Sotah 5

Kapitel 5

א אלמא קסברי דאסור לקנאות
1 Demnach sind beide der Ansicht, die Verwarnung sei verboten.-
ב ומאן דאמר מותר לקנאות מהו לשון קינוי אמר רב נחמן בר יצחק אין קינוי אלא לשון התראה וכן הוא אומר (יואל ב, יח) ויקנא ה' לארצו
2 Was bedeutet Qinnuj nach demjenigen, welcher sagt, die Verwarnung sei erlaubt? R. Naḥman b. Jiçḥaq erwiderte: Qinnuj ist nichts weiter als ein Ausdruck der Verwarnung, wie es heißt: <i>der Herr eifert für sein Land</i>.
ג תניא היה רבי מאיר אומר אדם עובר עבירה בסתר והקב"ה מכריז עליו בגלוי שנאמר (במדבר ה, יד) ועבר עליו רוח קנאה ואין עבירה אלא לשון הכרזה שנאמר (שמות לו, ו) ויצו משה ויעבירו קול במחנה
3 Es wird gelehrt: R. Meír sagte: Wenn ein Mensch heimlich eine Sünde begeht, so macht dies der Heilige, gepriesen sei er, öffentlich bekannt, denn es heißt: <i>und über ihn ein Geist der Eifersucht geht</i>, und unter ‘gehen’ ist eine Bekanntmachung zu verstehen, wie es heißt: <i>da gebot Moše und man ließ einen Ruf durch das Lager gehen</i>.
ד ריש לקיש אמר אין אדם עובר עבירה אא"כ נכנס בו רוח שטות שנא' (במדבר ה, יב) איש איש כי תשטה אשתו תשטה כתיב
4 Reš Laqiš sagte: Ein Mensch begeht nur dann eine Sünde, wenn ein Geist der Torheit in ihn fährt, denn es heißt: <i>wenn irgend eines Mannes Frau sich vergeht</i>, und geschrieben ist: eine Torheit begeht.
ה תנא דבי רבי ישמעאל מפני מה האמינה תורה עד אחד בסוטה שרגלים לדבר שהרי קינא לה ונסתרה ועד אחד מעידה שהיא טמאה
5 In der Schule R. Jišma͑éls wurde gelehrt: Weshalb glaubte die Tora bei der Ehebruchsverdächtigten einem einzelnen Zeugen? Weil die Wahrscheinlichkeit dafür spricht, denn er hat sie verwarnt, sie sich verborgen, und ein Zeuge bekundet, daß sie sich verunreinigt habe.
ו אמר ליה רב פפא לאביי והא כי כתיבה קינוי בתר סתירה וטומאה הוא דכתיבה
6 R. Papa sprach zu Abajje: Die Verwarnung wird ja in der Schrift nach dem Verbergen und der Verunreinigung genannt!?
ז א"ל ועבר וכבר עבר
7 Dieser erwiderte: <i>Und geht</i>, wenn es bereits vorher gegangen war. —
ח אלא מעתה (במדבר לב, כא) ועבר לכם כל חלוץ ה"נ
8 [Es heißt ja auch:] <i>und es gehe</i> <i>jeder Gerüstete von euch</i>, demnach wäre auch hierbei ebenso zu verstehen!? —
ט התם מדכתיב (במדבר לב, כב) ונכבשה הארץ לפני ה' ואחר תשובו משמע דלהבא אלא הכא אי ס"ד כדכתיבי ועבר בתר טומאה וסתירה קינוי למה לי
9 Da heißt es: <i>und wenn das Land vor dem Herrn unterworfen ist, und ihr darauf umkehrt</i>, demnach bezieht es sich auf die Zukunft; wenn man aber hierbei nach der Reihenfolge der Schrift, kommen wird, auslegen wollte, so wäre ja, nach der Verunreinigung und dem Sich verbergen, die Verwarnung nicht nötig.
י תנא דבי רבי ישמעאל אין אדם מקנא לאשתו אא"כ נכנסה בו רוח שנאמר ועבר עליו רוח קנאה וקנא את אשתו מאי רוח
10 In der Schule R. Jišma͑éls wurde gelehrt: Ein Mensch verwarnt seine Frau nur dann, wenn ein Geist in ihn gefahren ist, denn es heißt: <i>und über ihn ein Geist der Eifersucht geht und er gegen seine Frau eifert</i>. — Was ist dies für ein Geist?
יא רבנן אמרי רוח טומאה רב אשי אמר רוח טהרה
11 Die Rabbanan erklärten, ein Geist der Unreinheit. R. Aši erklärte, ein Geist der Reinheit.
יב ומסתברא כמאן דאמר רוח טהרה דתניא וקנא את אשתו רשות דברי ר' ישמעאל ר"ע אומר חובה אי אמרת בשלמא רוח טהרה שפיר אלא אי אמרת רוח טומאה רשות וחובה לעיולי לאיניש רוח טומאה בנפשיה
12 Einleuchtend ist die Ansicht desjenigen, der ein Geist der Reinheit sagt, denn es wird gelehrt: <i>Und er gegen seine Frau eifert</i>, dies ist freigestellt — so R. Jišma͑él; R. A͑qiba sagt, es sei Pflicht. Erklärlich ist dies, wenn du ein Geist der Reinheit sagst, ist es denn aber, wenn du ein Geist der Unreinheit sagst, Pflicht oder freigestellt, daß ein Mensch einen Geist der Unreinheit in sich bringe!?
