Horayot 7

Kapitel 7

א ולא מבעיא למ"ד צבור מייתי דמפרסמא מלתא אלא אפילו למ"ד ב"ד מביאין דלא מפרסמא מלתא אי הוה שאיל הוו אמרין ליה
1 Und nicht nur nach demjenigen, welcher sagt, die Gemeinde müsse es darbringen, wodurch die Sache bekannt wird, sondern auch nach demjenigen, welcher sagt, das Gericht müsse es darbringen, ist es genügend bekannt, und wenn er gefragt hätte, würde man es ihm gesagt haben.
ב אמר ר' יוסי בר אבין ואיתימא רבי יוסי בר זבידא משל דסומכוס למה הדבר דומה לאדם שהביא כפרתו בין השמשות ספק מבעו"י נתכפר לו ספק משחשכה נתכפר לו שאין מביא אשם תלוי
2 R. Jose b. Abin, nach anderen R. Jose b. Zebida, sagte: Nach Symmachos ist dies zu vergleichen mit dem Falle, wenn jemand sein Sühnopfer gegen Abend dargebracht hat, und es zweifelhaft ist, ob es am Tage dargebracht worden ist und er Sühne erlangt hat, oder es bei Dunkelheit dargebracht worden ist und er keine Sühne erlangt hat; dieser bringt kein Schwebe-Schuldopfer dar.
ג ולא מבעיא למ"ד ב"ד מביאין דלא אפרסמא מלתא אלא אפילו למ"ד צבור מביאין דמפרסמא מלתא והוו אמרינן ליה דהכא בספק מבעוד יום ספק משחשכה אי שאיל לא אשכח אינש דמשייליה:
3 Und nicht nur nach demjenigen, welcher sagt, das Gericht müsse es darbringen, wo die Sache nicht genügend bekannt ist, sondern auch nach demjenigen, welcher sagt, die Gemeinde müsse es darbringen, und die Sache dadurch bekannt ist, verhält es sich hierbei ebenso wie beim Zweifel, ob das Opfer am Tage oder bei Dunkelheit dargebracht worden ist, denn wenn er auch gefragt haben würde, braucht er ja nicht gleich einen gefunden zu haben, der es ihm sagen könnte.
ד אמר לו בן עזאי מאי שנא מן היושב כו': שפיר קאמר ליה ר"ע לבן עזאי
4 B<small>EN</small> A͑<small>ZAJ SPRACH ZU IHM</small>: W<small>ELCHEN</small> U<small>NTERSCHIED GIBT ES DENN ZWISCHEN DIESEM</small> &amp;<small>C</small>. R. A͑qiba erwiderte ja Ben A͑zaj treffend!?
ה אמר רבא החזיק בדרך איכא בינייהו לבן עזאי חייב דהא בביתיה איתיה לר"ע פטור דהא החזיק בדרך:
5 Raba erwiderte: Einen Unterschied gibt es zwischen ihnen in dem Falle, wenn er die Reise angetretenhat; nach Ben A͑zaj ist er schuldig, da er sich noch in der Stadt befindet, nach R. A͑qiba ist er frei, da er die Reise bereits angetreten hat.
ו הורו לו ב"ד לעקור את כל הגוף: ת"ר (ויקרא ד, יג) ונעלם דבר ולא שיעקר המצוה כולה כיצד אמרו אין נדה בתורה אין שבת בתורה אין עבודת כוכבים בתורה יכול יהו חייבין ת"ל ונעלם דבר ולא שתתעלם מצוה כולה הרי אלו פטורין
6 W<small>ENN DAS</small> G<small>ERICHT ENTSCHIEDEN HAT, EIN</small> G<small>ESETZ VOLLSTÄNDIG AUFZUHEBEN.</small> Die Rabbanan lehrten:<i>Und etwas entgangen,</i> nicht aber, wenn das ganze Gesetz aufgehoben wird; man könnte glauben, wenn es beispielsweise gesagt hat, das Gesetz von der Menstruierenden befinde sich nicht in der Tora, das Gesetz vom Šabbath befinde sich nicht in der Tora, das Gesetz vom Götzendienste befinde sich nicht in der Tora, sei es schuldig, so heißt es: <i>und etwas entgangen,</i> nicht aber, wenn das ganze Gesetz entgangen ist; sie sind also frei.
