Keritot 7

Kapitel 7

א שפתיו נהוי מעשה גבי מגדף אמר רבא שאני מגדף הואיל וישנו בלב אבל בעלמא עקימת שפתיו הוי מעשה
1 auch beim Gotteslästerer das Bewegen der Lippen als Tätigkeit gelten!? Raba erwiderte: Anders verhält es sich beim Gotteslästerer, weil es [hauptsächlich] im Herzen erfolgt. Sonst aber gilt die Bewegung der Lippen als Tätigkeit.
ב מתיב רבי זירא יצאו עדים זוממין שאין בו מעשה ואמאי הא על פי כתיב בהן אמר רבא שאני עדים זוממין הואיל וישנן בראייה:
2 R. Zera wandte ein: Ausgenommen das überführte Falschzeugnis, da dabei keine Tätigkeit ausgeübt wird. Weshalb denn, dabei heißt es ja:<i>durch den Mund</i>!? Raba erwiderte: Anders ist es beim überführten Falschzeugnis, weil es hauptsächlich auf das Sehen ankommt.
ג האוכל חלב: ת"ר (ויקרא ז, כג) כל חלב שור וכשב ועז לא תאכלו לחייב על כל אחת ואחת דברי ר' ישמעאל וחכ"א אינו חייב אלא אחת
3 W<small>ER</small> T<small>ALG ISST</small>. Die Rabbanan lehrten:<i>Ihr sollt keinen Talg von Rind, Schaf und Ziege essen</i>; man ist wegen jedes besonders schuldig – so R. Jišma͑él; die Weisen sagen, man sei [wegen aller] nur einmal schuldig.
ד נימא בהא קמיפלגי דר' ישמעאל סבר לוקין על לאו שבכללות ורבנן סברי אין לוקין על לאו שבכללות
4 Es wäre anzunehmen, daß ihr Streit in folgendem besteht. R. Jišma͑él ist der Ansicht, wegen des allgemein Verbotenen sei zu geißeln, und die Rabbanan sind der Ansicht, wegen des allgemein Verbotenen sei nicht zu geißeln. –
ה לעולם סבר ר' ישמעאל אין לוקין על לאו שבכללות ושאני הכא דמייתרי ליה קראי נכתוב קרא כל חלב לא תאכלו שור וכשב ועז למה לי ש"מ לחלק
5 Tatsächlich ist R. Jišma͑él der Ansicht, wegen des allgemein Verbotenen sei nicht zu geißeln, nur ist es hierbei anders, weil hier Schriftworte überflüssig sind. Der Schriftvers sollte ja lauten: <i>ihr sollt keinen Talg essen</i>, wenn es aber noch <i>von Rind, Schaf und Ziege</i> heißt, so deutet dies auf die Teilung. –
ו ורבנן אי לא כתיב שור וכשב ועז ה"א אפילו חלב חיה במשמע להכי כתב שור כשב ועז למימרא דחלב שור וכשב ועז הוא דאסור אבל דחיה שרי
6 Und die Rabbanan!? – Würde es nicht geheißen haben: <i>von Rind, Schaf und Ziege</i>, so könnte man glauben, auch der Talg vom Wild sei einbegriffen, so heißt es: <i>von Rind, Schaf und Ziege</i>, um zu sagen, daß nur Talg von Rind, Schaf und Ziege verboten ist, vom Wild aber erlaubt. – Sie haben ihm ja treffend erwidert!? –
ז שפיר קאמרי ליה אלא היינו טעמא דרבי ישמעאל דקסבר א"כ לכתוב כל חלב שור לא תאכלו כשב ועז למה לי ש"מ לחלק
7 Vielmehr, folgendes ist der Grund R. Jišma͑éls; er ist der Ansicht, es sollte ja heißen: <i>ihr sollt keinen Talg vom Rinde essen</i>, wenn es aber noch <i>Schaf und Ziege</i> heißt, so deutet dies auf die Teilung. –
ח ורבנן סברי אי כתב רחמנא כל חלב שור ה"א נילף שור שור מסיני
8 Und die Rabbanan!? – Sie sind der Ansicht, wenn der Allbarmherzige nur <i>keinen Talg vom Rinde</i> geschrieben hätte, so könnte man glauben, man folgere durch [das Wort] <i>Rind</i>, das auch beim Šabbathgesetzegebraucht wird,
ט מה גבי סיני חיה ועוף כיוצא בהן אף גבי אכילה חיה ועוף כיוצא בהן להכי כתב רחמנא שור וכשב ועז למימרא דהני דאסור אבל חיה ועוף שרי
