Ketubot 90

Kapitel 90

א אימור דשמעינן ליה לר"ש דאזיל אף בתר ידיעה דאזיל בתר ידיעה ולא אזיל בתר חטאה מי שמעת ליה א"כ לייתי קרבן כי דהשתא משוח פר ונשיא שעיר
1 Allerdings wissen wir von R. Šimo͑n, daß er sich auch nach dem Bewußtwerdenrichte, aber lehrt er etwa, daß man sich nur nach dem Bewußtwerdenund nicht nach der Sündenbegehung richte!? Wenn dem so wäre, müßten sie ja ein Opfer entsprechend ihrer jetzigen Stellung darbringen: der gesalbte [Hochpriester] einen Farren und der Fürst einen Ziegenbock. –
ב האמר ליה ר' יוחנן לתנא תני תידון בסקילה ואמאי נערה המאורסה אמר רחמנא והא בוגרת היא א"ר אילעא אמר קרא הנערה הנערה שהיתה כבר
2 R. Joḥanan sagte ja zum [vortragenden] Jünger, es sei zu lesen: so ist sie durch Steinigung hinzurichten. – Weshalb denn, der Allbarmherzige spricht von einem verlobten Mädchen, und diese ist ja mannbar!? R. Ilea͑ erwiderte: Die Schrift sagt: <i>das Mädchen</i>, die vorher Mädchen war.
ג א"ל רבי חנניא לרבי אילעא אי הכי מילקא נמי לילקי ומאה סלע נמי לישלם א"ל רחמנא ניצלן מהאי דעתא אדרבה רחמנא ניצלן מדעתא דידך
3 R. Ḥananja sprach zu R. Ilea͑: Demnach sollte er auch gegeißelt werden und die hundert Sela͑ zahlen!? Dieser erwiderte: Der Allbarmherzige bewahre uns vor einer solchenAnsicht! – Im Gegenteil, der Allbarmherzige bewahre uns vor deiner Ansicht. –
ד וטעמא מאי אמר רבי יצחק בר אבין ואיתימא רבי יצחק בר אבא זו מעשיה גרמו לה וזה עקימת שפתיו גרמו לו זו מעשיה גרמו לה כשהיא זנאי נערה זנאי וזה עקימת שפתיו גרמו לו אימת קא מיחייב ההיא שעתא וההיא שעתא בוגרת הואי
4 Was ist wirklich der Grund? R. Jiçḥaq b. Abin, nach anderen R. Jiçḥaq b. Abba, erwiderte: Bei ihr erfolgt [die Bestrafung] wegen einer Handlung, bei ihm aber erfolgt sie wegen einer Bewegungder Lippen. Bei ihr erfolgt sie wegen einer Handlung, und bei Begehung der Unzucht befand sie sich im Mädchenalter; bei ihm erfolgt sie wegen einer Bewegung seiner Lippen, wegen welcher er erst dann strafbar wurde, als sie bereits mannbar war.
ה ת"ר נערה המאורסה שזינתה סוקלין אותה על פתח בית אביה אין לה פתח בית האב סוקלין אותה על פתח שער העיר ההיא ובעיר שרובה עובדי כוכבים סוקלין אותה על פתח בית דין כיוצא בדבר אתה אומר העובד עבודת כוכבים סוקלין אותו על שער שעבד בו ובעיר שרובה עובדי כוכבים סוקלין אותו על פתח בית דין
5 Die Rabbanan lehrten: Wenn eine Verlobte im Mädchenalter gehurt hat, so steinige man sie an der Tür ihres Vaterhauses; hat sie keine Tür des Vaterhauses, so steinige man sie an der Pforte des Stadttores, und in einer Stadt, deren Mehrheit aus Nichtjuden besteht, an der Pforte des Gerichtshofes. Desgleichen steinige man den Götzenanbeter an der Pforte [der Stadt], in der er den Götzendienst begangen hat, und in einer Stadt, deren Mehrheit aus Nichtjuden besteht, an der Pforte des Gerichtshofes. Woher dies? –
ו מנא הני מילי דתנו רבנן שעריך זה שער שעבד בו אתה אומר שער שעבד בו או אינו אלא שער שנידון בו
6 Die Rabbanan lehrten:<i>Deine Tore,</i> das Tor, innerhalb dessen er den Götzendienst begangen hat. Du sagst, das Tor, innerhalb dessen er den Götzendienst begangen hat, vielleicht ist dem nicht so, sondern das Tor, innerhalb dessen er gerichtet wird?
