Yevamot 77

Kapitel 77

א וקסבר אביי ידו כידה
1 Abajje ist der Ansicht, sein Anrecht gleiche ihrem Anrecht.
ב א"ל רבא אי דנפלי לה כשהיא תחתיו דבעל דכ"ע לא פליגי דידו עדיפא מידה
2 Raba sprach zu ihm: Wenn sie ihr zufielen, als sie noch bei ihrem Ehemanne war, stimmen alle überein, daß sein Anrecht bedeutender ist als ihres.
ג אלא אידי ואידי דנפלו לה כשהיא שומרת יבם רישא דלא עבד בה מאמר סיפא דעבד בה מאמר
3 Beide gelten vielmehr von dem Falle, wenn sie ihr zufielen, als sie Anwärterin der Schwagerehe war, nur gilt der Anfangsatz von dem Falle, wenn er an sie die Eheformel nicht gerichtet hat, und der Schlußsatz von dem Falle, wenn er an sie die Eheformel gerichtet hat.
ד וקסבר רבא מאמר לב"ש עושה ודאי ארוסה וספק נשואה ודאי ארוסה לדחות בצרה וספק נשואה לחלוק בנכסים
4 Raba ist der Ansicht, die Eheformel mache sie nach der Schule Šammajs zur sicher Verlobten und zweifelhaft Verheirateten. Zur sicher Verlobten, um die Nebenbuhlerin zu verdrängen, zur zweifelhaft Verheirateten, hinsichtlich der Beteiligung an den Gütern.
ה איתמר משמיה דר' אלעזר כוותיה דרבא ואיתמר משמיה דרבי יוסי ברבי חנינא כוותיה דאביי
5 Im Namen R. Elea͑zars wurde übereinstimmend mit Raba, und im Namen des R. Jose b. R. Ḥanina wurde übereinstimmend mit Abajje gelehrt. –
ו ומי אמר רבי אלעזר הכי והא אמר רבי אלעזר מאמר לב"ש אינה קונה אלא לדחות בצרה בלבד
6 Kann R. Elea͑zar dies denn gelehrt haben, R. Elea͑zar sagte ja, die Aneignung durch die Eheformel sei nach der Schule Šammajs nur insofern wirksam, um die Nebenbuhlerin zu verdrängen!? –
ז איפוך ואי בעית אימא לעולם לא תיפוך אמר לך רבי אלעזר כי אמרי אנא דלא סגי לה בגט אלא דבעי נמי חליצה לחלוק בנכסים דלא קני מי אמרי
7 Wende es um. Wenn du aber willst, sage ich: tatsächlich wende man es nicht um, denn R. Elea͑zar kann dir erwidern: ich sagte nur, daß ein Scheidebrief nicht ausreiche, und sie auch der Ḥaliça benötige, sagte ich etwa, daß auch hinsichtlich der Beteiligung an den Gütern keine Aneignung erfolge!?
ח אמר רב פפא דיוקא דמתניתין כוותיה דאביי ואע"ג דקשיא מתה
8 R. Papa sagte: Aus unserer Mišna ist übereinstimmend mit Abajje zu folgern, obgleich inbetreff der Verstorbenen ein Einwand zu erheben ist.
ט דקתני נכסים הנכנסים ויוצאים עמה מאי נכנסין ומאי יוצאין לאו נכנסין לרשות הבעל ויוצאים מרשות הבעל לרשות האב
9 Diese lehrt von Gütern, die mit ihr ein- und ausgehen, Was heißt eingehen und was heißt ausgehen? Doch wohl: die in den Besitz des Ehemannes gekommen und aus dem Besitze des Ehemannes zurück in den Besitz des Vaters gelangt sind.
י ואע"ג דקשיא מתה אדמפלגי בגופה ולאחר מיתה לפלגו בחייה ולפירות
10 Inbetreff der Verstorbenen ist ein Einwand zu erheben: weshalb streiten sie über [die Güter] selbst nach ihrem Tode, sollten sie doch über die Früchte bei ihren Lebzeiten streiten!?
