Gittin 99

Kapitel 99

א קבלן דבעל חוב דברי הכל משתעבד ערב דבעל חוב וקבלן דכתובה פליגי איכא למ"ד אע"ג דלית ליה נכסי ללוה משתעבד ואיכא למאן דאמר אי אית ליה משתעבד אי לית ליה לא משתעבד
1 der Übernehmende einer Schuld ist nach aller Ansicht haftbar, und über den Bürgen für eine Schuld und den Übernehmenden der Morgengabe streiten sie; einer ist der Ansicht, er sei haftbar, auch wenn der Schuldner keine Güter hat, und einer ist der Ansicht, wenn dieser solche hat, sei er haftbar, und wenn dieser keine hat, sei er nicht haftbar.
ב והילכתא בכולהו אע"ג דלית ליה משתעבד בר מערב דכתובה דאע"ג דאית ליה לא משתעבד
2 Die Halakha ist, daß sie alle haftbar sind, auch wenn [der Schuldner] keine [Güter] hat, ausgenommen der Bürge für die Morgengabt, der nicht haftbar ist,
ג מאי טעמא מצוה הוא דעבד ולא מידי חסרה
3 selbst wenn jener solche hat, denn er hat nur ein Gebot ausgeübt und ihr keinen Schaden zugefügt.
ד אמר רבינא ת"ש מעיקרא דתקנתין יותר ממה שהאיש רוצה לישא אשה רוצה לינשא ואי ס"ד מיתמי האי משום דיתמי הוא תיובתא דמר זוטרא תיובתא:
4 Rabina sprach: Komm und beachte den Grund dieser Institution: mehr als der Mann heiraten will, wünscht die Frau geheiratet zu werden. Wenn man nun sagen wollte, nur von den Waisen, so erfolgt dies ja wegen der Waisen!? Dies ist eine Widerlegung der Lehre Mar Zuṭras. Eine Widerlegung.
ה אמר מר זוטרא בריה דרב נחמן משמיה דרב נחמן שט"ח היוצא על היתומין אע"פ שכתוב בו שבח אינו גובה אלא מן הזיבורית
5 Mar Zuṭra, Sohn des R. Naḥman, sagte im Namen R. Naḥmans: Wenn ein Schuldschein auf Waisen präsentiert wird, so kann mit diesem, selbst wenn es darin ‘von Gutem’ heißt, nur von Schlechtem eingefordert werden.
ו אמר אביי תדע דבע"ח דיניה בבינונית ומיתמי בזיבורית
6 Abajje sagte: Dies ist auch zu beweisen: ein Gläubiger erhält sonst von Mittelmäßigem, von Waisen aber von Schlechtem.
ז א"ל רבא הכי השתא בעל חוב דיניה מדאורייתא בזיבורית כדעולא דאמר עולא דבר תורה בעל חוב בזיבורית שנאמר (דברים כד, יא) בחוץ תעמוד והאיש וגו' מה דרכו של איש להוציא פחות שבכלים ומה טעם אמרו בע"ח בבינונית כדי שלא תנעול דלת בפני לוין וגבי יתמי אוקמוה רבנן אדאורייתא
7 Raba sprach zu ihm: Was soll dies; ein Gläubiger hat nach der Tora von Schlechtem zu erhalten, nach einer Lehre U͑las, denn U͑la sagte: Nach der Tora hat ein Gläubiger von Schlechtem zu erhalten, denn es heißt: <i>draußen sollst du stehen bleiben und der Mann &amp;c. [herausbringen]</i>, und man pflegt ja das Schlechteste unter seinen Geräten herauszubringen, nur bestimmten sie, daß ein Gläubiger von Mittelmäßigem erhalte, um nicht vor den Geldbedürftigen die Tür zu verschließen. Allerdings beließen es die Rabbanan bei Waisen bei der Bestimmung der Tora,
ח אלא הכא כיון דדיניה מדאורייתא בעידית אפילו מיתמי נמי בעידית
8 hierbei aber, wo er auch nach der Tora von Gutem zu erhalten hat, erhalt er auch von Waisen von Gutem. –
ט ולרבא והתני אברם חוזאה אין נפרעין מנכסי יתומין אלא מן הזיבורית ואפילו הן ניזקין והא ניזקין דינן מדאורייתא בעידית
9 Gegen Raba [ist ja einzuwenden:] Abram aus Ḥozäa lehrte ja, daß man sich von Gütern der Waisen nur mit Schlechtem bezahlt machen könne, sogar für Schädigungen, und für Schädigungen ist ja nach der Tora mit Gutem zu zahlen!? –
