Sanhedrin 116

Kapitel 116

א אביו דומיא דאמו ואמו דומיא דאביו לא משכחת לה אלא באחווה
1 [die Auslegung von] <i>Vater</i> gleiche der von <i>Mutter</i> und die von <i>Mutter</i> gleiche der von <i>Vater</i>, und dies ist nur dann der Fall, wenn man es auf die Schwestern bezieht;
ב ורבי עקיבא מוטב לאוקמיה באשת אביו דאיקרי ערות אביו לאפוקי אחות אביו דשאר אביו איקרי ערות אביו לא איקרי
2 R. A͑qiba aber [ist der Ansicht], man beziehe es lieber auf die Frau des Vaters, bei der der Ausdruck ‘Scham des Vaters’ gebraucht wird, als auf die Schwester des Vaters, bei der der Ausdruck ‘Verwandte des Vaters’, nicht aber ‘Scham des Vaters’ gebraucht wird. —
ג ת"ש (שמות ו, כ) ויקח עמרם את יוכבד דודתו מאי לאו דודתו מן האם
3 Komm und höre: <i>Da nahm A͑mram seine Muhme Jokhebed</i>; doch wohl seine Muhme mütterlicherseits!? —
ד לא דודתו מן האב
4 Nein, seine Muhme väterlicherseits. —
ה ת"ש (בראשית כ, יב) וגם אמנה אחותי בת אבי היא אך לא בת אמי מכלל דבת האם אסורה
5 Komm und höre: <i>Übrigens ist sie wirklich meine Schwester, die Tochter meines Vaters, nur nicht die Tochter meiner Mutter</i>; demnach wäre ihm die Tochter seiner Mutter verboten!? —
ו ותסברא אחותו הואי בת אחיו הואי וכיון דהכי הוא לא שנא מן האב ולא שנא מן האם שריא אלא התם הכי קאמר ליה קורבא דאחות אית לי בהדה מאבא ולא מאמא
6 Du glaubst wohl, sie war seine Schwester, sie war ja die Tochter seines Bruders, somit war sie ihm erlaubt, einerlei ob [die Verwandtschaft] väterlicherseits oder mütterlicherseits war; vielmehr erzählte er ihm nur, daß er mit ihr in schwesterlicher Verwandtschaft stehe, väterlicherseits und nicht mütterlicherseits. —
ז ת"ש מפני מה לא נשא אדם את בתו כדי שישא קין את אחותו שנאמר (תהלים פט, ג) כי אמרתי עולם חסד יבנה הא לאו הכי אסירא
7 Komm und höre: Weshalb heiratete Adam nicht seine Tochter? Damit Qajin seine Schwester heirate, denn es heißt: <i>die Welt wird durch Gnade</i> <i>aufgebaut</i>. Sonst aber wäre sie ihm verboten!? —
ח כיון דאשתרי אשתרי
8 Da dies erlaubt worden ist, so blieb es dabei.
ט אמר רב הונא כותי מותר בבתו וא"ת מפני מה לא נשא אדם את בתו כדי שישא קין את אחותו משום עולם חסד יבנה
9 R. Hona sagte: Einem Nichtjuden ist seine Tochter erlaubt; wenn du aber einwenden wolltest, weshalb Adam nicht seine Tochter nahm, [so ist zu erwidern:] damit Qajin seine Schwester nehme, denn: <i>die Welt wird durch Gnade aufgebaut</i>.
י ואיכא דאמרי אמר רב הונא כותי אסור בבתו תדע שלא נשא אדם את בתו ולא היא התם היינו טעמא כדי שישא קין את אחותו משום דעולם חסד יבנה
10 Manche lesen: R. Hona sagte: Einem Nichtjuden ist seine Tochter verboten; dies ist daraus zu ersehen, daß Adam seine Tochter nicht nahm. Das ist aber nichts, denn dies geschah nur deshalb, damit Qajin seine Schwester nehme, denn: <i>die Welt wird durch Gnade aufgebaut</i>.
יא אמר רב חסדא עבד מותר באמו ומותר בבתו יצא מכלל כותי ולכלל ישראל לא בא
11 R. Ḥisda sagte: Einem Sklaven ist sowohl seine Mutter als auch seine Tochter erlaubt. Er ist aus der Gemeinschaft der Nichtjuden ausgeschieden, jedoch nicht in die Gemeinschaft der Jisraéliten gelangt.
יב כי אתא רב דימי אמר ר' אלעזר אמר ר' חנינא בן נח שייחד שפחה לעבדו ובא עליה נהרג עליה
12 Als R. Dimi kam, sagte er im Namen R. Elea͑zars im Namen R. Ḥaninas: Wenn ein Noaḥide eine Magd für seinen Sklaven bestimmt hat und sie beschläft, so wird er dieserhalb hingerichtet. —
יג מאימת אמר רב נחמן מדקראו לה רביתא דפלניא מאימת התרתה אמר רב הונא משפרעה ראשה בשוק
13 Von wann ab? R. Naḥman erwiderte: Wenn man sie dessen Mädchen nennt. — Wann wird sie wieder erlaubt? R. Hona erwiderte: Wenn sie ihren Kopf auf der Straße entblößt.
יד א"ר אלעזר א"ר חנינא בן נח שבא על אשתו שלא כדרכה חייב שנאמר (בראשית ב, כד) ודבק ולא שלא כדרכה
14 R. Elea͑zar sagte im Namen R. Ḥaninas: Wenn ein Noaḥide seine Frau auf widernatürliche Weise beschläft, so ist er strafbar, denn es heißt: <i>und schließe sich an</i>, nicht aber auf widernatürliche Weise.