יא ותו לא מידי:
11 Weiter nichts darüber.
יב כנסה הרי היא כו': למאי הלכתא א"ר יוסי בר חנינא לומר שמגרשה בגט ומחזירה
12 H<small>AT ER SIE GENOMMEN, SO GILT SIE</small> &amp;<small>C</small>. In welcher Hinsicht ist dies von Bedeutung? R. Joseb. Ḥanina erwiderte: Dies besagt, daß er sich von ihr durch einen Scheidebrief scheiden lassen, und daß er sie wiedernehmen dürfe. –
יג מגרשה בגט פשיטא סד"א הואיל וכתיב (דברים כה, ה) ולקחה לו לאשה ויבמה אמר רחמנא ועדיין יבומי הראשון עליה בחליצה אין בגט לא קמ"ל
13 Selbstverständlich, daß er sich von ihr durch einen Scheidebrief scheiden lassen darf!? – Der Allbarmherzige sagt: <i>er nehme sie zur Frau und vollziehe an ihr die Schwagerehe,</i> somit könnte man glauben, ihr hafte noch die frühere Schwagerpflicht an, sodaß dies nur durch die Ḥaliça und nicht durch einen Scheidebrief erfolgen könne, so lehrt er uns. –
יד מחזירה פשיטא סד"א מצוה דרמיא רחמנא עליה עבדה השתא תיקום עליה באיסור אשת אח קמ"ל
14 Selbstverständlich, daß er sie wiedernehmen darf!? – Man könnte glauben, daß sie ihm, nachdem das ihm vom Allbarmherzigen auferlegte Gebot ausgeübt worden ist, als Schwester seines Bruders verboten sei, so lehrt er uns. –
טו ואימא הכי נמי אמר קרא ולקחה לו לאשה כיון שלקחה הרי היא כאשתו לכל דבר:
15 Vielleicht ist dem auch so!? – Die Schrift sagt: <i>er nehme sie zur Frau,</i> sobald er sie genommen hat, gilt sie in jeder Hinsicht als seine Frau.
טז ובלבד שתהא כתובתה כו': מ"ט אשה הקנו לו מן השמים
16 N<small>UR DASS IHRE</small> M<small>ORGENGABE</small> &amp;<small>C</small>. Aus welchem Grunde? – Im Himmel hat man ihm eine Frau zugeeignet.
יז ואי לית לה מן הראשון תקינו לה משני כדי שלא תהא קלה בעיניו להוציאה:
17 Wenn aber der erste nichts hatte, ist ihr [die Morgengabe] vom zweiten zugesprochen worden, damit sie ihm nicht leicht zu entfernen sei.
יח <big><strong>מתני׳</strong></big> מצוה בגדול לייבם לא רצה מהלכין על כל האחין לא רצו חוזרין אצל גדול ואומרים לו עליך מצוה או חלוץ או ייבם
18 <b>D</b><small>AS</small> G<small>EBOT, DIE</small> S<small>CHWAGEREHE ZU VOLLZIEHEN, LIEGT DEM</small> Ä<small>LTESTEN OB; WILL ER NICHT, SO WENDE MAN SICH AN ALLE ÜBRIGEN</small> B<small>RÜDER.</small> W<small>OLLEN AUCH DIESE NICHT, SO WENDE MAN SICH ZURÜCK AN DEN</small> Ä<small>LTESTEN UND SPRECHE ZU IHM:</small> D<small>IR LIEGT DAS</small> G<small>EBOT OB; VOLLZIEHE DIE</small> Ḥ<small>ALIÇA ODER DIE</small> S<small>CHWAGEREHE</small>.