ז אבל אמרו יש נדה בתורה אבל הבא על שומרת יום כנגד יום פטור יש שבת בתורה אבל המוציא מרשות היחיד לרשות הרבים פטור יש עבודת כוכבים בתורה אבל המשתחוה פטור יכול יהו פטורין תלמוד לומר ונעלם דבר ולא כל הגוף
7 Man könnte nun glauben, wenn es entschieden hat, das Gesetz von der Menstruierenden befinde sich zwar in der Tora, wer aber eine ihren Reinheitstag abwartende Frau beschläft, sei frei, das Gesetz vom Šabbath befinde sich zwar in der Tora, wer aber etwas aus einem Privatgebiete nach einem öffentlichen Gebiete trägt, sei frei, das Gesetz vom Götzendienste befinde sich zwar in der Tora, wer sich aber nur niederwirft, sei frei, seien sie ebenfalls frei, so heißt es; <i>und etwas entgangen,</i> nicht aber, wenn das ganze Gesetz.
ח אמר מר יכול יהו פטורין ואי בקיום מקצת וביטול מקצת פטורין ובעקירת כל הגוף פטורין במאי חייבין תנא הכי קא קשיא ליה אימא דבר כולה מילתא משמע ת"ל ונעלם דבר
8 Der Meister sagte: Man könnte glauben, daß &amp;c. sei frei. Wenn sie in dem Falle, wenn das Gesetz teilweise aufrecht erhalten und teilweise aufgehoben wird, und auch in dem Falle, wenn es vollständig aufgehoben wird, frei sein sollten, in welchem Falle könnten sie denn schuldig sein!? – Der Autor erörtert folgendes: man könnte unter <i>etwas</i> das ganze Gesetz verstehen, so heißt es: <i>und etwas entgangen.</i> –
ט מאי משמע אמר עולא קרי ביה ונעלם מדבר
9 Wieso ist dies hieraus erwiesen? U͑la erwiderte: Man lese: und davonetwas entgangen.
י חזקיה אמר אמר קרא (ויקרא ד, יג) ועשו אחת מכל מצות מכל מצות ולא כל מצות מצות תרתי משמע אמר ר"נ בר יצחק מצות כתי'
10 Ḥizqija erklärte: Es heißt [weiter:]<i>und sie etwas ausüben von den Geboten,</i> von den Geboten, nicht aber das ganze Gebot. – Unter ‘Geboten’ sind ja zwei zu verstehen!? R. Naḥman b. Jiçḥaq erwiderte: Die Schreibweise ist Gebot.
יא רב אשי אמר יליף דבר דבר מזקן ממרא דכתיב ביה בזקן ממרא (דברים יז, ח) כי יפלא ממך דבר לא תסור מן הדבר אשר יגידו לך ימין ושמאל מה ממרא מן הדבר ולא כל דבר אף בהוראה דבר ולא כל הגוף
11 R. Aši erklärte: Dies ist zu entnehmen aus [dem Worte] <i>etwas,</i> das auch beim sich auflehnenden Gelehrtengebraucht wird; bei diesem heißt es:<i>wenn dir etwas unbekannt sein wird,</i> ferner:<i>du sollst nicht von dem, was sie dir sagen, abweichen, weder rechts noch links,</i> wie beim sich auflehnenden Gelehrten zu verstehen ist: von dem, nicht aber, wenn es sich um das ganze Gesetz handelt, ebenso gilt dies auch bei der Entscheidung nur von einem Teile des Gesetzes, nicht aber vom ganzen Gesetze.
