Ketubot 134

Kapitel 134

א שבאו לינשא משיאין את היתומה ואחר כך משיאין את היתום מפני שבושתה של אשה מרובה משל איש:
1 zu verheiraten sind, so verheirate man zuerst das Mädchen, und erst dann den Knaben, denn die Schande eines Weibes ist größer als die eines Mannes.
ב ת"ר יתום שבא לישא שוכרין לו בית ומציעין לו מטה וכל כלי תשמישו ואחר כך משיאין לו אשה שנאמר (דברים טו, ח) די מחסורו אשר יחסר לו די מחסורו זה הבית אשר יחסר זה מטה ושלחן לו זו אשה וכן הוא אומר (בראשית ב, יח) אעשה לו עזר כנגדו:
2 Die Rabbanan lehrten: Wenn ein Waisenknabe zu verheiraten ist, so miete man ihm eine Wohnung und richte ihm ein Bett her und alle Hausgeräte, und erst dann verheirate man ihn, denn es heißt:<i>hinreichend für seinen Mangel, was ihm fehlt; hinreichend für seinen Mangel</i>, das ist die Wohnung; <i>was fehlt</i>, das sind Lager und Tisch; <i>ihm</i>, das ist die Frau, wie es heißt:<i>ich will ihm eine Hilfe machen</i>.
ג תנו רבנן די מחסורו אתה מצווה עליו לפרנסו ואי אתה מצווה עליו לעשרו אשר יחסר לו אפילו סוס לרכוב עליו ועבד לרוץ לפניו אמרו עליו על הלל הזקן שלקח לעני בן טובים אחד סוס לרכוב עליו ועבד לרוץ לפניו פעם אחת לא מצא עבד לרוץ לפניו ורץ לפניו שלשה מילין:
3 Die Rabbanan lehrten: <i>Hinreichend für seinen Mangel</i>; soweit mußt du ihn unterhalten, du brauchst ihn aber nicht reich zu machen. <i>Hinreichend für seinen Mangel</i>, selbst ein Pferd zum Reiten und einen Sklaven vor ihm herzulaufen. Man erzählt von Hillel dem Älteren, daß er einem verwöhntenArmen ein Pferd zum Reiten stellte und einen Sklaven vor ihm herzulaufen; einst fand er keinen Sklaven zum Herlaufen, da lief er selber drei Mil vor ihm her.
ד תנו רבנן מעשה באנשי גליל העליון שלקחו לעני בן טובים אחד מציפורי ליטרא בשר בכל יום ליטרא בשר מאי רבותא אמר רב הונא ליטרא בשר משל עופות ואיבעית אימא בליטרא בשר ממש רב אשי אמר התם כפר קטן היה בכל יומא הוה מפסדי חיותא אמטולתיה:
4 Die Rabbanan lehrten: Einst kauften Leute in Obergaliläa einem verwöhnten Armen aus Sepphorisein Pfund Fleisch täglich. – Ein Pfund Fleisch, was Großes ist dabei!? R. Hona erwiderte: Ein Pfund Geflügelfleisch. Wenn du aber willst, sage ich: tatsächlich ein Pfund gewöhnliches Fleisch, denn R. Aši sagte, es war in einem kleinen Dorfe, und seinetwegen vernichteten sie jeden Tag ein Vieh.
ה ההוא דאתא לקמיה דרבי נחמיה אמר ליה במה אתה סועד א"ל בבשר שמן ויין ישן רצונך שתגלגל עמי בעדשים גלגל עמו בעדשים ומת אמר אוי לו לזה שהרגו נחמיה אדרבה אוי לו לנחמיה שהרגו לזה מיבעי ליה אלא איהו הוא דלא איבעי ליה לפנוקי נפשיה כולי האי
5 Einst kam jemand zu R. Neḥemja, und dieser fragte ihn, womit er seine Mahlzeit zu halten pflege. Jener erwiderte: Mit fettem Fleische und altem Weine. – Willst du mit mir Linsen essen? Da aß jener mit ihm Linsen und starb. Hierauf sprach er: Wehe ihm, den Neḥemja getötet! – Er sollte ja sagen: wehe Neḥemja, der diesen getötet!? – Jener vielmehr sollte sich nicht so sehr verwöhnen.
ו ההוא דאתא לקמיה דרבא אמר לו במה אתה סועד אמר לו בתרנגולת פטומה ויין ישן אמר ליה ולא חיישת לדוחקא דציבורא א"ל אטו מדידהו קאכילנא מדרחמנא קאכילנא דתנינא (תהלים קמה, טו) עיני כל אליך ישברו ואתה נותן להם את אכלם בעתו בעתם לא נאמר אלא בעתו מלמד שכל אחד ואחד נותן הקב"ה פרנסתו בעתו
6 Einst kam jemand zu Raba, und dieser fragte ihn, womit er seine Mahlzeit zu halten pflege. Jener erwiderte: Mit einer Masthenne und altem Weine. Da sprach er zu ihm: Nimmst du denn, gar keine Rücksicht auf die Belastung der Gemeinde!? Jener erwiderte: Esse ich etwa ihres, ich esse ja des Allbarmherzigen!? Es wird nämlich gelehrt:<i>Aller Augen warten auf dich, und du gibst ihnen ihre Nahrung zu seiner Zeit</i>; es heißt nicht: <i>zu ihrer Zeit</i>, sondern: <i>zu seiner Zeit</i>, und dies lehrt, daß der Heilige, gepriesen sei er, jedem einzelnen seine Nahrung seiner Gewohnheit entsprechend gibt.