יט תלה בקטן עד שיגדיל או בגדול עד שיבא ממדינת הים או חרש או שוטה אין שומעין לו אלא אומרים לו עליך מצוה או חלוץ או ייבם:
19 V<small>ERWEIST ER AUF EINEN</small> M<small>INDERJÄHRIGEN, BIS ER</small> G<small>ROSSJÄHRIG</small> <small>WIRD, ODER AUF EINEN ÄLTEREN</small> [B<small>RUDER</small>], <small>BIS ER AUS DEM</small> Ü<small>BERSEELANDE HEIMKEHRT</small>, <small>ODER AUF EINEN</small> T<small>AUBEN ODER</small> B<small>LÖDEN</small>, <small>SO HÖRE MAN NICHT AUF IHN, VIELMEHR SPRECHE MAN ZU IHM:</small> D<small>IR LIEGT DAS</small> G<small>EBOT OB; VOLLZIEHE DIE</small> Ḥ<small>ALIÇA ODER DIE</small> S<small>CHWAGEREHE.</small>
כ <big><strong>גמ׳</strong></big> איתמר ביאת קטן וחליצת גדול פליגי בה ר' יוחנן ור' יהושע בן לוי חד אמר ביאת קטן עדיפא וחד אמר חליצת גדול עדיפא
20 GEMARA. Es wurde gelehrt: Über die Beiwohnung des Kleineren und die Ḥaliça des Größeren streiten R. Joḥanan und R. Jehošua͑ b. Levi; einer sagt, die Beiwohnung des Kleineren sei zu bevorzugen, und einer sagt, die Ḥaliça des Größeren sei zu bevorzugen.
כא מאן דאמר ביאת קטן עדיפא דהא מצוה בייבום ומאן דאמר חליצת גדול עדיפא במקום גדול ביאת קטן לאו כלום היא
21 Einer sagt, die Beiwohnung des Kleineren sei zu bevorzugen, denn das Gebot besteht [hauptsächlich] in der Schwagerehe, und einer sagt, die Ḥaliça des Größeren sei zu bevorzugen, denn wo ein Größerer vorhanden ist, scheidet die Beiwohnung des Kleineren aus. –
כב תנן לא רצה מחזירין על כל האחין מאי לאו לא רצה לייבם אלא לחלוץ וקתני מהלכין אצל האחין שמע מינה ביאת קטן עדיפא
22 Wir haben gelernt: Will er nicht, so wende man sich an alle übrigen Brüder. Doch wohl, wenn er nicht die Schwagerehe, sondern nur die Ḥaliça vollziehen will, und er lehrt, daß man sich an die übrigen Brüder wende. Schließe hieraus, daß die Beiwohnung des Kleineren zu bevorzugen ist!? –
כג לא לא רצה לחלוץ ולא לייבם דכוותה גבי האחין לא רצו לא לחלוץ ולא לייבם אמאי חוזרים אצל הגדול למיכפייה לכפייה לדידהו כיון דמצוה עליה דידיה רמיא לדידיה כייפינן
23 Nein, wenn er weder die Ḥaliça noch die Schwagerehe vollziehen will. – Desgleichen bei den Brüdern, wenn sie weder die Ḥaliça noch die Schwagerehe vollziehen wollen; weshalb wende man sich zurück an den Ältesten, um ihn zu zwingen, zwinge man doch diese!? – Da das Gebot ihm obliegt, zwinge man ihn. –
כד תנן תלה בקטן עד שיגדיל אין שומעין לו ואי ביאת קטן עדיפא אמאי אין שומעין לו נינטר דלמא גדיל ומייבם
24 Wir haben gelernt: Verweist er auf einen Minderjährigen, bis er großjährig wird, so höre man nicht auf ihn. Weshalb höre man nicht auf ihn, wenn die Beiwohnung des Kleineren zu bevorzugen ist, man sollte doch warten, vielleicht vollzieht er, wenn er großjährig ist, die Schwagerehe!? –
כה וליטעמיך ובגדול עד שיבא ממדינת הים אין שומעין לו אמאי נינטר דלמא אתי וחליץ אלא כל שהויי מצוה לא משהינן
25 Weshalb höre man nicht auf ihn, auch nach deiner Ansicht, wenn er auf einen älteren [verweist], bis er aus dem Überseelande heimkehrt, man sollte doch warten, bis er heimkehrt und vielleicht die Schwagerehe vollzieht!? Vielmehr schiebe man ein Gebot nicht hinaus.