9 wie beim Šabbathgesetze Wild und Geflügel diesem gleichen, ebenso gleichen Wild und Geflügel diesem auch hinsichtlich des [Talg]essens; daher schrieb der Allbarmherzige <i>Rind, Schaf und Ziege</i>, um zu sagen, daß er nur von diesen verboten ist, von Wild und Geflügel aber erlaubt. –
י שפיר קא"ל אלא היינו טעמא דקסבר נכתוב כל חלב כשב לא תאכלו א"נ כל חלב עז לא תאכלו שור וכשב ועז למה לי ש"מ לחלק
10 Sie haben ihm ja treffend erwidert!? – Vielmehr folgendes ist sein Grund; er ist der Ansicht, es sollte ja heißen: <i>ihr sollt keinen Talg vom Schafe essen</i>, oder auch: <i>ihr sollt keinen Talg von der Ziege essen</i>, wenn es aber heißt: <i>ihr sollt keinen Talg von Rind, Schaf und Ziege essen</i>, so deutet dies auf die Teilung. –
יא ורבנן סברי אי כתב כל חלב כשב ה"א חלב כשב אסור ושור ועז שרי וכ"ת מאי אולמיה דכשב משום דנתרבה באליה
11 Und die Rabbanan!? – Sie sind der Ansicht, wenn er nur geschrieben hätte: <i>keinen Talg vom Schafe</i>, so könnte man glauben, nur Talg vom Schafe sei verboten, der von Rind und Ziege aber sei erlaubt. Und wollte man einwenden, worin denn die Bedeutung des Schafes bestehe, so wäre zu erwidern: weil es hinsichtlich des Fettschwanzesbevorzugter ist.
יב וכדתנא ר' חנניא למה מנה הכתוב אימורין בשור ואימורים בכשב ואימורים בעז דכתיב (במדבר יח, יז) אך בכור שור וגו'
12 Dies nach einer Lehre des R. Ḥananja: wozu nennt die Schrift die Opferteile des Rindes, die Opferteile des Schafes und die Opferteile der Ziege besonders, wie es heißt: <i>nur das Erstgeborene eines Rindes &amp;c</i>.?
יג צריכי דאי כתב שור ה"א כשב ועז לא ילפינן מיניה דאיכא למיפרך מה לשור שכן נתרבה בנסכים
13 Dies ist nötig; würde sie es nur beim Rinde geschrieben haben, so könnte man glauben, von diesem sei hinsichtlich des Schafes und der Ziege nicht zu folgern, denn es wäre zu erwidern: wohl gilt dies beim Rinde, bei dem das Gußopfer größerist.
יד נכתוב רחמנא בכשב ונילף שור ועז מכשב איכא למיפרך מה לכשב שכן נתרבה באליה
14 Sollte der Allbarmherzige es doch nur beim Schafe geschrieben haben, und man würde hinsichtlich des Rindes und der Ziege vom Schafe gefolgert haben!? Man könnte erwidern: wohl gilt dies beim Schafe, das hinsichtlich des Fettschwanzes bevorzugter ist.
טו נכתוב רחמנא עז ונילף שור וכשב מיניה איכא למיפרך מה לעז שכן נתרבה אצל עבודת כוכבים
15 Sollte der Allbarmherzige es nur bei der Ziege geschrieben haben, und man würde von dieser hinsichtlich des Rindes und des Schafes gefolgert haben!? Man könnte erwidern: wohl gilt dies bei der Ziege, denn diese ist bevorzugter beim Götzendienste.
טז מן חד לא ילפינן נכתוב תרתי ונילף חדא מתרתי הי דין נילף שור מכשב ועז אית להון פירכא מה לכשב ועז שכן נתרבו אצל הפסח
16 Sollte er es doch, wenn es von einem nicht zu folgern ist, von zweien geschrieben haben, und man würde es hinsichtlich des einen von beiden gefolgert haben!? Welches denn: wollte man hinsichtlich des Rindes von Schaf und Ziege folgern, so wäre zu erwidern: wohl gilt dies von Schaf und Ziege, die hinsichtlich des Pesaḥopfersbevorzugter sind.