י הכא במאי עסקינן כגון שהיתה עידית דניזק כזיבורית דמזיק
10 Hier wird von dem Falle gesprochen, wenn das Gute des Geschädigten dem Schlechten des Schädigenden gleicht.
יא ורבי ישמעאל היא דאמר מדאורייתא בדניזק שיימינן ומפני תיקון העולם תקינו רבנן בדמזיק וגבי יתמי אוקמוה רבנן אדאורייתא
11 Dies nach R. Jišma͑él, welcher sagt, nach der Tora sei [das Feld] des Geschädigten zu schätzen, und nur als vorsorgende Institution ordneten die Rabbanan an, daß man das des Schädigenden schätze; bei Waisen aber beließen es die Rabbanan bei der Bestimmung der Tora. –
יב איני והתני רבי אליעזר ניותאה אין נפרעין מנכסי יתומים אלא מן הזיבורית ואפילו הן עידית מאי אפילו הן עידית לאו אע"ג דכתיב עידית בשטרא
12 Dem ist ja aber nicht so, R. Elea͑zar aus Nejota lehrte ja, daß man sich von Gütern der Waisen nur mit Schlechtem bezahlt machen könne, selbst wenn es Gutes ist, und unter ‘selbst wenn es Gutes ist’, ist wohl zu verstehen, selbst wenn es im Schuldschein ‘von Gutem’ heißt!? –
יג לא מאי עידית שפאי עידית כדרבא
13 Nein, darunter sind die Ränder vom Guten zu verstehen. Dies nach Raba,
יד דאמר רבא הזיק זיבורית גובה מן העידית שפאי עידית גובה מן הבינונית וגבי יתמי אוקמוה רבנן אדאורייתא:
14 denn Raba sagte: Wenn er Schlechtes beschädigt hat, so muß er mit Gutem ersetzen, wenn die Ränder von Gutem, so muß er mit Mittelmäßigem ersetzen. Bei Waisen aber haben es die Rabbanan bei der Bestimmung der Tora belassen.
טו אין נפרעין מנכסי יתומין אלא מן הזיבורית: בעי רב אחדבוי בר אמי יתומים שאמרו קטנים או אפילו גדולים תקנתא היא דעבוד רבנן גבי יתמי לקטנים עבוד רבנן לגדולים לא עבוד רבנן
15 V<small>ON</small> G<small>ÜTERN DER</small> W<small>AISEN IST</small> Z<small>AHLUNG NUR VOM</small> S<small>CHLECHTEN EINZUFORDERN</small>. R. Aḥadboj b. Ami fragte: Sind unter Waisen, von denen sie sprechen, nur Minderjährige zu verstehen oder auch Erwachsene? Ist dies eine Vorsorge, die die Rabbanan getroffen haben, und die Rabbanan haben diese nur für Minderjährige getroffen, nicht aber für Erwachsene,
טז או דלמא משום דלא מסיק אדעתא דמלוה דמית לוה ונפלי נכסי קמי יתמי דהוה ליה נועל דלת הלכך אפילו גדולים נמי
16 oder aber, weil der Gläubiger nicht damit rechnet, daß der Schuldner sterben und sein Vermögen den Waisen zufallen kann, um als Türschluß gelten zu können, somit gilt dies auch von Erwachsenen. –
יז ת"ש דתני אביי קשישא יתומין שאמרו גדולים וא"צ לומר קטנים
17 Komm und höre: Abajje der Ältere lehrte: Unter Waisen, von denen sie sprechen, sind Erwachsene zu verstehen, und um so mehr gilt dies von Minderjährigen. –
יח ודלמא הני מילי לענין שבועה דגדול במילי דאבוה כקטן דמי אבל לענין זבורית לא
18 Vielleicht gilt dies nur vom Schwure, da auch ein Erwachsener bei Angelegenheiten seines Vaters einem Minderjährigen gleicht, nicht aber hinsichtlich des Schlechten.
יט והלכתא
19 Die Halakha ist,