Ketubot 85

Kapitel 85

א ומודה בקנס פטור ורבנן סברי כי קא תבע בושת ופגם קא תבע
1 und wer eine Bußzahlung freiwillig eingesteht, ist davon frei. – Und die Rabbanan!? – Sie sind der Ansicht, seine Forderung beziehe sich [hauptsächlich] auf das Beschämungsgeld und das Bemakelungsgeld. –
ב במאי קא מיפלגי א"ר פפא ר"ש סבר לא שביק איניש מידי דקיץ ותבע מידי דלא קיץ ורבנן סברי לא שביק איניש מידי דכי מודי ביה לא מיפטר ותבע מידי דכי מודה ביה מיפטר
2 Worin besteht ihr Streit? R. Papa erwiderte: R. Šimo͑n ist der Ansicht, niemand lasse Festgesetztesund fordere Nichtfestgesetztes, die Rabbanan aber sind der Ansicht, niemand lasse das, wovon jener sich durch Selbstanzeige nicht befreien kann, und fordere das, wovon jener sich durch Selbstanzeige befreien kann.
ג בעא מיניה רבי אבינא מרב ששת בת הניזונת מן האחין מעשה ידיה למי
3 R. Abina fragte R. Šešeth: Wem gehört die Händearbeit der Tochter, die von den Brüdern unterhalten wird;
ד במקום אב קיימי מה התם מעשה ידיה לאב ה"נ מעשה ידיה לאחין או דלמא לא דמי לאב התם מדידיה מיתזנא הכא לאו מדידהו מיתזנא
4 treten sie anstelle des Vaters, und wie sonst ihre Händearbeit ihrem Vater gehört, ebenso gehört in diesem Falle ihre Händearbeit den Brüdern, oder gleichen sie nicht dem Vater, denn der Vater unterhält sie von seinem Vermögen, während diese sie nicht von ihrem Vermögenunterhalten?
ה א"ל תניתוה אלמנה ניזונת מנכסי יתומים ומעשה ידיה שלהן
5 Dieser erwiderte: Ihr habt es gelernt: Die Witwe ist vom Vermögen der Waisen zu unterhalten und ihre Händearbeit gehört ihnen. –
ו מי דמי אלמנתו לא ניחא ליה בהרווחה בתו ניחא ליה בהרווחה
6 Es ist nicht gleich; für seine Witwe ist ihm ein Überschuß nicht erwünscht, für seine Tochter ist ihm ein Überschußerwünscht. –
ז למימרא דבתו עדיפא ליה מאלמנתו והאמר רבי אבא א"ר יוסי עשו אלמנה אצל הבת כבת אצל אחין בנכסין מועטין
7 Demnach ist einem die Tochter bevorzugter als die Witwe, und [dem widersprechend] sagte ja R. Abba im Namen R. Joses, daß sie bei einem geringen Vermögendas Verhältnis von Witwe und Tochter dem von Tochter und Brüdern gleichgestellt haben:
ח מה הבת אצל אחין הבת ניזונת והאחין ישאלו על הפתחים אף אלמנה אצל הבת אלמנה ניזונת והבת תשאל על הפתחים לענין זילותא אלמנתו עדיפא ליה לענין הרווחה בתו עדיפא ליה
8 wie bei Tochter und Brüderndie Tochter zu unterhalten ist und die Brüder an den Türen betteln mögen, ebenso ist bei Witwe und Tochter die Witwe zu unterhalten und die Tochter mag an den Türen betteln!? – Hinsichtlich der Entwürdigung bevorzugt man seine Witwe, hinsichtlich des Überschusses bevorzugt man seine Tochter.
