Pesachim 79

Kapitel 79

א תרי חיטי בהדי הדדי דילמא אזלא חדא ויתבה בציריא דחברתה ולא סליק להו דיקולא דמיא מארבע רוחתא ואתי לידי חימוץ
1 Man darf nicht zwei Weizenkörner zusammen brühen, denn wenn das eine in der Spalte des anderen sitzen bleibt, kommt der Dampf des Wassers nicht auf alle (vier) Seiten, und es könnte sauern.
ב ואמר אביי לא ליחרוך איניש תרי שבולי בהדי הדדי דילמא נפקי מיא מהאי ובלע אידך ואתיא לידי חימוץ אמר לי' רבא א"ה אפילו חדא נמי דילמא נפיק מהאי רישא ובלע אידך רישא אלא אמר רבא מי פירות נינהו ומי פירות אינן מחמיצין
2 Auch sagte Abajje: Man darf nicht zwei Ähren zusammen rösten, denn die eine könnte das Wasser, das die andere ausstößt, auf saugen und dadurch sauern. Raba sprach zu ihm: Demnach auch eine [nicht], denn die eine Seite könnte [Wasser] ausstoßen und die andere Seite es aufsaugen!? Vielmehr, sagte Raba, es ist Fruchtsaft, und Fruchtsaft säuert nicht.
ג והדר ביה אביי מההיא דכל אגב מדלייהו לא מחמצי דאמר אביי האי חצבא דאבישנ' סחיפא שרי זקיפא אסור רבא אמר אפילו זקיפא נמי שרי מי פירות נינהו ומי פירות אינן מחמיצין
3 Und auch Abajje ist davon abgekommen, denn nichts säuert während der Bewegung. Abajje sagte nämlich, wenn das Röstgefäß [beim Rösten] liegt, seien [die gerösteten Ähren] erlaubt, wenn es steht, seien sie verboten. Raba aber sagte, sie seien erlaubt, auch wenn es steht, denn esist Fruchtsaft, und Fruchtsaft säuert nicht.
ד ת"ר אין לותתין שעורין בפסח ואם לתת נתבקעו אסורות לא נתבקעו מותרות
4 Die Rabbanan lehrten: Man darf am Pesaḥfeste keine Gerstenkörner anfeuchten, hat man sie angefeuchtet, so sind sie, wenn sie aufplatzen, verboten, und wenn sie nicht aufplatzen, erlaubt.
ה ר' יוסי אומר שורן בחומץ וחומץ צומתן אמר שמואל אין הלכה כר' יוסי
5 R. Jose sagt, man weiche siein Essig ein, und durch den Essig schrumpfen sie zusammen. Šemuél sagte: Die Halakha ist nicht wie R. Jose.
ו א"ר חסדא אמר מר עוקבא לא נתבקעו ממש אלא כל שאילו מניחן על פי חבית והן נתבקעות מאיליהן ושמואל אמר נתבקעו ממש עבד שמואל עובדא בדורא דבי בר חשו נתבקעו ממש
6 R. Ḥisda sagte im Namen Mar U͑qabas: Nicht nur, wenn sie tatsächlich aufplatzen, sondern auch wenn sie von selbst auf platzen, falls man sie über der Mündung eines Fasseshält. Šemuél sagte: Nur wenn sie tatsächlich aufplatzen. Šemuél traf im Dorfe des Bar Ḥašu eine Entscheidung: nur wenn sie tatsächlich aufplatzen.
ז אמר רבה בעל נפש לא ילתות מאי איריא בעל נפש אפילו כולי עלמא נמי דהא תניא אין לותתין שעורין בפסח הכי קאמר בעל נפש אפי' חיטין דשרירי לא ילתות
7 Rabba sagte: Ein Mann von Seelefeuchte keine an. – Wieso nur ein Mann von Seele, dies gilt ja auch von jedem anderen, denn es wird gelehrt, man dürfe am Pesaḥfeste keine Gerste anfeuchten!? – Er meint es wie folgt: ein Mann von Seele darf sogar keinen harten Weizen anfeuchten.
ח א"ל ר"נ מאן דציית ליה לאבא אכיל נהמא דעיפושא דהא בי רב הונא לתתי ובי רבא בר אבין לתתי ורבא אמר אסור ללתות
8 R. Naḥman sprach zu ihm: Wer Abba gehorchen will, mag schimmliges Brot essen. Im Hause R. Honas feuchteten sie an, ebenso auch im Hause des Raba b. Abin. Raba aber sagte, man dürfe nicht anfeuchten. –
ט אלא הא דתניא אין לותתין שעורין בפסח שעורין הוא דלא הא חיטי שרי לא מיבעי' קאמר לא מיבעיא חיטין כיון דאית ביה ציריא עיילי בהו מיא אבל שערי דשיעי אימא שפיר דמי קמ"ל
9 Es wird ja aber gelehrt, man dürfe am Pesaḥfeste keine Gerste anfeuchten; nur keine Gerste, wohl aber Weizen!? – Von diesem ist es selbstverständlich; selbstverständlich [keinen] Weizen, da die Körner Spalten haben und das Wasser eindringt, man könnte aber glauben, Gerste wohl, da die Körner glatt sind, so lehrt er uns.