יז לא נכתוב כשב ונילף משור ועז אית להון פירכא מה לשור ועז שכן נתרבה אצל עבודת כוכבים
17 Wenn er es beim Schafe nicht geschrieben hätte und man hinsichtlich dessen von Rind und Ziege folgern wollte, so wäre zu erwidern: wohl gilt dies von Rind und Ziege, die beim Götzendienstebevorzugter sind.
יח לא נכתוב עז ונילף משור וכשב אית להון פירכא מה לשור וכשב שכן יש בו צד ריבוי הלכך לא ילפי מהדדי
18 Und wenn er es bei der Ziege nicht geschrieben hätte und man es hinsichtlich dieser von Rind und Schaf folgern wollte, so wäre zu erwidern: wohl gilt dies von Rind und Schaf, bei denen es eine Überlegenheitgibt. Sie sind daher von einander nicht zu folgern. –
יט שפיר קא"ל אלא לעולם טעמא דרבי ישמעאל כדאמרינן מעיקרא דאם כן נכתוב כל חלב ולישתוק מאי אמרת האי דכתב שור וכשב ועז למשרי חלב חיה
19 Sie haben ihm ja treffend erwidert!? – Vielmehr, tatsächlich ist der Grund R. Jišma͑éls, wie wir zuerst gesagt haben, es sollte nur <i>keinen Talg</i> heißen und nichts weiter, wenn du aber einwendest, er schreibe deshalb <i>Rind, Lamm und Ziege</i>, um den Talg vom Wilde zu erlauben,
כ הא כי כתב קרא בעניינא דקדשים ודבר למד מעניינו
20 so befaßt sich die Schrift an dieser Stelle mit den Opfern, und man achte auf den Zusammenhang. –
כא מכלל דרבנן סברי לא ילפינן דבר למד מעניינו לא דכולי עלמא ילפינן דבר הלמד מעניינו והכא בהא פליגי רבי ישמעאל סבר למידין לאו מלאו בין מלאו ובין מלאו דכרת
21 Demnach sind die Rabbanan der Ansicht, man folgere nicht aus dem Zusammenhange!? – Nein, alle sind der Ansicht, man folgere aus dem Zusammenhange, und ihr Streit besteht in folgendem: R. Jišma͑él ist der Ansicht, man folgere[hinsichtlich eines Verbotes von einem Verbote, einerlei ob von einem gewöhnlichen Verbote oder von einem mit der Ausrottung belegten Verbote],
כב דכל חלב שור וכשב ועז מלאו (ויקרא ג, יז) דחוקת עולם לדורותיכם בכל מושבותיכם כל חלב וכל דם לא תאכלו דכתיב בעניינא דקדשים ובקדשים לא אית בהון חיה אף כל חלב שור כי כתיב ליה סתמא ליכא לספוקי בחיה הלכך שור וכשב ועז לחלק הוא דאתא לחייב על כל אחת ואחת
22 
כג וילפינן לאו דכל חלב ולאו דחוקת עולם מכרת (ויקרא ז, כה) דכי כל אוכל חלב מן הבהמה אשר יקריבו ממנה מה ההוא לחלק אף הדין לחלק
23 
כד ורבנן לאו מלאו ילפינן לאו מכרת לא ילפינן
24 und die Rabbanan sind der Ansicht, man folgere hinsichtlich eines Verbotes von einem Verbote, nicht aber hinsichtlich eines Verbotes von der Ausrottung.
כה ואיבעית אימא היינו טעמייהו דרבנן כדאמר ליה רב מרי לרב זביד אלא מעתה אליה דחולין תיתסר אמר ליה עליך אמר קרא (ויקרא ז, כג) כל חלב שור וכשב ועז דבר השוה בשלשתן בעינן וליכא
25 Wenn du aber willst, sage ich: folgendes ist der Grund der Rabbanan. R. Mari sprach zu R. Zebid: Demnachsollte doch der Fettschwanz von Profanem [zum Essen] verboten sein!? Dieser erwiderte: Deinetwegen sagt die Schrift: <i>keinen Talg von Rind, Schaf und Ziege</i>, nur was bei allen gleich ist, was bei diesem nicht der Fall ist.