טו אמר רבא מי איכא מידי דישראל לא מיחייב וכותי מיחייב
15 Raba wandte ein: Gibt es denn etwas, dessentwegen ein Jisraélit nicht strafbar wäre und ein Nichtjude wohl!?
טז אלא אמר רבא בן נח שבא על אשת חבירו שלא כדרכה פטור מאי טעמא באשתו ולא באשת חבירו ודבק ולא שלא כדרכה
16 Vielmehr, sagte Raba, wenn ein Noaḥide die Frau seines Nächsten auf widernatürliche Weise beschläft, so ist er straffrei. — Aus welchem Grunde? — <i>An seine Frau</i>, nicht aber an die Frau seines Nächsten; <i>und schließe sich an</i>, nicht aber auf widernatürliche Weise.
יז א"ר חנינא עובד כוכבים שהכה את ישראל חייב מיתה שנאמר (שמות ב, יב) ויפן כה וכה וירא כי אין איש [ויך את המצרי] וגו'
17 R. Ḥanina sagte: Wenn ein Nichtjude einen Jisraéliten schlägt, so verdient er den Tod, denn es heißt: <i>da wandte er sich nach allen Seiten um, und wie er sah, daß niemand zugegen war, erschlug er den Miçri</i>.
יח וא"ר חנינא הסוטר לועו של ישראל כאילו סוטר לועו של שכינה שנאמר (משלי כ, כה) מוקש אדם ילע קודש:
18 Ferner sagte R. Ḥanina: Wenn jemand einen Jisraéliten ohrfeigt, so ist es ebenso als hätte er die Göttlichkeit geohrfeigt, denn es heißt: <i>ein Fallstrick für den Menschen ist es, unbedacht ‘heilig’ zu rufen</i>.
יט מגביה עבדו שבת סימן: אמר ריש לקיש המגביה ידו על חבירו אע"פ שלא הכהו נקרא רשע שנאמר (שמות ב, יג) ויאמר לרשע למה תכה רעך למה הכית לא נאמר אלא למה תכה אף על פי שלא הכהו נקרא רשע
19 Reš Laqiš sagte: Wer seine Hand gegen seinen Nächsten erhebt, auch wenn er ihn nicht geschlagen hat, heißt ein Bösewicht, denn es heißt: <i>da sprach er zum Bösewichte: Warum schlägst du deinen Genossen</i>? Es heißt also nicht: warum hast du geschlagen, sondern: warum schlägst du; er heißt also Bösewicht, obgleich er noch nicht geschlagen hatte.
כ (אמר) זעירי א"ר חנינא נקרא חוטא שנאמר (שמואל א ב, טז) ואם לא לקחתי בחזקה וכתיב (שמואל א ב, יז) ותהי חטאת הנערים גדולה מאד
20 Zee͑ri im Namen R. Ḥaninas sagte, er heiße Sünder, denn es heißt: <i>wo nicht, so nehme ich es mit Gewalt</i>, und darauf folgt: <i>und die Versündigung der jungen Männer war sehr</i> <i>schwer</i>.
כא רב הונא אמר תיקצץ ידו שנאמר (איוב לח, טו) וזרוע רמה תשבר רב הונא קץ ידא
21 R. Hona sagte: Seine Hand möge abgehauen werden, denn es heißt: <i>und der erhobene Arm wird zerschmettert</i>. R. Hona ließ jemand die Hand abhauen.
כב ר"א אומר אין לו תקנה אלא קבורה: שנאמר (איוב כב, ח) ואיש זרוע לו הארץ
22 R. Elea͑zar sagte: Für ihn gibt es kein anderes Mittel als das Begraben, denn es heißt: <i>dem Manne der Faust — ihm die Erde</i>.
כג וא"ר אלעזר לא נתנה קרקע אלא לבעלי זרועות שנאמר ואיש זרוע לו הארץ
23 Ferner sagte R. Elea͑zar: Das Ackerland ist nur den Faustmännern gegeben worden, denn es heißt: <i>dem Manne der Faust, ihm gehört die Erde</i>.
כד ואר"ל מאי דכתיב (משלי יב, יא) עובד אדמתו ישבע לחם אם עושה אדם עצמו כעבד לאדמה ישבע לחם ואם לאו לא ישבע לחם
24 Ferner sagte Reš Laqiš: Es heißt: <i>wer seinen Acker bearbeitet, wird satt an Brot</i>; macht einer sich zum Arbeiter seines Ackers, so wird er satt an Brot, wenn aber nicht, so wird er nicht satt an Brot.
כה ואר"ל עובד כוכבים ששבת חייב מיתה שנא' (בראשית ח, כב) ויום ולילה לא ישבותו ואמר מר אזהרה שלהן זו היא מיתתן אמר רבינא אפי' שני בשבת
25 Ferner sagte Reš Laqiš: Wenn ein Nichtjude am Šabbath feiert, so verdient er den Tod, denn es heißt: <i>Tag und Nacht sollen sie nicht ruhen</i>, und der Meister sagte, daß für sie die Todesstrafe im Verbote liege. Rabina sagte: Selbst am Montag. —
כו וליחשבה גבי ז' מצות כי קא חשיב שב ואל תעשה קום עשה לא קא חשיב
26 Sollte er dies doch zu den sieben Gesetzen zählen!? — Er zählt nur zu unterlassende Handlungen, nicht aber auszuübende. —