Pesachim 71

Kapitel 71

א האוכל נבלה ביום הכפורים פטור
1 Wer [versehentlich] am Versöhnungstage Aas gegessen hat, ist frei.
ב רבינא אמר אפילו תימא רבנן מי שאיסורו משום בל תאכל חמץ בלבד יצא זה שאין איסורו משום בל תאכל חמץ בלבד אלא אף משום בל תאכל טבל
2 Rabina sagte: Du kannst auch sagen, nach den Rabbanan, denn [man genügt seiner Pflicht] nur mit dem, was nur als Gesäuertes verboten ist, ausgenommen dieses, das nicht nur als Gesäuertes, sondern auch als Unverzehntetes verboten ist. –
ג מידי בלבד כתיב אלא מחוורתא כדרב ששת
3 Heißt es denn hierbei nur’!? – Am richtigsten ist vielmehr die Erklärung R. Šešeths.
ד ת"ר יכול יוצא אדם ידי חובתו במעשר שני בירושלים ת"ל (דברים טז, ג) לחם עוני מה שנאכל באנינות יצא זה שאינו נאכל באנינות אלא בשמחה דברי ר' יוסי הגלילי
4 Die Rabbanan lehrten: Man könnte glauben, man genüge in Jerušalem seiner Pflicht [des Ungesäuerten] mit dem zweiten Zehnten, so heißt es:<i>Brot des Elends</i>, das in Trauer gegessen werden darf, ausgenommen dieser, der in Trauernicht gegessen werden darf, sondern nur in Freude – so R. Jose der Galiläer.
ה ר' עקיבא אומר מצות מצות ריבה אם כן מה ת"ל לחם עוני פרט לעיסה שנילושה ביין ושמן ודבש
5 R. A͑qiba sagt, die Wiederholung [des Wortes] <i>Ungesäuertes</i> schließe auch solchen ein, und nur deshalb heißt es <i>Brot des Elends</i>, um Teig auszuschließen, der mit Wein, Öl oder Honig geknetet wurde. –
ו מאי טעמא דר' עקיבא מי כתיב לחם עוני עני כתיב
6 Was ist der Grund R. A͑qibas? – Es heißt ja nicht <i>o͑ni</i>, sondern <i>o͑ni</i>. –
ז ור' יוסי הגלילי מי קרינן עני עוני קרינן ור' עקיבא האי דקרינן ביה עוני כדשמואל דאמר שמואל לחם עוני לחם שעונין עליו דברים הרבה
7 Und R. Jose der Galiläer!? – Wir lesen ja nicht <i>o͑ni</i>, sondern <i>o͑ni. –</i> Und R. A͑qiba!?– Die Lesart <i>o͑ni</i> deutet auf eine Lehre Šemuéls, denn Šemuél sagte: <i>Brot des Elends</i> [<i>o͑ni</i>], Brot, worüber man viele Worte spricht [o͑nin]. –
ח וסבר ר"ע עיסה שנילושה ביין ושמן ודבש לא והתניא אין לשין עיסה בפסח ביין ושמן ודבש ואם לש רבן גמליאל אומר תשרף מיד וחכמים אומרים יאכל ואמר רבי עקיבא שבתי היתה אצל רבי אליעזר ורבי יהושע ולשתי להם עיסה ביין ושמן ודבש ולא אמרו לי דבר
8 R. A͑qiba ist also der Ansicht, nicht mit Teig, der mit (Milch), Wein, Öl oder Honig geknetet wurde; es wird ja aber gelehrt: Man darf am Pesaḥfeste keinen Teig mit Wein, Öl oder Honig kneten; hat man geknetet, so ist er, wie R. Gamliél sagt, sofort zu verbrennen; die Weisen sagen, er dürfe gegessen werden. Hierzu erzählte R. A͑qiba: Als ich meine Woche bei R. Elie͑zer und R. Jehošua͑ hatte, knetete ich für sie Teig mit Wein, Öl und Honig, und sie sagten dazu nichts.
ט ואף על פי שאין לשין מקטפין בו אתאן לתנא קמא וחכמים אומרים את שלשין בו מקטפין בו ואת שאין לשין בו אין מקטפין בו ושוין שאין לשין את העיסה בפושרין
9 Und obgleich man ihn damit nicht kneten darf, so darf man ihn damit betupfen. Dies nach dem ersten Tanna. Die Weisen sagen, womit man kneten darf, dürfe man auch betupfen, und womit man nicht kneten darf, dürfe man auch nicht betupfen. Sie stimmen überein, daß man keinen Teig mit warmem Wasser kneten dürfe!? –
י לא קשיא הא ביום טוב ראשון הא ביום טוב שני
10 Das ist kein Einwand; das eine gilt vom ersten Festtage und das andere vom zweiten Festtage.
יא כדאמר להו ר' יהושע לבניה יומא קמא לא תלושו לי בחלבא מכאן ואילך לושו לי בחלבא והתניא אין לשין את העיסה בחלב ואם לש כל הפת אסורה מפני הרגל עבירה אלא הכי קאמר יומא קמא לא תלושו לי בדובשא מכאן ואילך לושו לי בדובשא
11 So sprach auch R. Jehošua͑ [b. Levi] zu seinen Söhnen: Am ersten Tage knetet mir nicht mit Milch, von dann ab knetet mir mit Milch.– Es wird ja aber gelehrt, daß man nicht Teig mit Milch kneten dürfe, und wenn man geknetet hat, das ganze Brot verboten sei, wegen der Veranlassung zu einer Übertretung!? – Er sagte vielmehr, wie folgt: am ersten Tage knetet mir nicht mit Honig, von dann ab knetet mir mit Honig.