יב אמר רב יהודה אמר שמואל אין ב"ד חייבין עד שיורו בדבר שאין הצדוקין מודין בו אבל בדבר שהצדוקין מודין בו פטורין מאי טעמא זיל קרי בי רב הוא
12 R. Jehuda sagte im Namen Šemuéls: Das Gericht ist nur dann schuldig, wenn es sich in einer Sache geirrt hat, der die Saduzäernicht beipflichten, wenn aber in einer Sache, der die Saduzäer beipflichten, so ist es frei, denn es sollte in die Schule gehen. –
יג תנן יש נדה בתורה אבל הבא על שומרת יום כנגד יום פטור ואמאי שומרת יום כנגד יום הא כתי' וספרה לה מלמד שסופרת אחד לאחד
13 Wir haben gelernt: Das Gesetz von der Menstruierenden befinde sich zwar in der Tora, wer aber eine ihren Reinheitstag abwartende Frau beschläft, sei frei. Weshalb denn, auch das Abwarten des Reinheitstages befindet sich ja in der Schrift, denn es heißt:<i>sie soll zählen,</i> dies lehrt, daß sie Tag für Tag zählen müsse!? –
יד דאמרי העראה שריא גמר ביאה הוא דאסירא הא נמי כתיב את מקורה הערה
14 Wenn es entschieden hat, die geschlechtliche Anschmiegung sei erlaubt, und nur der vollständige Beischlaf sei verboten. –Aber auch dies befindet sich ja in der Schrift:<i>ihre Scham hat er entblößt</i>!? –
טו דאמרי כדרכה אסירא שלא כדרכה שריא הא כתיב משכבי אשה
15 Wenn es entschieden hat, es sei nur auf natürliche Weise verboten, auf widernatürliche aber erlaubt. – Es heißt ja aber: <i>wie man eine Frau beschläft</i>!? –
טז דאמרי כדרכה אסור אפי' העראה בשלא כדרכה גמר ביאה הוא דאסור אבל העראה שריא אי הכי אפי' נדה נמי
16 Wenn es entschieden hat, auf natürliche Weise sei auch die geschlechtliche Anschmiegung verboten, und auf widernatürliche Weise sei nur der vollständige Beischlaf verboten, die geschlechtliche Anschmiegung aber erlaubt. – Dies sollte doch auch von der Menstruierenden gelten!? –
יז אלא לעולם כדרכה ודאמרי העראה באשה דוה הוא דכתיבא ואיבעית אימא דאמרי זבה לא הויא אלא ביממי דכתיב כל ימי זובה
17 Vielmehr, tatsächlich, wenn auf natürliche Weise, wenn es jedoch entschieden hat, das Verbot der Anschmiegung erstrecke sich nur auf eine Menstruierende. Wenn du aber willst, sage ich, wenn es entschieden hat, sie gelte nur am Tage menstruierend, denn es heißt:<i>während aller Tage ihrer Menstruation</i>. –
יח תנן יש שבת בתורה אבל המוציא מרשות לרשות פטור ואמאי הוצאה הא כתיבא לא תוציאו משא מבתיכם
18 Wir haben gelernt: Das Gesetz vom Šabbath befinde sich zwar in der Tora, wer aber aus einem Gebiete nach einem anderen Gebiete trägt, sei frei. Weshalb denn, das Verbot des Hinaustragens befindet sich ja in der Schrift:<i>ihr sollt keine Last aus euren Häusern tragen</i>!? –
יט [דאמרי הוצאה הוא דאסור הכנסה מותר ואיבעית אימא] דאמרי הוצאה והכנסה הוא דאסירא מושיט וזורק שרי
19 Wenn es entschieden hat, nur das Hinaustragen und das Hereintragen sei verboten, das Langen und das Werfen aber sei erlaubt. –
כ תנן יש עבודת כוכבים בתורה אבל המשתחוה פטור ואמאי המשתחוה הא כתיבא דכתיב לא תשתחוה לאל אחר
20 Wir haben gelernt: Das Verbot des Götzendienstes befinde sich zwar in der Tora, wer aber sich nur niederwirft, sei frei. Weshalb denn, das Sichniederwerfen befindet sich ja in der Schrift:<i>du sollst dich vor einem anderen Gott nicht niederwerfen</i>!? –
כא דאמרי כי אסירא השתחויה כדרכה אבל שלא כדרכה שריא ואיב"א דאמרי השתחויה גופה כדרכה הוא דאסיר דאית בה פשוט ידים ורגלים הא השתחויה דלית בה פשוט ידים ורגלים שריא
21 Wenn es entschieden hat, das Sichniederwerfen sei nur auf gewöhnliche Weise verboten, auf ungewöhnliche Weise aber erlaubt. Wenn du willst, sage ich, wenn es entschieden hat, selbst das Sichniederwerfen auf gewöhnliche Weise sei nur dann verboten, wenn man Hände und Füße ausstreckt, wenn man aber Hände und Füße nicht ausstreckt, sei es erlaubt.