ז נאמר שעריך למטה ונאמר שעריך למעלה מה שעריך האמור למעלה שער שעבד בו אף שעריך האמור למטה שער שעבד בו
7 Untenheißt es <i>deine Tore</i> und obenheißt es <i>deine Tore,</i> wie oben unter <i>Tor</i> das Tor zu verstehen ist, innerhalb dessen er den Götzendienst begangen hat, ebenso ist unten unter <i>Tor</i> das Tor zu verstehen, innerhalb dessen er den Götzendienst begangen hat.
ח דבר אחר שעריך ולא שערי עובדי כוכבים האי שעריך הא אפיקתיה אם כן לימא קרא שער מאי שעריך שמע מינה תרתי
8 Eine andere Auslegung: <i>Deine Tore,</i> nicht aber Tore der Nichtjuden. – Du hast ja [das Wort] <i>Tore</i> bereits ausgelegt!? – Die Schrift könnte ja <i>Tor</i> sagen, wenn es aber <i>deine Tore</i> heißt, so ist beides zu entnehmen. –
ט אשכחן עבודת כוכבים נערה המאורסה מנא לן
9 Wir wissen dies vom Götzendienste, woher dies von der verlobten Jungfrau?
י א"ר אבהו גמר פתח מפתח ופתח משער ושער משעריך
10 R. Abahu erwiderte: es ist durch [die Worte] <i>Tür, Tür, Tor</i> und <i>deine Tore</i> zu folgern.
יא תנו רבנן המוציא שם רע לוקה ונותן מאה סלע רבי יהודה אומר ללקות לוקה מכל מקום מאה סלע בעל נותן לא בעל אינו נותן
11 Die Rabbanan lehrten: Wer ein übles Gerücht ausbringt, ist zu geißeln und hat die hundert Sela͑ zu zahlen. R. Jehuda sagt, zu geißeln sei er auf jeden Fall, die hundert Sela͑ aber habe er nur dann zu zahlen, wenn er ihr beigewohnt hat, nicht aber, wenn er ihr nicht beigewohnt hat.
יב קא מיפלגי בפלוגתא דרבי אליעזר בן יעקב ורבנן והכי קאמר המוציא שם רע לוקה ונותן מאה סלע בין בעל בין שלא בעל כרבנן ר' יהודה אומר ללקות לוקה מ"מ מאה סלע בעל נותן לא בעל אינו נותן כר"א בן יעקב
12 Sie führen denselben Streit wie R. Elie͑zer b. Jaqobund die Rabbanan, und dies ist wie folgt zu verstehen: Wer ein übles Gerücht ausbringt, ist zu geißeln und hat die hundert Sela͑ zu zahlen, einerlei ob er ihr beigewohnt hat oder nicht, nach den Rabbanan. R. Jehuda sagt, zu geißeln sei er auf jeden Fall, die hundert Sela͑ aber habe er nur dann zu zahlen, wenn er ihr beigewohnt hat, nicht aber, wenn er ihr nicht beigewohnt hat, nach R. Elie͑zer b. Ja͑qob.
יג איכא דאמרי כולה כרבי אליעזר בן יעקב והכי קאמר המוציא שם רע לוקה ונותן מאה סלע והוא שבעל רבי יהודה אומר ללקות לוקה מ"מ
13 Manche sagen, beide nach R. Elie͑zer b. Ja͑qob, und dies sei wie folgt zu verstehen: Wer ein übles Gerücht ausbringt, ist zu geißeln und hat die hundert Sela͑ zu zahlen, nur wenn er ihr beigewohnt hat. R. Jehuda sagt, zu geißeln sei er auf jeden Fall. –
יד וסבר רבי יהודה ללקות לוקה מ"מ והתניא רבי יהודה אומר בעל לוקה לא בעל אינו לוקה אמר רב נחמן בר יצחק לוקה מכת מרדות מדרבנן
14 Ist denn R. Jehuda der Ansicht, er sei auf jeden Fall zu geißeln, es wird ja gelehrt: R. Jehuda sagt, hat er ihr beigewohnt, sei er zu geißeln, hat er ihr nicht beigewohnt, sei er nicht zu geißeln!? R. Naḥman b. Jiçḥaq erwiderte: Er erhält die Widerspenstigkeitsgeißelung, rabbanitisch.