יב ואיבעית אימא לעולם בחלבא כדאמר רבינא כעין תורא שרי הכא נמי כעין תורא:
12 Wenn du willst, sage ich, er habe tatsächlich von Milch gesprochen, denn wie Rabina gesagt hat, in [der Größe] eines Ochsenauges sei es erlaubt, so sprach auch er von [der Größe] eines Ochsenauges.
יג ושוין שאין לשין את העיסה בפושרין: מאי שנא ממנחות דתנן כל המנחות נילושות בפושרין (ומשתמרין) שלא יחמצו אם אמרו בזריזין יאמרו בשאין זריזין
13 «Sie stimmen überein, daß man keinen Teig mit warmem Wasser kneten dürfe.» Womit ist es hierbei anders, als bei den Speisopfern, von denen wir gelernt haben, sämtliche Speisopfer werden mit warmem Wasser geknetet, und man passe auf, daß sie nicht säuern!? – Wenn sie es von den aufmerksamen [Priestern] gesagt haben, sollte es auch von Unaufmerksamen gelten!? –
יד אי הכי מילתת נמי לתית אלמה אמר רבי זירא אמר רבה בר ירמיה אמר שמואל חיטין של מנחות אין לותתין אותה לישה בזריזין איתא לתיתה ליתא בזריזין
14 Demnach sollte man [den Weizen] auch anfeuchten dürfen, weshalb sagte nun R. Zera im Namen des Rabba b. Jirmeja im Namen Šemuéls, daß man den Weizen zu den Speisopfern nicht anfeuchtete!? – Das Kneten erfolgt durch die aufmerksamen [Priester], das Anfeuchten erfolgt nichtdurch die Aufmerksamen. –
טו ולישה מי איתא בזריזין והכתיב (ויקרא ב, א) ויצק עליה שמן וגו' והביאה אל הכהן מקמיצה ואילך מצות כהונה לימד על יציקה ובלילה שכשירה בכל אדם
15 Erfolgt denn das Kneten durch die Aufmerksamen, es heißt ja:<i>er soll Öl darüber gießen &amp;c. und es zum Priester bringen</i>; vom Abheben der Handvoll ab muß es durch die Priesterschaft geschehen, das Gießen und das Umrühren kann durch jeden erfolgen!? –
טז לישה נהי דבזריזין ליתא במקום זריזין איתא דאמר מר בלילה כשירה בזר חוץ לחומת עזרה פסולה לאפוקי לתיתה דאינה בזריזין ולא במקום זריזין
16 Zugegeben, daß das Kneten nicht durch die Aufmerksamen zu erfolgen braucht, aber es erfolgt im Bereiche der Aufmerksamen, denn der Meister sagte, das Umrühren dürfe durch einen Gemeinen erfolgen, jedoch sei es untauglich, wenn es außerhalb der Vorhofmauer erfolgt, während das Anfeuchten weder durch die Aufmerksamen noch im Bereiche der Aufmerksamen erfolgt. –
יז ומאי שנא ממנחת העומר דתניא מנחת העומר לותתין אותה וצוברין אותה ציבור שאני
17 Womit ist es [bei anderen] anders als beim Speisopfer der Schwingegarbe, von dem gelehrt wird, [der Weizen zum] Speisopfer der Schwingegarbe werde angefeuchtet und zusammengehäuft!? – Anders ist es bei einem Gemeindeopfer.
יח תנו רבנן יכול יוצא אדם ידי חובתו בבכורים תלמוד לומר (שמות יב, כ) בכל מושבותיכם תאכלו מצות מצה הנאכלת בכל מושבותיכם יצאו בכורים שאין נאכלין בכל מושבותיכם אלא בירושלים דברי רבי יוסי הגלילי
18 Die Rabbanan lehrten: Man könnte glauben, man genüge seiner Pflicht mit [Ungesäuertem von] den Erstlingen, so heißt es:<i>in all eueren Wohnorten sollt ihr Ungesäuertes essen</i>, nur Ungesäuertes, das in allen Wohnorten gegessen werden darf, ausgenommen die Erstlinge, die nicht in allen Wohnorten, sondern nur in Jerušalem gegessen werden dürfen – so R. Jose der Galiläer.
יט רבי עקיבא אומר מצה ומרור מה מרור שאינו בכורים אף מצה שאינה בכורים אי מה מרור שאין במינו בכורים אף מצה שאין במינה בכורים
19 R. A͑qiba sagte: Das Ungesäuerte [gleicht dem] Bitterkraute, wie beim Bitterkraute das Gesetz von den Erstlingen keine Geltunghat, ebenso Ungesäuertes, das nicht von den Erstlingen ist. – Demnach sollte, wie das Bitterkraut zu einer Art gehört, bei der das Gesetz von den Erstlingen keine Geltung hat, auch das Ungesäuerte nur aus einer Art [bereitet werden], bei der das Gesetz von den Erstlingen keine Geltung hat,