Shabbat 6

Kapitel 6

א א"ל ר' חייא לרב בר פחתי לא אמינא לך כי קאי רבי בהא מסכתא לא תשייליה במסכתא אחריתי דילמא לאו אדעתיה דאי לאו דרבי גברא רבה הוא כספתיה דמשני לך שינויא דלאו שינויא הוא
1 R. Ḥija sprach zu Rabh: Fürstensohn, habe ich dir etwa nicht gesagt, daß, wenn Rabbi sich mit dem einen Traktate befaßt, du ihn nicht etwas aus einem anderen Traktate fragen sollst, weil er es vielleicht nicht im Gedächtnis hat!? Wäre Rabbi nicht ein großer Mann, so könntest du ihn in Verlegenheit bringen, dir eine Antwort zu geben, die keine Antwort ist.
ב השתא מיהת שפיר משני לך דתניא היה טעון אוכלין ומשקין מבעוד יום והוציאן לחוץ משחשיכה חייב לפי שאינו דומה לידו:
2 Aber er hat dir doch eine richtige Antwort gegeben, denn es wird gelehrt: Wer bereits am Tage mit Speisen oder Getränken beladen war und sie, wenn es finster geworden, hinausträgt, ist schuldig, weil dies [dem Ausstrecken] der Hand nicht gleicht.
ג אמר אביי פשיטא לי ידו של אדם אינה לא כר"ה ולא כרה"י כר"ה לא דמיא מידו דעני כרה"י לא דמיא מידו דבע"ה
3 Abajje sagte: Es ist mir klar, daß die Hand des Menschen nicht dem öffentlichen Gebiete und nicht dem Privatgebiete gleicht. Sie gleicht nicht dem öffentlichen Gebiete, wie dies bei der Hand des Armen der Fall ist; sie gleicht nicht dem Privatgebiete, wie dies bei der Hand des Hausherrn der Fall ist.
ד בעי אביי ידו של אדם מהו שתעשה ככרמלי' מי קנסוה רבנן לאהדורי לגביה או לא
4 Aber folgendes fragte Abajje: Ist die Hand des Menschen als Neutralgebiet zu betrachten: haben die Rabbanan ihn gemaßregelt und verboten, die Hand zurückzuziehen, oder nicht? –
ה ת"ש היתה ידו מלאה פירות והוציאה לחוץ תני חדא אסור להחזירה ותני אידך מותר להחזירה מאי לאו בהא קמיפלגי דמר סבר ככרמלי' דמיא ומ"ס לאו ככרמלית דמיא
5 Komm und höre: Wenn er die Hand voll Früchte draußen hinausstreckt, so darf er sie, wie das Eine lehrt, nicht zurückziehen, wie das Andere lehrt, wohl zurückziehen. Ihr Streit besteht wahrscheinlich in folgendem: nach der einen Ansicht gleicht sie einem Neutralgebiete, nach der anderen Ansicht gleicht sie keinem Neutralgebiete. –
ו לא דכ"ע ככרמלית דמיא ולא קשיא כאן למטה מעשרה כאן למעלה מעשרה
6 Nein, alle sind der Ansicht, sie gleiche einem Neutralgebiete, dennoch ist dies kein Widerspruch; das eine unterhalb zehn [Handbreiten], das andere oberhalb zehn [Handbreiten].
ז ואיבעית אימא אידי ואידי למטה מעשרה ולאו ככרמלית דמיא ולא קשיא כאן מבעוד יום כאן משחשיכה מבעוד יום לא קנסוה רבנן משחשיכה קנסוה רבנן
7 Wenn du aber willst, sage ich: beides unterhalb zehn [Handbreiten], auch sind beide der Ansicht, sie gleiche nicht einem Neutralgebiete, dennoch ist dies kein Widerspruch; das eine, wenn er sie noch am Tage, und das andere, wenn er sie nach dem Dunkelwerden [hinausgestreckt hat]. Wenn noch am Tage, haben ihn die Rabbanan nicht gemaßregelt, wenn nach dem Dunkelwerden, haben ihn die Rabbanan gemaßregelt. –
ח אדרבה איפכא מסתברא מבעוד יום דאי שדי ליה לא אתי לידי חיוב חטאת ליקנסו' רבנן מחשיכ' דאי שדי ליה אתי בהו לידי חיוב חטאת לא ליקנסו' רבנן
8 Im Gegenteil, das Entgegengesetzte ist ja einleuchtend: wenn er sie noch am Tage hinausgestreckt hat, und somit, falls er den Gegenstand fortwirft, kein Sündopfer schuldig ist, sollten ihn die Rabbanan maßregeln, wenn aber nach dem Dunkelwerden, wobei er, falls er den Gegenstand fortwirft, ein Sündopfer schuldig ist, sollten die Rabbanan ihn nicht maßregeln.
ט ומדלא קא משנינן הכי תפשוט דרב ביבי בר אביי דבעי רב ביבי בר אביי הדביק פת בתנור התירו לו לרדותה קודם שיבא לידי חיוב חטאת או לא התירו
9 Da aber nicht so erklärt wurde, so wäre eine Frage des R. Bebaj b. Abajje zu entscheiden. R. Bebaj b. Abajje fragte nämlich: Ist es, wenn jemand Brot an den Ofen geklebt hat, ihm erlaubt, dieses herauszunehmen, bevor er zu einem Sündopfer verpflichtet wird, oder ist dies nicht erlaubt? Demnach wäre zu entscheiden, daß dies nicht erlaubt ist. –
י תפשוט דלא התירו הא לא קשיא ותפשוט
10 Dies ist kein Einwand, und man entscheide auch.
יא ואיבעית אימא לעולם לא תפשוט ולא קשיא כאן בשוגג כאן במזיד בשוגג לא קנסוה רבנן במזיד קנסוה רבנן
11 Wenn du willst, sage ich: tatsächlich ist dies nicht zu entscheiden, dennoch ist dies kein Widerspruch; das eine, wenn versehentlich, das andere, wenn vorsätzlich. Wenn versehentlich, haben ihn die Rabbanan nicht gemaßregelt, wenn vorsätzlich, haben ihn die Rabbanan gemaßregelt.
יב ואיבעית אימא אידי ואידי בשוגג והכא בקנסו שוגג אטו מזיד קמיפלגי מר סבר קנסו שוגג אטו מזיד ומר סבר לא קנסו שוגג אטו מזיד
12 Wenn du willst, sage ich: beides, wenn versehentlich, hier aber streiten sie, ob sie bei Versehen wegen der Vorsätzlichkeit gemaßregelt haben; nach der einen Ansicht haben sie bei Versehen wegen der Vorsätzlichkeit gemaßregelt, und nach der anderen Ansicht haben sie nicht bei Versehen wegen der Vorsätzlichkeit gemaßregelt.
יג ואיבעית אימא לעולם לא קנסו ולא קשיא כאן לאותה חצר
13 Wenn du aber willst, sage ich: tatsächlich haben sie nicht gemaßregelt, dennoch ist dies kein Widerspruch; das eine, wenn nach demselben Hofe,