ז אדהכי אתאי אחתיה דרבא דלא חזיא ליה תליסרי שני ואתיא ליה תרנגולת פטומה ויין ישן אמר מאי דקמא א"ל נענתי לך קום אכול
7 Währenddessen kam die Schwester Rabas, die ihn dreizehn Jahre nicht gesehen hatte, und brachte ihm eine Masthenne mit und alten Wein. Da sprach er: Dies hat etwas zu bedeuten. Hierauf sprach er zu jenem: Ich füge mich dir, komm und iß.
ח תנו רבנן אין לו ואינו רוצה להתפרנס נותנין לו לשום הלואה וחוזרין ונותנין לו לשום מתנה דברי רבי מאיר וחכמים אומרים נותנין לו לשום מתנה וחוזרין ונותנין לו לשום הלואה לשום מתנה הא לא שקיל אמר רבא לפתוח לו לשום מתנה
8 Die Rabbanan lehrten: Wenn er nichts hat und sich nicht ernähren lassen will, so gebe man ihm zuerst als Darlehen und dann als Geschenk – so R. Meír; die Weisen sagen, man gebe ihm zuerst als Geschenk und dann als Darlehen. – ‘Als Geschenk’, er nimmt ja nicht!? Raba erwiderte: Man biete ihm als Geschenk an.
ט יש לו ואינו רוצה להתפרנס נותנין לו לשום מתנה וחוזרין ונפרעין ממנו חוזרין ונפרעין הימנו תו לא שקיל אמר רב פפא לאחר מיתה ר"ש אומר יש לו ואינו רוצה להתפרנס אין נזקקין לו אין לו ואינו רוצה להתפרנס אומרים לו הבא משכון וטול כדי שתזוח דעתו עליו
9 Wenn jemand dazu hat und sich nicht ernährenwill, so gebe man ihm als Geschenk und nachher fordere man es von ihm ein. – Wenn man es von ihm einfordert, nimmt er ja nicht mehr!? R. Papa erwiderte: Nach seinem Tode. R. Šimo͑n sagt, wenn jemand dazu hat und sich nicht ernähren will, kümmere man sich nicht um ihn; wenn jemand nichts hat und sich nicht ernähren lassen will, fordere man ihn auf, ein Pfand zu bringen und zu nehmen, damit seine Stimmung sich hebe.
י ת"ר (דברים טו, ח) העבט זה שאין לו ואינו רוצה להתפרנס שנותנים לו לשום הלואה וחוזרין ונותנין לו לשום מתנה תעביטנו זה שיש לו ואינו רוצה להתפרנס שנותנין לו לשום מתנה וחוזרין ונפרעין הימנו לאחר מיתה דברי ר' יהודה
10 Die Rabbanan lehrten:<i>Borgen</i>, dem, der nichts hat und sich nicht ernähren lassen will; man gebe ihm zuerst als Darlehen und dann als Geschenk. <i>Sollst du ihm borgen</i>, dem, der dazu hat und sich nicht ernähren will; man gebe ihm als Geschenk und nach seinem Tode fordere man es von ihm ein – so R. Jehuda.
יא וחכ"א יש לו ואינו רוצה להתפרנס אין נזקקין לו ואלא מה אני מקיים תעביטנו דברה תורה כלשון בני אדם
11 Die Weisen sagen, wenn jemand dazu hat und sich nicht ernähren will, kümmere man sich nicht um ihn. – Wozu heißt es: <i>sollst du ihm borgen</i>? – Die Tora gebraucht die landläufige Redewendung.
יב מר עוקבא הוה עניא בשיבבותיה דהוה רגיל כל יומא דשדי ליה ארבעה זוזי בצינורא דדשא יום אחד אמר איזיל איחזי מאן קעביד בי ההוא טיבותא ההוא יומא נגהא ליה למר עוקבא לבי מדרשא אתיא דביתהו בהדיה
12 Mar U͑qaba hatte in seiner Nachbarschaft einen Armen, dem er täglich vier Zuz in die Türpfanne zu legen pflegte. Eines Tages sagte sich dieser, er wolle gehen und beobachten, wer ihm eine derartige Wohltat erweise, und gerade an jenem Tage hatte sich Mar U͑qaba im Lehrhause verspätet, und seine Fraubegleitete ihn.