יג גופא וקנא את אשתו רשות דברי רבי ישמעאל ורבי עקיבא אומר חובה (ויקרא כא, ג) לה יטמא רשות דברי רבי ישמעאל ור"ע אומר חובה
13 Der Text. <i>Und er gegen seine Frau eifert</i>, dies ist freigestellt — so R. Jišma͑él; R. A͑qiba sagt, es sei Pflicht. <i>An ihr verunreinige er sich</i>, dies ist freigestellt — so R. Jišma͑él; R. A͑qiba sagt, es sei Pflicht.
יד (ויקרא כה, מו) לעולם בהם תעבודו רשות דברי רבי ישמעאל ר' עקיבא אומר חובה
14 <i>Ewig haltet sie zur Arbeit</i>, dies ist freigestellt — so R. Jišma͑él; R. A͑qiba sagt, es sei Pflicht.
טו אמר ליה רב פפא לאביי ואמרי לה רב משרשיא לרבא לימא ר' ישמעאל ור' עקיבא בכל התורה כולה הכי פליגי דמר אמר רשות ומר אמר חובה א"ל הכא בקראי פליגי
15 R. Papa sprach zu Abajje, manche sagen, R. Mešaršeja zu Raba: Demnach wäre anzunehmen, daß R. Jišma͑él und R. A͑qiba diesen Streit in der ganzen Tora führen; einer sagt, es sei freigestellt, und der andere sagt, es sei Pflicht!? Dieser erwiderte: Sie streiten nur über [diese] Schriftverse.
טז וקנא את אשתו רשות דברי רבי ישמעאל רבי עקיבא אומר חובה
16 «<i>Und er gegen seine Frau eifert</i>, dies ist freigestellt — so R. Jišma͑él: R. A͑qiba sagt, es sei Pflicht.»
יז מ"ט דר' ישמעאל סבר לה כי האי תנא דתניא רבי אליעזר בן יעקב אומר כלפי שאמרה תורה (ויקרא יט, יז) לא תשנא את אחיך בלבבך יכול כגון זו ת"ל ועבר עליו רוח קנאה וקנא את אשתו
17 Was ist der Grund R. Jišma͑éls? — Er ist der Ansicht des Autors der folgenden Lehre: R. Elie͑zer b. Ja͑qob sagte: Die Tora sagt: <i>du sollst deinen Bruder in deinem Herzen nicht hassen</i>, somit konnte man glauben, dies sei auch hierbei zu berücksichtigen, so heißt es: <i>und über ihn ein Geist der Eifersucht geht und er gegen seine Frau eifert</i>. —
יח ור"ע קינוי אחרינא כתיב
18 Und R. A͑qiba!? — [Der Ausdruck] ‘eifern’ wird zweimal gebraucht. —
יט ורבי ישמעאל איידי דבעי למיכתב והיא נטמאה והיא לא נטמאה כתיב נמי וקנא את אשתו
19 Und R. Jišma͑él!? — Da er schreiben will: <i>und sie sich verunreinigt hat, und sie sich nicht verunreinigt hat</i>, so heißt es auch [wiederum]: <i>und er gegen seine Frau eifert</i>.
כ לכדתנא דבי רבי ישמעאל דתנא דבי רבי ישמעאל כל פרשה שנאמרה ונישנית לא נישנית אלא בשביל דבר שנתחדש בה
20 Dies nach einer Lehre der Schule R. Jišma͑éls, denn in der Schule R. Jišma͑éls wurde gelehrt: Jeder Abschnitt, der gelehrt und wiederholt worden ist, ist nur wegen einer darin vorkommenden Neuerung wiederholt worden.
כא לה יטמא רשות דברי רבי ישמעאל ר' עקיבא אומר חובה
21 «<i>An ihr verunreinige er sich</i>, dies ist. freigestellt — so R. Jišma͑él; R. A͑qiba sagt, es sei Pflicht.»
כב מ"ט דר' ישמעאל איידי דכתי' (ויקרא כא, א) אמור אל הכהנים בני אהרן ואמרת אליהם לנפש לא יטמא בעמיו איצטריכא למיכתב לה יטמא
22 Was ist der Grund R. Jišma͑éls? — Es heißt: <i>rede zu den Priestern, den Kindern Ahrons, und sprich zu ihnen: er darf sich an keiner Seele in seinem Volke verunreinigen</i>, daher heißt es: <i>an ihr verunreinige er sich</i>. —
כג ור' עקיבא מכי (ויקרא כא, ב) אם לשארו נפקא לה יטמא למה לי לחובה
23 Und R. A͑qiba!? Dies geht hervor aus [den Worten:] <i>nur an seinen Blutsverwandten</i>, und wenn es noch heißt: <i>an ihr verunreinige er sich</i>, so deutet dies auf die Pflicht. —
כד ורבי ישמעאל לה מיטמא ואין מיטמא לאיבריה
24 Und R. Jišma͑él!? — <i>An ihr verunreinige er sich</i>, nicht aber an einzelnen Gliedern von ihr. —