Yevamot 11

Kapitel 11

א לאו דמחמר ואפי' הכי לא דחי
1 dies gilt vom Verbote des Eseltreibens.
ב אלא דקיימא לן דאתי עשה ודחי לא תעשה ליגמר מהכא דלא לידחי
2 Wieso sagen wir, wenn auch dies nicht verdrängt wird, ein Gebot verdränge ein Verbot, hieraus sollte doch gefolgert werden, daß es nicht verdränge!?
ג וכ"ת שאני לאוי דשבת דחמירי והא תנא בעלמא קאי ולא קפריך
3 Wolltest du erwidern, bei den Šabbathverboten sei es anders, da sie streng sind, so folgert ja der Autor anderweitig, ohne daß dies erwidert wird!?
ד דתניא יכול אמר לו אביו היטמא או שאמר לו אל תחזיר יכול ישמע לו ת"ל (ויקרא יט, ג) איש אמו ואביו תיראו ואת שבתותי תשמורו כולכם חייבין בכבודי
4 Es wird nämlich gelehrt. Man könnte glauben, daß, wenn sein Vater zu ihm gesagt hat, daß er sich verunreinige oder nicht zurückbringe, er ihm gehorche, so heißt es: <i>ihr sollt jeder Mutter und Vater fürchten, und meine Šabbathe sollt ihr beobachten</i>, ihr alle seid zu meiner Ehrung verpflichtet.
ה אלא משום דאיכא למיפרך
5 Vielmehr, es ist zu erwidern:
ו מה להנך שכן הכשר מצוה
6 wohl gilt dies von jenen, weil darin die Befolgung des Gebotes besteht.
ז אלא סד"א תיתי מבנין בית המקדש דתניא יכול יהא בנין בית המקדש דוחה שבת ת"ל (ויקרא יט, ל) את שבתותי תשמורו ומקדשי תיראו כולכם חייבין בכבודי
7 Vielmehr, man könnte glauben, es sei vom Tempelbau zu folgern. Es wird nämlich gelehrt: Man könnte glauben, der Tempelbau verdränge den Šabbath, so heißt es: <i>meine Šabbathe sollt ihr beobachten und mein Heiligtum</i> <i>fürchten</i>; ihr alle seid zu meiner Ehrung verpflichtet.
ח מאי לאו בבונה וסותר וטעמא דכתב רחמנא את שבתותי תשמורו הא לאו הכי דחי
8 Dies gilt wohl vom Bauen und Niederreißen, und nur aus dem Grunde, weil der Allbarmherzige geschrieben hat: <i>meine Šabbathe sollt ihr beobachten</i>, sonst aber würde es verdrängt haben.
ט לא לאו דמחמר ואפילו הכי לא דחי ואלא דקיימא לן דאתי עשה ודחי ל"ת ליגמר מהכא דלא דחי
9 Nein, vom Verbote des Eseltreibens. — Wieso sagen wir, wenn auch dies nicht verdrängt wird, ein Gebot verdränge ein Verbot, hieraus sollte doch gefolgert werden, daß es nicht verdränge!?
י וכ"ת שאני לאוי דשבת דחמירי והא תנא בעלמא קאי ולא קא פריך דתניא יכול אמר לו אביו היטמא או שאמר לו אל תחזיר יכול ישמע לו תלמוד לומר איש אמו ואביו תיראו וגו' כולכם חייבים בכבודי
10 Wolltest du erwidern, bei den Šabbathverboten sei es anders, da sie streng sind, so folgert ja der Autor anderweitig, ohne daß dies erwidert wird!? Es wird nämlich gelehrt: Man könnte glauben, daß, wenn sein Vater zu ihm gesagt hat, daß er sich verunreinige, oder nicht zurückbringe, er ihm gehorche, so heißt es: <i>ihr sollt jeder Mutter und Vater fürchten &amp;c.</i>; ihr alle seid zu meiner Ehrung verpflichtet.
יא אלא משום דאיכא למיפרך מה להנך שכן הכשר מצוה הכשר מצוה תיפוק לי מהתם
11 Vielmehr, es ist zu erwidern: wohl gilt dies von jenen, weil darin die Befolgung des Gebotes besteht. — Hinsichtlich der Befolgung des Gebotes ist ja von dort zu folgern!?
יב אין הכי נמי ואת שבתותי תשמורו ומקדשי תיראו למה לי מיבעי ליה לכדתניא יכול יתיירא אדם ממקדש תלמוד לומר את שבתותי תשמורו ואת מקדשי תיראו נאמרה שמירה בשבת ונאמרה מורא במקדש מה שמירה האמורה בשבת
12 Dem ist auch so. — Wozu heißt es demnach: <i>meine Šabbathe sollt ihr beobachten und mein Heiligtum fürchten</i>!? — Dies ist wegen der folgenden Lehre nötig: Man könnte glauben, der Mensch fürchte das Heiligtum, so heißt es: <i>meine Šabbathe sollt ihr beobachten und mein Heiligtum fürchten</i>; beim Šabbath heißt es <i>beobachten</i> und beim Heiligtum heißt es <i>fürchten</i>;