Yoma 80

Kapitel 80

א (ויקרא טז, י) יעמד חי לפני ה' לכפר עליו עד מתי יהיה זקוק לעמוד חי עד שעת מתן דמו של חבירו דברי רבי יהודה רבי שמעון אומר עד שעת וידוי דברים
1 <i>Soll lebend vor dem Herrn stehen bleiben, um durch ihn Sühne zu schaffen.</i> Wie lange muß er lebend stehen bleiben? Bis zum Blutsprengen des anderen – so R. Jehuda; R. Šimo͑n sagt, bis nach dem Sündenbekenntnis. –
ב במאי קא מיפלגי כדתניא לכפר בכפרת דמים הכתוב מדבר וכן הוא אומר (ויקרא טז, כ) וכלה מכפר את הקדש מה להלן בכפרת דמים אף כאן בכפרת דמים דברי רבי יהודה
2 Worin besteht ihr Streit? – Wie gelehrt wird: <i>Um durch ihn Sühne zu schaffen,</i> die Schrift spricht von der Sühne durch das Blut, denn es heißt: <i>wenn er vollendet hat die Sühne des Heiligtums,</i> wie es da die Sühne durch das Blut ist, ebenso hierbei die Sühne durch das Blut – so R. Jehuda.
ג ר' שמעון אומר לכפר עליו בכפרת דברים הכתוב מדבר
3 R. Šimo͑n sagte: <i>Um durch ihn Sühne zu schaffen,</i> die Schrift spricht von der Sühne durch Worte. –
ד ת"ש שאלו תלמידיו את רבי עקיבא עלה בשמאל מהו שיחזור לימין אמר להן אל תתנו מקום לצדוקים לרדות
4 Komm und höre: Seine Schüler fragten R. A͑qiba: Darf man, nachdem [das Los] in die Linke geraten ist, [den Bock] rechts wenden?
ה טעמא דאל תתנו מקום לצדוקים לרדות הא לאו הכי מהדרינן ליה והא אמרת הגרלה מעכבא וכיון דקבעתיה שמאל היכי מהדרינן ליה
5 Dieser erwiderte: Gebet den Minäern keine Gelegenheit zum Angriff. Also nur darum, weil man den Minäern keine Gelegenheit zum Angriff gebe, sonst aber dürfte man ihn umwenden. Wieso dürfte man ihn umwenden, wenn du sagst, das Losen sei unerläßlich, die Linke hat ihn ja bestimmt!?
ו אמר רבא הכי קאמרי עלה הגורל בשמאל מהו שיחזירו לו ולשעירו לימין אמר להם אל תתנו מקום לצדוקים לרדות
6 Raba erwiderte: Sie fragten wie folgt: darf man, wenn das Los in die Linke geraten ist, dieses und den betreffenden Ziegenbock rechts wenden, und darauf erwiderte er, man gebe den Minäern keine Gelegenheit zum Angriff. –
ז ת"ש אילו נאמר את השעיר אשר עליו הייתי אומר יניחנו עליו ת"ל עלה כיון שעלה שוב אינו צריך
7 Komm und höre: Würde es geheißen haben: den Bock, auf dem es sich befindet, so würde ich gesagt haben, er müsse es auf ihn legen, es heißt aber: [auf ihn] fiel, sobald es gezogen worden ist, ist weiter nichts nötig.
ח למאי אילימא למצוה מכלל דהנחה מצוה נמי לא אלא לאו לעכב ושמע מינה הגרלה מעכבא הנחה לא מעכבא
8 Zu welchem Zwecke: wollte man sagen, nur als Gebot, so wäre demnach das Hinauflegen nicht einmal ein Gebot, doch wohl hinsichtlich der Unerläßlichkeit, somit ist hieraus zu entnehmen, daß das Losen unerläßlich ist und das Hinauflegen nicht unerläßlich ist!?
ט אמר רבא הכי קאמר אילו נאמר אשר עליו הייתי אומר יניחנו עליו עד שעת שחיטה ת"ל אשר עלה כיון שעלה שוב אינו צריך
9 Raba erwiderte: Er meint es wie folgt: würde es geheißen haben: auf dem es sich befindet, so würde ich gesagt haben, er lasse es auf ihm bis zum Schlachten liegen, es heißt aber: auf ihn fiel, sobald es gezogen worden ist, ist weiter nichts nötig. –
י ת"ש (ויקרא טז, ט) ועשהו חטאת הגורל עושהו חטאת ואין השם עושהו חטא'
10 Komm und höre: <i>Er richte ihn als Sündopfer her,</i> das Los macht ihn zum Sündopfer, nicht aber macht ihn die Bezeichnung zum Sündopfer.
יא שיכול והלא דין הוא ומה במקום שלא קידש הגורל קידש השם מקום שקידש הגורל אינו דין שיקדש השם
11 Man könnte nämlich einen Schluß folgern: wenn in einem Falle, wo das Los nicht bestimmend ist, die Bezeichnung bestimmend ist, um wieviel mehr sollte in einem Falle, wo das Los bestimmend ist, die Bezeichnung bestimmend sein.
יב ת"ל ועשהו חטאת הגורל עושה חטאת ואין השם עושה חטאת
12 Daher heißt es: <i>er richte ihn als Sündopfer her,</i> das Los macht ihn zum Sündopfer, nicht aber macht ihn die Bezeichnung zum Sündopfer.