ט מתיב רב יוסף מעשה ידיה ומציאתה אע"פ שלא גבתה מת האב הרי הן של אחין טעמא דבחיי האב הא לאחר מיתת האב לעצמה מאי לאו בניזונת לא בשאינה ניזונת
9 R. Joseph wandte ein: Ihre Händearbeit und ihr Fund, auch wenn sie sie noch nicht eingefordert hat, gehören, wenn der Vater gestorben ist, den Brüdern. Nur [aus der Zeit], wo der Vater noch lebte, [aus der Zeit] nach dem Tode des Vaters aber gehören sie ihr selber; doch wohl, wenn sie unterhalten wird!? – Nein, wenn sie nicht unterhalten wird. –
י אי בשאינה ניזונת מאי למימרא אפילו למ"ד יכול הרב לומר לעבד עשה עמי ואיני זנך ה"מ בעבד כנעני דלא כתיב ביה עמך
10 Wozu braucht dies, wenn sie nicht unterhalten wird, gelehrt zu werden!? Selbst nach demjenigen, welcher sagt, der Herr könne zu seinem Sklaven sagen, arbeite bei mir und ich ernähre dich nicht, gilt dies nur von einem kenaa͑nitischen Sklaven, von dem es nicht<i>mit dir</i> heißt,
יא אבל עבד עברי דכתיב ביה (דברים טו, יג) עמך לא כל שכן בתו
11 nicht aber von einem hebräischen Sklaven, von dem es <i>mit dir</i> heißt, und um so weniger von einer Tochter.
יב אמר רבה בר עולא לא נצרכה אלא להעדפה אמר רבא גברא רבה כרב יוסף לא ידע דאיכא העדפה וקמותיב תיובתא
12 Rabba b. U͑la erwiderte: Dies ist wegen des Überschussesnötig. Raba sprach: Ein so bedeutender Mann wie R. Joseph sollte nicht gewußt haben, daß es sich um den Überschuß handeln kann, und einen solchen Einwand erheben!? –
יג אלא אמר רבא רב יוסף מתני' גופא קשיא ליה דקתני מעשה ידיה ומציאתה אע"פ שלא גבתה מציאתה ממאן גביא
13 Vielmehr, erklärte Raba, richtete R. Joseph einen Einwand aus unserer Mišna selbst; diese lehrt, ihre Händearbeit und ihr Fund, auch wenn sie sie noch nicht eingefordert hat. Von wem ist denn ein Fund einzufordern?
יד אלא לאו הכי קאמר מעשה ידיה כמציאתה מה מציאתה בחיי האב לאב לאחר מיתת האב לעצמה אף מעשה ידיה נמי בחיי האב לאב לאחר מיתת האב לעצמה ש"מ
14 Wahrscheinlich ist dies wie folgt zu verstehen: ihre Händearbeit gleicht ihrem Funde; wie ihr Fund bei Lebzeiten des Vaters ihrem Vater und nach dem Tode ihres Vaters ihr selbergehört, ebenso gehört ihre Händearbeit bei Lebzeiten ihres Vaters ihrem Vater und nach dem Tode ihres Vaters ihr selber. Schließe hieraus.
טו איתמר נמי א"ר יהודה אמר רב בת הניזונת מן האחין מעשה ידיה לעצמה אמר רב כהנא מ"ט דכתיב (ויקרא כה, מו) והתנחלתם אותם לבניכם אחריכם אותם לבניכם ולא בנותיכם לבניכם מגיד שאין אדם מוריש זכות בתו לבנו
15 Es wurde auch gelehrt: R. Jehuda sagte im Namen Rabhs: Die Händearbeit der Tochter, die von den Brüdern unterhalten wird, gehört ihr selber. R. Kahana sagte: Dies aus folgendem Grunde; es heißt:<i>ihr sollt sie euren Söhnen nach euch vererben,</i> sie euren Söhnen, nicht aber eure Töchter euren Söhnen; dies besagt, daß niemand das Anrecht seiner Tochter seinem Sohne vererben könne.
טז מתקיף לה רבה ואימא בפיתוי הבת וקנסות וחבלות הכתוב מדבר וכן תנא רב חנינא בפתוי הבת וקנסות וחבלות הכתוב מדבר
16 Rabba wandte ein: Vielleicht spricht die Schrift von [der Zahlung wegen] Verführung, der Geldbuße und Verletzungsgeldern!? Ebenso lehrte R. Ḥanina, die Schrift spreche von [der Zahlung wegen] Verführung, der Geldbuße und Verletzungsgeldern. –
יז חבלות צערא דגופא נינהו אמר רבי יוסי בר חנינא
17 Die Verletzung ist ja ein ihr selber zugefügter Schmerz!? R. Jose b. R. Ḥanina erwiderte: