אשה משום חינא
13 Nein, tatsächlich von den Waisen, anders ist es aber bei der Morgengabe wegen des Wohlwollens.
יד אמר אביי ת"ש הניזקין שמין להן בעידית ובעל חוב בבינונית וכתובת אשה בזיבורית ממאן אילימא מיתמי מאי איריא כתובת אשה אפילו כל הני נמי אלא לאו מיניה
14 Abajje sprach: Komm und höre: Geschädigte werden mit Gutem bezahlt, Gläubiger mit Mittelmäßigem und die Morgengabe mit Schlechtem. Von wem: wollte man sagen, von Waisen, so gilt dies ja nicht nur von der Morgengabe, sondern auch von jenen; doch wohl von ihm!?
טו אמר רב אחא בר יעקב הכא במאי עסקינן כגון שנעשה ערב לנזקי בנו לבעל חוב בנו ולכתובת כלתו
15 R. Aḥa b. Ja͑qob erwiderte: Hier wird von dem Falle gesprochen, wenn jemand für die Schädigung seines Sohnes, für die Schuld seines Sohnes und für die Morgengabe seiner Schwiegertochter Bürgschaft geleistet hat.
טז והאי כי דיניה והאי כי דיניה ניזקין ובעל חוב דמחיים גבו איהו נמי כי מגבי כמחיים מגבי כתובת אשה דלאחר מיתה גביא ולאחר מיתה ממאן גביא מיתמי איהו נמי כי מגבי כלאחר מיתה מגבי
16 Jeder erhält das, was er zu beanspruchen hat: Geschädigte und Gläubiger, deren Forderung bei Lebzeiten [des Sohnes bestanden hat], erhalten auch von diesem das, was ihnen bei Lebzeiten [des Sohnes] zukam, die Morgengabe dagegen, die erst nach dem Tode fällig und somit von den Waisen einzufordern ist, ist auch von diesem so zu bezahlen, wie nach dem Tode. –
יז ותיפוק ליה דערב דכתובה לא משתעבד בקבלן
17 Sollte doch der Umstand maßgebend sein, daß der Bürge für die Morgengabe nicht haftbar ist!? – Bei der Übernahme. –
יח הניחא למאן דאמר קבלן אף על גב דלית ליה נכסי ללוה משתעבד שפיר אלא למאן דאמר אי אית ליה משתעבד אי לית ליה לא משתעבד מאי איכא למימר
18 Einleuchtend ist dies nach demjenigen, welcher sagt, der Übernehmende sei haftbar, auch wenn der Schuldner keine Güter hat, wie ist es aber nach demjenigen zu erklären, welcher sagt, wenn dieser solche hat, sei er haftbar, und wenn dieser keine hat, sei er nicht haftbar!? –
יט איבעית אימא בדהוו ליה ואישתדוף
19 Wenn du willst, sage ich: wenn er hatte und sie verheert worden sind,
כ ואיבעית אימא כל לגבי בריה שעבודי משעבד נפשיה
20 und wenn du willst, sage ich: für seinen Sohn verpflichtete er sich.
כא איתמר ערב דכתובה דברי הכל לא משתעבד
21 Es wurde gelehrt: Der Bürge für die Morgengabe ist nach aller Ansicht nicht haftbar,