י הדר אמר רבא מותר ללתות דתניא יוצאין בפת נקיה והדראה ואי אפשר נקיה בלא לתיתה
10 Später aber sagte Raba, man dürfe sie wohl anfeuchten, denn es wird gelehrt, daß man seiner Pflicht mit Feinbrot und Schrotbrot genüge, und ohne Anfeuchtung ist kein Feinbrot möglich.
יא איתיביה רב פפא לרבא הקמחין והסלתות של נכרים של כפרים טהורים ושל כרכין טמאין
11 R. Papa wandte gegen Raba ein: Grobes Mehl oder feines Mehl der Nichtjuden ist, wenn es Dörflinge sind, rein, und wenn es Städter sind, verunreinigungsfähig.
יב דכפרים מ"ט לאו משום דלא לתתי וקא קרי ליה סולת
12 Das [Mehl] der Dörflinge ist wohl deswegen nicht [verunreinigungsfähig], weil diese es nicht anfeuchten, dennoch nennt er es ‘feines Mehl’!? –
יג תרגומא אקמחא בתר דנפיק אמר מ"ט לא אימא ליה מהא דאמר רבי זירא אמר רב ירמיה אמר שמואל חיטין של מנחות אין לותתין אותם וקא קרי להו סולת
13 Dies ist auf grobes Mehl zu beziehen. Nachdem dieser fortgegangen war, sprach jener: Ich sollte ja gegen ihn einen Einwand erhoben haben aus der Lehre, die R. Zera im Namen des Rabbab. Jirmeja im Namen Šemuéls lehrte, daß man den Weizen der Speisopfer nicht anfeuchte; dennoch heißt es ‘feines Mehl’.
יד הדר אמר רבא מצוה ללתות שנאמר (שמות יב, יז) ושמרתם את המצות אי לא דבעי לתיתה שימור למאי אי שימור דלישה שימור דלישה לאו שימור הוא
14 Später sagte Raba: Es ist Gebot, [den Weizen] anzufeuchten, denn es heißt:<i>ihr sollt das Ungesäuerte hüten</i>; welche Behütung, wenn keine Anfeuchtung erforderlich wäre: wenn die Behütung beim Kneten, so ist ja die Behütung beim Kneten bedeutungslos,
טו דאמר רב הונא בצקות של נכרים אדם ממלא כריסו מהן ובלבד שיאכל כזית מצה באחרונה באחרונה אין בראשונה לא
15 denn R. Hona sagte, daß man mit [Ungesäuertem vom] Teig eines Nichtjuden den Bauch füllen könne, nur müsse man nachher eine Olive Ungesäuertes essen; nur mit dem Stücke nachher, mit dem Vorherigen aber nicht,
טז מ"ט משום דלא עבד בהו שימור ולעביד ליה שימור מאפייה ואילך אלא לאו שמע מינה שימור מעיקרא בעינן
16 wohl deshalb, weil es nicht behütet wurde. Man könnte es ja vom Backen ab behüten? Vielmehr ist hieraus zu entnehmen, daß die Behütung vorher erfolgen muß. –
יז וממאי דילמא שאני התם דבעידנא דנחית לשימור לא עבד לה שימור אבל היכא דבעידנא דנחית לשימור עביד לה שימור הכי נמי דשימור דלישה הוי שימור
17 Wieso denn, vielleicht ist es da anders, weil es zur Zeit, wo die Behütung beginnensollte, nicht behütet worden ist, wenn man es aber behütet zur Zeit, wo die Behütung zu erfolgen hat, ist auch die Behütung beim Kneten gültig!?
יח ואפ"ה לא הדר ביה רבא דאמר להו להנהו דמהפכי כיפי כי מהפכיתו הפיכו לשום מצוה אלמא קסבר שימור מעיקרא מתחלתו ועד סופו בעינן
18 Dennoch trat Raba davon nicht zurück, denn er sagte zu den [Leuten], die die Garben wenden: Wendet sie zum Zwecke des Gebotesum. Demnach ist die Behütung vom Beginn bis zum Ende erforderlich.
יט מר בריה דרבינא
19 Für Mar, den Sohn Rabinas,