כו הלכך כי אתא שור וכשב ועז למישרי אליה דחולין הוא דאתא ור' ישמעאל אמר לך א"כ לימא קרא כל חלב שור וכשב עז למה לי ש"מ לחלק
26 Somit deuten die Worte <i>Rind, Schaf und Ziege</i> darauf, daß der Fettschwanz von Profanem erlaubt ist. – Und R. Jišma͑él!? – Er kann dir erwidern: demnach sollte die Schrift sagen: <i>keinen Talg von Rind und Schaf</i>, wenn es aber auch <i>Ziege</i> heißt, so deutet dies auf die Teilung.
כז א"ר חנינא מודה רבי ישמעאל לענין קרבן שאין מביא אלא חטאת אחת מ"ט דלא דמי הדין לאו ללאו דעריות
27 R. Ḥanina sagte: R. Jišma͑él pflichtet hinsichtlich des Opfers bei, daß dieserhalb nur ein Sündopfer darzubringen ist. – Weshalb? – Weil dieses Verbot nicht dem Inzestverbote gleicht.
כח ת"ר ועשה אחת ועשה הנה לחייב על כל אחת ואחת
28 Die Rabbanan lehrten:<i>Und er eines tut, und er von diesen tut</i>, man ist nämlich wegen jeder [Sünde] besonders schuldig.
כט שאם אכל חלב וחלב שם אחד בשני העלמות חייב שתים שתי שמות בהעלם אחת חייב שתים
29 Wenn jemand Talg und Talggegessen hat, ein Vergehen bei zweimaligem Entfallen, so ist er zweimal schuldig; wenn zwei Vergehenbei einem Entfallen, so ist er zweimal schuldig.
ל א"ל רמי בר חמא לרב חסדא בשלמא שם אחד בשני העלמות חייב שתים משום דהעלמות מחלקין אלא שני שמות בהעלם אחת אמאי חייב שתים הא בעינן העלמות מוחלקין וליכא
30 Rami b. Ḥama sprach zu R. Ḥisda: Einleuchtend ist es, daß er wegen eines Vergehens bei zweimaligem Entfallen zweimal schuldig ist, weil das Entfallen sie teilt, weshalb aber ist er wegen zweier Vergehen bei einem Entfallen zweimal schuldig, sie müssen ja durch das Entfallen geteilt sein, was hierbei nicht der Fall ist!?
לא א"ל הכא במאי עסקינן כגון דאכל חלב דנותר דמחייב משום נותר ומשום חלב א"ל א"כ ניחייב נמי משום קודש
31 Dieser erwiderte: Hier wird von dem Falle gesprochen, wenn jemand Talg von Übriggebliebenem gegessen hat; er ist wegen des Übriggebliebenen und des Talges schuldig. Jener entgegnete: Demnach sollte er auch wegen des Heiligen schuldig sein!?
לב אלא אמר רב ששת כגון דאכל חלב דהקדש ור' יהודה היא דתניא אכל חלב נבלה אכל חלב מוקדשין חייב שתים ר' יהודה אומר חלב מוקדשין לוקה שלש
32 Vielmehr, erwiderte R. Šešeth, hier wird von dem Falle gesprochen, wenn jemand Talg von Heiligem gegessen hat, und zwar nach R. Jehuda. Es wird nämlich gelehrt: Wer Talg von einem Aase gegessen hat, wer Talg von Heiligem gegessen hat, ist zweimalschuldig. R. Jehuda sagt, wenn Talg von Heiligem, sei er dreimalzu geißeln.
לג מחייכו עלה במערבא ונוקמה כגון חלב דשור וכשב ועז ור' ישמעאל היא דאמר לוקה שלש
33 Im Westen lachten sie darüber: Sollte man es doch auf den Fall beziehen, wenn beispielsweise Talg von einem Rinde, einem Schafe und einer Ziege, und zwar nach R. Jišma͑él, welcher sagt, dieserhalb sei dreimal zu geißeln!?