Kiddushin 69

Kapitel 69

א ולרבי יוחנן בן ברוקא דאמר על שניהם הוא אומר (בראשית א, כח) ויברך אותם אלהים פרו ורבו מאי איכא למימר משום דהוה ת"ת ופדיון הבן שני כתובים הבאים כאחד וכל שני כתובים הבאים כאחד אין מלמדין
1 Wie ist es aber nach R. Joḥanan b. Beroqa zu erklären, welcher sagt, auf beide beziehe sich der Schriftvers: <i>Gott segnete sie &amp;c. seid fruchtbar und mehret</i> <i>euch</i>!? – Vom Studium der Tora und von der Auslösung des [erstgeborenen] Sohnes lehren zwei Schriftverse dasselbe, und wenn zwei Schriftverse dasselbe lehren, so ist von diesen nichts zu folgern. –
ב ולרבי יוחנן בן ברוקא נמי ניהוו פריה ורביה ומורא שני כתובים הבאים כאחד ואין מלמדין צריכי דאי כתב רחמנא מורא ולא כתב פריה ורביה הוה אמינא וכבשוה אמר רחמנא איש דדרכו לכבש אין אשה דאין דרכה לכבש לא
2 Sollten doch nach R. Joḥanan b. Beroqa Fortpflanzung und Ehrfurcht als zwei Schriftverse gelten, die dasselbe lehren, von denen nichts zu folgern ist!? – Beide sind nötig. Würde der Allbarmherzige es nur von der Ehrfurcht und nicht von der Fortpflanzung geschrieben haben, so könnte man glauben, das Wort <i>bezwingen</i>, das der Allbarmherzige hierbei gebraucht, besage, daß dies nur vom Manne gelte, dem das Bezwingen eigen ist, nicht aber von der Frau, der das Bezwingen nicht eigen ist.
ג ואי כתב פריה ורביה ולא כתב מורא ה"א איש דסיפק בידו לעשות אין אשה דאין סיפק בידה לעשות לא וכיון דאין סיפק בידה לעשות לא תתחייב כלל צריכא
3 Und würde er es nur von der Fortpflanzung und nicht von der Ehrfurcht geschrieben haben, so könnte man glauben, dies gelte nur vom Manne, der in der Ausführung unbehindert ist, die Frau aber, die in der Ausführung nicht unbehindert ist, sei dazu überhaupt nicht verpflichtet. Daher ist beides nötig. –
ד הניחא למ"ד שני כתובים הבאים כאחד אין מלמדין אלא למ"ד מלמדין מאי איכא למימר אמר רבא פפונאי ידעי לה לטעמא דהא מילתא
4 Allerdings nach demjenigen, welcher sagt, von zwei Schriftversen, die dasselbe lehren, sei nichts zu folgern, wie ist es aber nach demjenigen zu erklären, welcher sagt, es sei wohl zu folgern!? Raba erwiderte: Ein Papunäer weiß dies zu erklären,
ה ומנו רב אחא בר יעקב אמר קרא (שמות יג, ט) והיה לך לאות על ידך ולזכרון בין עיניך למען תהיה תורת ה' בפיך הוקשה כל התורה כולה לתפילין מה תפילין מ"ע שהזמן גרמא ונשים פטורות אף כל מ"ע שהזמן גרמא נשים פטורות ומדמצות עשה שהזמן גרמא נשים פטורות מכלל דמ"ע שלא הזמן גרמא נשים חייבות
5 das ist R. Aḥa b. Ja͑qob. Die Schrift sagt: <i>es soll dir ein Merkmal an deiner Hand und eine Erinnerung zwischen deinen Augen sein, damit die Lehre des Herrn in deinem Munde sei</i>; die ganze Tora wird mit den Tephillin verglichen; wie die Tephillin ein von einer festgesetzten Zeit bedingtes Gebot sind, und Frauen davon frei sind, ebenso sind Frauen von allen anderen von einer festgesetzten Zeit bedingten Geboten frei. Ferner sind Frauen, da sie von von einer festgesetzten Zeit bedingten Geboten befreit worden sind, zu von einer festgesetzten Zeit nicht bedingten Geboten verpflichtet. –