יג כיון דחזיוה דקא מצלי ליה לדשא נפק בתרייהו רהוט מקמיה עיילי לההוא אתונא דהוה גרופה נורא הוה קא מיקליין כרעיה דמר עוקבא אמרה ליה דביתהו שקול כרעיך אותיב אכרעאי חלש דעתיה אמרה ליה אנא שכיחנא בגויה דביתא ומקרבא אהנייתי
13 Als jener die Tür sich bewegen sah, folgte er ihnen, und sie liefen vor ihm in einen Ofen, in dem ein Feuerbrand aufgeschichtet war. Als Mar U͑qaba sich die Füße verbrannte, sprach seine Frau zu ihm: Setze deine Füße auf meine. Da wurde er niedergeschlagen. Hierauf sprach seine Frau zu ihm: Ich bin stets zuhause und übe das Liebeswerk direkt. –
יד ומאי כולי האי דאמר מר זוטרא בר טוביה אמר רב ואמרי לה אמר רב הונא בר ביזנא אמר ר"ש חסידא ואמרי לה א"ר יוחנן משום רבי שמעון בן יוחי נוח לו לאדם שימסור עצמו לתוך כבשן האש ואל ילבין פני חברו ברבים מנא לן מתמר דכתיב (בראשית לח, כה) היא מוצאת
14 Weshalb dies alles? – Mar Zuṭra b. Ṭobija sagte im Namen Rabhs, wie manche sagen, R. Hona b. Bizna im Namen R. Šimo͑n des Frommen, und wie manche sagen, R. Joḥanan im Namen des R. Šimo͑n b. Joḥaj: Lieber lasse sich ein Mensch in einen Schmelzofen werfen, als das Gesicht seines Nächsten öffentlich zu beschämen. Dies ist von Tamar zu entnehmen, denn es heißt:<i>sie wurde hinausgeführt</i>.
טו מר עוקבא הוה עניא בשיבבותיה דהוה רגיל לשדורי ליה ארבע מאה זוזי כל מעלי יומא דכיפורא יומא חד שדרינהו ניהליה ביד בריה אתא אמר ליה לא צריך אמר מאי חזית חזאי דקא מזלפי ליה יין ישן אמר מפנק כולי האי עייפינהו ושדרינהו ניהליה
15 Mar U͑qaba hatte in seiner Nachbarschaft einen Armen, dem er an jedem Vorabend des Versöhnungstages vierhundert Zuz zu senden pflegte. Eines Tages sandte er sie ihm durch seinen Sohn; dieser aber kam zurück und berichtete, er sei nicht bedürftig. Da fragte er ihn: Was hast du gesehen? – Ich sah, wie man für ihn alten Wein sprengte. Da sprach er: So sehr verwöhnt ist er! Hierauf verdoppelte er [den Betrag] und sandte ihn ihm.
טז כי קא ניחא נפשיה אמר אייתו לי חושבנאי דצדקה אשכח דהוה כתיב ביה שבעת אלפי דינרי סיאנקי אמר זוודאי קלילי ואורחא רחיקתא קם בזבזיה לפלגיה ממוניה היכי עביד הכי והאמר ר' אילעאי באושא התקינו המבזבז אל יבזבז יותר מחומש הני מילי מחיים שמא ירד מנכסיו אבל לאחר מיתה לית לן בה:
16 Als seine Seele zur Ruhe einkehren sollte, verlangte er, daß man ihm seine Almosenrechnungen hole, und er fand darin siebentausend sijanische Denare verzeichnet. Da rief er: Gering die Zehrung und weit die Reise! Hierauf verteilte er die Hälfte seines Vermögens. – Wieso tat er dies, R. Ilea͑j sagte ja, in Uša habe man angeordnet, wer verschwenderisch spendet, verschwende nicht mehr als ein Fünftel!? – Dies nur bei Lebzeiten, weil man sein Vermögen verlieren würde, nach dem Tode aber ist nichts dabei.
יז רבי אבא הוה צייר זוזי בסודריה ושדי ליה לאחוריה וממצי נפשיה לבי עניי ומצלי עיניה מרמאי
17 R. Abba wickelte Geld in ein Sudarium, nahm es über den Rücken und begab sich zu den Armen; er schielte jedoch nach der Seite, wegen der Betrüger.
יח רבי חנינא הוה ההוא עניא דהוה רגיל לשדורי ליה ארבעה זוזי כל מעלי שבתא יומא חד שדרינהו ניהליה ביד דביתהו אתאי אמרה ליה לא צריך מאי חזית שמעי דהוה קאמרי ליה במה אתה סועד
18 R. Ḥanina hatte einen Armen, dem er jeden Vorabend des Šabbaths vier Zuz zu senden pflegte. Eines Tages sandte er sie ihm durch seine Frau, diese aber kam zurück und berichtete, er sei nicht bedürftig. – Was hast du gesehen? – Ich hörte, wie man ihn fragte, worauf er speisen wolle,