ו הניחא למ"ד תפילין מ"ע שהזמן גרמא אלא למ"ד תפילין מ"ע שלא הזמן גרמא מאי איכא למימר מאן שמעת ליה דאמר תפילין מ"ע שלא הזמן גרמא ר' מאיר וסבר לה שני כתובים הבאים כאחד וכל שני כתובים הבאים כאחד אין מלמדין
6 Allerdings nach demjenigen, welcher sagt, die Tephillin seien ein von einer festgesetzten Zeit bedingtes Gebot, wie ist es aber nach demjenigen zu erklären, welcher sagt, die Tephillin seien ein von einer festgesetzten Zeit nicht bedingtes Gebot!? – Derjenige, welcher sagt, die Tephillin seien ein von einer festgesetzten Zeit nicht bedingtes Gebot, ist R. Meír, und er ist der Ansicht, von zwei Schriftversen, die dasselbe lehren, sei nichts zu folgern. –
ז ולר' יהודה דאמר שני כתובים הבאים כאחד מלמדין ותפילין מ"ע שלא הזמן גרמא מא"ל משום דהואי מצה שמחה והקהל שלשה כתובים הבאים כאחד ושלשה כתובים הבאים כאחד אין מלמדין
7 Wie ist es aber nach R. Jehuda zu erklären, welcher sagt, von zwei Schriftversen, die dasselbe lehren, sei zu folgern, und die Tephillin seien ein von einer festgesetzten Zeit nicht bedingtes Gebot!? – Ungesäuertes, Festfreude und Versammlung sind drei Schriftverse, die dasselbe lehren, und wenn drei Schriftverse dasselbe lehren, so ist von diesen nichts zu folgern.
ח וכל מצות לא תעשה וכו' מנהני מילי אמר רב יהודה אמר רב וכן תנא דבי ר' ישמעאל אמר קרא (במדבר ה, ו) איש או אשה כי יעשו מכל חטאת האדם השוה הכתוב אשה לאיש לכל עונשים שבתורה
8 A<small>LLE</small> V<small>ERBOTE ABER &amp;C</small>. Woher dies? R. Jehuda erwiderte im Namen Rabhs, und ebenso wurde es in der Schule R. Jišma͑éls gelehrt: Die Schrift sagt: <i>wenn ein Mann oder eine Frau irgend eine Sünde der Menschen begeht</i>; die Schrift hat damit die Frau dem Manne hinsichtlich aller Strafgesetze der Tora gleichgestellt.
ט דבי רבי אליעזר תנא אמר קרא (שמות כא, א) אשר תשים לפניהם השוה הכתוב אשה לאיש לכל דינים שבתורה דבי חזקיה תנא אמר קרא (שמות כא, כט) והמית איש או אשה השוה הכתוב אשה לאיש לכל מיתות שבתורה
9 In der Schule R. Elie͑zers wurde gelehrt: Die Schrift sagt: <i>die du ihnen vorlegen sollst</i>; die Schrift hat damit die Frau dem Manne hinsichtlich aller Zivilgesetze der Tora gleichgestellt. In der Schule Ḥizqijas wurde gelehrt: Die Schrift sagt: <i>und einen Mann oder eine Frau tötet</i>; die Schrift hat damit die Frau dem Manne hinsichtlich aller Todesarten der Tora gleichgestellt.
י וצריכא דאי אשמעינן הך קמייתא משום כפרה חס רחמנא עלה אבל דינין אימא איש דבר משא ומתן אין אשה לא
10 Und [all diese Schriftverse] sind nötig. Würde er nur den ersten gelehrt haben, so könnte man glauben, der Allbarmherzige habe sie geschont, damit sie Sühne erlange, das Zivilgesetz aber gelte nur für den Mann, der Handel treibt, nicht aber für die Frau.
יא ואי אשמועינן הא משום דחיותה היא אבל כופר אימא
11 Würde er es nur von diesem gelehrt haben, so könnte man glauben, wegen ihres Unterhaltes, das Gesetz vom Lösegelde aber gelte